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cum iconibus & descriptionibus plurimis aucta; SymbolorumEinblematum centurise III; Epistolse Medicae.
Camerarius , (Philippus) ein vortreflicher Jurist, undauch^emMnJoachimi I. von welchem er an. 1537. gezeuget.Nachdem er zu Hause, in der Lchulpforten und in der Meißni-schen schule war unterrichtet worden, setzte er seine studien zuLeipzig und Tübingen weiter fort, und gieng auf zurathen desberühmten JCti, Ludovici Grempii nach Straßburg zu dasigemkrokess. Johann Sturm , bey welchem er sowol als bey Fran-cisco Hottomanno etliche jähre zubrachte, und sich sonderlichauf die Jura legte. Weil er wegen damaliger troublen an derreise nach Franckreich gehindert ward; trat er solche nach Ita lien an. i ? 6;. wegen der damals in Bayern und Tyrol graßi-renden pest, durch Graubündten und die Lombardie an, undkam den 23. oct. nach Padua , allwo er die Jura absolvirte, be-gab sich hieraufwegen der Uneinigkeit, so unter den Teutschenund Polen daselbst entstanden war, und ihn an ruhiger fortft-tzung seiner studien gehindert haben würde, nach Ferrara , hieltsich daselbst über ein jähr auf; nachgehends aber etliche Mona-te zu Bononien. Hierauf besähe er gantz Italien , kam an. 1363.nach Rom , und darauf nach Neapel . Er hielt sich hernach,nebst seinem vetter dem Ritter von Cornbnrg, eine ziemliche zeitin Rom auf, damit sie alles merckwürdige besehen,und den Mu-retlim hören möchten. Als sie aber wieder nach Ferrara auf-brechen wollten, wurden sie von den Sbirren in das Sadelli-sche gefangnis geführet, in welchem sie bis auf den abend blei-ben musten, ohne daß man ihnen die Ursache dessen sagen wollte.So bald die demmerung herbey gekommen, wurden sie von denZaffen und Häschern in das Jnquisitions-Haus gebracht. DerRitter ward zu einem Franeiscaner-Mönch, er aber zu einemNeapolitanischen Baron vom Hause de Montibus gethan. Alssie nun von dem Inquisitore , bruder Angelo einem Domi-nicaner , und dem Jnquisitions-Richter, Dr. Donato Stam-pa, auch den Cardinälen von Arca Coeli , welcher der Teut-schen Protector , und Alciati, so der sechste in der ordnungwar , zum öftern auf das schärfste waren examiniret worden,und diese wol sahen , daß sie mit der beschuldigung , weswe-gen man sie eingezogen hatte, gegen sie nicht fortkommenkonnten, wollten sie dieselben unter dem verwand der ketze -rey zum feuer verurtheilen, und suchten sie durch den Spa nischen Bischoff Ferdinandum de Malacera, den Canisium,welcherCamerarium an. 1537. auf dem Lollogulo zu Worms gesehen hatte, Rosenbuschium und unterschiedliche andere Je suiten dahin zu bringen, daß sie die Catholische lehre annehmensollten. Allein Camerarius schlug ihr zumurhen ab, und be-rufte sich wegen seines glaubens auf die Augspurgische Confef-sion, fiel jedoch in eine gefährliche kranckheit, wozu nebst deraugenscheinlichen gefahr, worinn sein leben damals gewesen,auch wol der qift-trunck, so dem Baron de Montibus durchden kerckermeister gesetzet, und er aus durst, unwissend was eswäre, etwas davon z» sich genommen hatte, nicht wenig moch-te contribuirt haben. Es wurden aber diese beyde gefangeneüber alles vermuthen bald darauf nach einer 2. monatlichen ge-fängnis in völlige frevheit gesetzt. Die Ursache dieser gesangen-schafft kam daher: Es war Camerarius nebst etlichen andernTeutschen von Adel durch einen Leipziger, mit nahmen Gribius,zu Ferrara an. 1564. auf dessen geburts-tage zu gaste geladenworden, worbey sich dessen Hausherr, so ein getaufter Jude war,auch einfand. Da sich nun Gribius und sein Wirth belruncken,und dieser von jenem eine ohrfeige bekommen hatte, brachte sieCamerarius , der unweit davon im schacht spielete, eilends voneinander; Gribius aber drang in des getauften Juden cammer,und tractirte ihn noch übler, welcher sich darüber an ihm zu rä-chen verschwur,worzu ihm aber Gribius auf Camerarii zurathendie gelegenheit durch seine flucht benahm. Hierauf gieng diesergetaufte Jude nach Rom , und traf nachgehends daselbst Came-rarium, als er zu seiner abreise eben was kauffen wollte, auf der
