Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

b l u

daß alle narren eine iävour haben müßen, duellirte jener mitihm, und hatte das glück, ihn nicht nur ju verwunden , son,dem auch zu entwaffnen, worüber die Königin ein eben so gros-ses vergnügen, als vorher über des Grafen unbescheidenheit einmißfallen bezeugte. Seine gantze Neigung war auf das reifenund auf den krieg gerichtet, wie er denn auch eine geraume zeitzu waffer lind lande ividcr die Spanier gedienet, und abson-derlich in den Französischen religions - kriegen unter dem be.rühinten Ritter Norris die Waffen in Bretagne geführt hatte.Die Königin bewog ihn endlich, an ihrem Hofe zu bleiben, undeben diese, nachdem sie ihm a». 1397. nach absterben des Gra-sen von Susser das Gubernament von Portsmouth gegeben ,ernennte ihn fast wider jedermans vermuthen , an. 1300. zumVice-König von Jrrland , wobey sie zu ihm sagte, er wurdedie ehre haben, den bisherigen langwierigen kriegen in demsel-ben Königreiche, und insonderheit der rebellion deslGrafen vonTvronne, O-Neal, ein vollkommenes ende zu machen. Dieserebellion hatte ihren Ursprung von gewissen privat-feindseligkei»ten, nahm aber gar sehr zu, weil der Englische Hof solche an-fangs als eine kleinigkeit tractirte, und die Komgin Elisabethin hergebung der Unkosten, so zu deren dämpfunq nöthig ge-wesen wären , zu viel sparsainkcit sehen ließ ; die einwohnerdes landcs liessen sich solche gefallen, weil sie ein Mittel seynsollte, die Catholische religion wieder empor zu bringen; die li-ccntz und ermangelung der strafe machte die unruhe allgemein;das ansehe» und die caressen der aufrührischen Häupter, de-ren glücklicher succeß, der beystand des Königs von Spanien ,und die Päpstliche indulgentzen machten sie täglich stärcker undgefährlicher; hierzu kam noch die unter den Eugelländern re-gierende Mißgunst, das zwischen unterschiedenen Generals ge-theilte commando, der geitz der alten soldaten, die arglistigkeitdes Grafen von Tvronne, seine betrügliche stillstands-lractaten,seine ertichkete submiffiones und Versicherungen , und haupt-sächlich auch die sonderliche deschaffenhciten des landes, wor-innen die natürliche einwohner eben so leicht fortkommen könn,ten , als es hingegen den fremden und regulirteu trouppenschwer fiel, ihre feinde, die niemals recht stand hielten, darin-nen recht zu fassen. Eigentlich hatte diese rebellion nur sechsjähr gewährt; allein man konnte bey nahe 400. iahr zehlen ,nemlich von Henrici II. zeiten an, welcher dieses land erobert,da fast unaufhörlich krieg gewesen. Denselben nun endigteMvlord Montjoy durch seinen verstand und durch seine tapfer-keic, gleichwie ihm von der Königin war prophezeyet worden.Den 24. febr. an. 1600. kam er in Jrrland an, da diesesKönigreich gleichsam auf dem Puncte stund, sich von Engel-land abzureißen. Allein gleich in den ersten 9. monaten brach-te er es' so weit, baß die befehle der Königin Elisabeth allent-halben respectirt wurden. Das folgende jähr fiengen die re-belten an, sich aufs neue zu regen, weil aus Svanien ein suc-cnrs vor sie ankam, welcher den r;. sept. bey KIngsal landete»und dieser stadt sich bemächtigte. Allein den nächstfolgendenr. jan. an. 1602, meisten die Spanier unter ihrem General,Don Juan de Aquila, nach einer solennen capitulalion, Jrr-land völlig verlassen. Den dritten aufstand erregte in dem letztrrwehnten jähre die ankunft Eugenii O-Hcgans, welchen derPapst zum Bischofs von Roß gemacht hatte. Es musten aberauch dieses mal die rebellen zum creutze kriechen, und endlichdemüthigte sich gleichfalls deren Oberhaupt, der Graf von Ty-ronne. Denselben führte Mylord Montjoy an. 1603. mit sichnach Londen , (nachdem er noch vorher die städte Cork , Wa«terfvrd und Limmerick, welche nach der zeitung von dem tobeder Königin Elisabeth sich einpört hatten, völlig zur raison ge-bracht ) ällwo ihn der neue König Jacobus I. noch vor seinercrönnng, mit sonderbarer zufriedenheit des volcks zum Grafenvon Devonshire erklärte; wie er ihm denn auch den titul einesLord-Liemenants (da er zuvor nur Lord-Veputy geheißen, vorseiner abreise aus Jrrland ertheilte. Er ließ in diesem König-reiche 2. vestungen zurück, die er als immerwährende denckmaleseiner glücklichen erpedition aufgeführt hatte, und zwar die eine8 . meilen von Armagh , unter dem nahmen Mont Norris ( demoberwehnten General zu ehren) und die andere an dem ufer dessees Neagh oder Sidney, unter dem nahmen Montjoy. Er starban. 1606. und ließ den rühm eines klugen, tapfern und gelehrtenHerrn nach sich. Camden. Brit. p. 36. 42. 462. 1019. De Lar-rey, hist. dAnglet. tom. II. p. 939.548. 594.616. 620. 64$.678 -

Blut, (heilig) Ritter-orden, siehe Erlösers Ritter-orden.

* Bluteau,. (Raphael) ein Theatiner-Mönch, war zu Lon­ den von Französischen eitern den 4. decembr. an. ,6;8. ge-bohren. Nachdem er erstlich eine geraume zeit in Franckreichzugebracht , und um das jähr 1680. Superior des Profeß-hauses von seinem orden zu Paris gewesen , begab er sich nachPortugall, und lernte in wenig monaten die dasiqe spräche sovollkommen, daß er vor dem König und der Königin mit bey-fall predigen konnte. Hierauf kam er nach Paris zurück, undniachte sich vornemlich bey dem Cardinal d'Etrees sehr be-liebt , gieng aber doch nach einiger zeit wiederum nach Por-tugall , und ward allda Qualificator bey dem Jnquisitions-ge-richle , und ein mitglied von der Academie der Historie, inwelchen würden er auch zu Lisabona den 13. febr. an. 1734.im sechs und neunzigsten jähre seines alters starb. Man hatvon ihm ein Lateinisch, und Portugiesisches Vocadularium oderHistor. Ltxwort 11. Theil.

b l y b 0 a

61

Lericon in 10. foliantcn, seiner annoch »»gedruckten fchriftcnzu geschweige». Mer eure de France , avril & juillet 1734.Memniret du tems,

* Blyenburg, (Adrian von) stammele aus einem adelichengeschlecht her, und ward zu Dordrecht an. 136°. qebohren.Er war ein vortreflicher Jurist und unvergleichlicher Poet, wiesolches aus einer sainmlung seiner stücken, welche zu Leiden an.1388. gedruckt worden, erhellet. Er starb den 23. febr. an.1399. und liegt in der grossen kirche zu Dordrecht begraben.Groß allgem. HoU. Lericon.

* Blyenburg, (Adrian von) ein söhn Jacobs von Blven-burg, war Ritter des ordens St. Michael, Herr von Naalr-wyck und Vogt von Dordrecht an. 1626. Er war von grossser beredtsamkcit und in den Historien und der politic sehr er-fahren , daher» er in verschiedenen wichtigen Gesandtschafftennützlich gebraucht worden. Er war dabey auch ein guterPoet, und hatte viele schöne gelehrte Lateinische briefe hin-terlassen , welche noch nicht sind gedruckt worden. Groß all-gem. Holl. Lexicon.

* Blyenburg, (Damas von) ward gebohren zu Dordrecht an. 1338. Er hatte sich vermählet mit Maria van der Aa ,Frau von Hofwegen , welche ihm durch den tod wieder ent-rissen wurde, ohne kinder zu hinterlassen. Er war hierüber sosehr betrübet , daß er, iu der Hoffnung seinen schmertzen zulindern, sich entschloß, eine reise nach Tculfchland und in andereländer zu thun. Er verreisete also an. 1616. in dem fünfzig-sten iahr seines alters; man hat aber hernach nichts mehrvon ihm gehöret. Die gemeinste meynung ist , er sey in Böh­ men mit tod abgegangen. Er war in den schönen wissen-schafften 1111b Humanioribus sehr wohl erfahren, und hat fol-gendes geschrieben : Lento Ethicus, Lugd. Bat. 1399. in 8.Vcneres Blyenburgicae , sive Carmina Erotica , Dvrdr. 1600.in 8. Epitome operum B. Fulgentii in triginta capita diftri-buta, Amsterd. 1612. in 8. Groß allgem. HolländischesLericon.

Boabdiles, oder Boabdil, von einigen Ali Muley Alca.durbil, von den Spaniern aber insgemein ei Rey Chyquito, d.i. der kleine oder der junge Röntg, genannt, war der letzte vonden Mauritanischen Königen, welche in Spanien qehcrrfchet.Sein groß-vatter war Jsmael, König von Granaka, welcherden 7. apr. an. 1463. mit tobe abgieng. Sein vatter aber,ein Nachfolger des vorhergehenden, hieß Albohaccn. Weil mitdiesem letzter» die Unterthanen wegen seines strengen und un-glücklichen regimenks, wie auch wegen seines alterS und ver-lohrnen gesichts übel zufrieden waren , so fiel der grösie theilderselben von ihm ab, und erklärte an. 1482. den Boabdileszum Könige von Granada , welcher auch , auf anreitzung sei,ner Mutter, diese würde annahm. Indessen behauptete Albo-hacen die städte Malaga , Baega und noch andere mehr, vorsich, woraus eine so grosse Uneinigkeit entstund, daß endlichdarüber die Mohren gantz lind gar in Spanien unter das jochgebracht wurden. An. 1483. that Boabdiles, auf einrathenseines schwieger-vatters Alatar (eines neunzig jährigen Man-nes, welcher durch seine stärcke und tapferkeit von dem gering-sten stände bis zu der würde eines obersten Feldherrn gestiegenwar) einen feldzug wider die Christen, ward aber bey demfluß Tenil, nicht weit von Lucena, geschlagen, und mit Ver-lust vieler der seinigen , worunter sich auch Alatar befand,gefangen. Allein der König Ferdinandus Catholicus, welcherdurch ihn die zwistigkeiten unter den Mohren erhalten wollte,stellte ihn bald wieder auf freyen fuß, nachdem er vorher ver-sprochen, seinen überwinder vor seinen Oberherrn zu erkennen,jährlich einen lridut von 12000. ducaten zu erlegen, und inner-halb 3. jähren 400. Christen-sclaven mit der freyheit zu be«schencken; zu dessen Versicherung er seinen ältesten sich» nebst12. söhnen der vornehmsten Mohren als geissel auslieferte.Wiewol er nun solcher gestalt zurück zu den seinigen kam , sofand er doch , daß in währender seiner gefangenschafft seinvatter sich wieder in Granada und in den meisten andern vr-tern vestr gesetzt. Weil man ihn auch wegen der obgedachtenfriedens-bedingllngen vor keinen rechtschaffenen Mahömetanermehr wollte paßiren lassen , so ward er anfangs nur in derstadt Almeria aufgenommen, und an. 1483. durch einen auf,stand der einwohner auch von daraus vertrieben, so, daß er nachCordova sich wenden, und zu den Christen seine zuflucht nehmenmuste. Mittlerweile erklärten die von Granada den bisherigenGouverneur von Malaga , Muley Abohardil, einen sowolklugen als tapfern mann, und des Albohaccn bruder, vor ih-ren König, welcher darauf jetzt-gedachten seinen bruder zu Al,munnecar umbringen ließ. An. 148S. ward Boabdiles vonseinem anhange zurück beruffen , und machte sich Meister vondem schloß Albaycin in der stadt Granada ; da denn, endlichnach vielem blutverqiessen ein vergleich erfolgte, vermöge desssen Abohardil die städte Granada , Almeria und Malaga , hin-gegen Boabdiles alles das übrige von dem streitigen Königreichbehalten sollte. Dieses verhinderte keineswegs, daß nicht bey-de parteyen öfters sehr hart an einander gerathen wären;inmasscn gleich das nächstfolgende jähr 1487. da Adohardikvon den Christen bey Velcz war geschlagen worden, die vonGranada dem Boabdiles gantz allein zu gehorchen verspra-chen , hernach aber gleichwol jenem wieder den vorzug ga-ben, bis zuletzt Ferdinandus Catholicus, die städte Malaga ,

F Barga,