e sen an, er redete zu ihm sogleich mit einer verstellten freund-keit, fragte ihn nach seinem cameraden, den Gribium mey-nend, als vor welchen er den Ritter angesehen hatte. Da ernun zur antwort bekam , Gribius sey schon lang wieder vonFerrara nach Teutschland gegangen, bildete er sich ein, Came rarius wollte ihn mit fleiß verläügnen, und lief so fort zu demCardinal Alexandrino (sonst Mich. Gißlerio) so hernach Papstund Plus V. genannt worden, in dessen häuft er einige die He-bräische spräche lehren muste, beredete ihn auch, als wenn ihndiese 2. Teutsche» zu Ferrara unmenschlich tracliret, auch dieärgerlichsten lästerungen wider den Papst und die Catholische re-llgion ausgestossen hätten: worauf man sie gleich, wie oben ge-dacht, gefänglich eingezogen. Ob nun wol Camerarii gutefteunde von dem Churfürsten Augusto von Sachsen, HertzogAlbrechten aus Bayern , und andern grossen Herren Vorschriftenan den Papst, die Cardinäle und den Kayftrllchen Gesandten,den Baron Prosper von Archa, ausgebracht, so würden doch sol-che zu ihrer erledigung wenig oder nichts geholffen haben, wennnicht eine sonderbare begedenheit dieselbe befördert hätte. Eswar eben damals des Päpstlichen Nuntii an dem KayftrllchenHofe, des Cardinals Delphini Cantzler, Dr. Cuchius , an denAdministrator zu Magdeburg nach Halle abgeschicket, und un-terweges zu des gefangenen Camerarii vatter Joachim» gekom-men, der unter andern geführten discurfen erwehnet, wiesein söhn wol aus keiner andern Ursache, als wegen der reli-
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gion, und seines denen Catholische« vorlängst verhaßten nah-mens, in diese gefangenschafft würde gerathen seyn, weil er nichtglauben konnte, daß er hierzu den geringsten anlas gegeben; eswurden aber die Catholische dadurch von den Teutschen das Justalionis über sich laden. Er, Cuchius, sollte sich demnach inacht nehmen, damit ihm von den deswegen heftig erbittertenTeutschen nichts widriges begegnen möchte. Worauf sich die-ser bey dem abschiede voller furcht mit der Unwissenheit entschul-digte, und versprach deswegen an den Päpstlichen Nuntium, sei-nen Herrn, zu schreiben, damit diese gefangene wieder auffreyen fuß gestellet würden: Da nun über diß Cuchius kurtz dar-auf, unweit Saalfeld , im walde von einer durch den Grumbachaus Grimmenstein ausgeschickten partey reuter, so ihm wegeneiniger bey deinftlben vermutheten briefe aufpasseten, angegrif-fen ward, wobey die meisten von seinen leuthen blieben, und erftlbst verwundet, mit genauer noth entkam; war in Italien das gerächt entstanden, Cuchius sey von den Teutschen gefan-gen gesetzt worden, und wollte man mit ihm auf eben die artumgehen, wie man mit Camerario und dem Ritter in Rom ver-fahren würde, daß auch so gar Pasquino davon sprach, und derPapst und die Cardinäle sich nichts anders einbildeten, es wür-de nun kein Jraliäner mehr sicher in Teutschland reisen , nochihr Interesse daselbst beobachten können, weshalben sie aus furchteines ärgern erfolgs, nicht aber in anfthung einiger vorbilte.die-ft zwey gefangene so fort in die frevheit setzten, in einen gasthofbringen liessen, und an statt der sorge, so sie gehabt, ihnen denproceß zu machen, nun nichts mehr wünschten, als daß Came rarius bald wieder gesund werden, und durch seine gegenwartseine landslcuthe von der wieder erlangten freyheit überzeugen,sie.auch dadurch also ihrer gehabten sorge überhoben werdenmöchten. So bald sich nun Camerarius ein wenig erholet, undim stände zu reisen war, machte er sich den 27. ftpt. an. 1365.wieder von Rom auf den Peruftr weg nach Sicna, wiewolnicht ohne alle Nachstellung der Jesuiten , deren etliche ihm zupferde nachgeeilet waren, des rechten weges aber verfehlet hat-ten , indem sie geglaudet, er würde seinen rückweg über Loreltound Ancona genommen haben. Denn diesen leuthen hatte essehr verdrossen, daß ihnen auf ansuchen des Kayftrllchen Ge-sandten beym Papst, und auf dessen befehl durch den Cardi-nal Paciecum war verboten worden , Camerarium, als er ausdem Jnquisitions-Hauft gekommen, und im gasthof kranck lä-ge , ftrner zu besuchen: denn es hatte der Medicus dem Ge-sandten vorgestellet, wie sein Patient sich durch der Jesuiten be-suchung jedesmal dergestalt entrüstet, und seine kranckheit ver-mehret hatte, daß wofern solches nicht abgestellet würde, er nichtgenesen konnte. Bevor aber Camerarius Rom verließ, beur-laubte er sich bey dem Kayftrlicben Gesandten und dessen Cava-liern, Casvarn von Hirsch und Bertholdo von Gent, die ihmnebst dem «Otampa sehr viel Höflichkeit und Vorsorge bezeigethatten. Wobey auch nicht zu übergehen, daß ein alter Greiszum Camerario ins Wirthshaus gekommen, so bald er in selbi-ges aus seinem gefängnis angelanget, ihm etliche 100. cronen,wofern er gelbes bendthiget, anzubieten, mit dem zumuthen, ersollte nicht nach seinem nahmen forschen, noch wer er wäre,selbst von ihm zu wissen verlangen, er hatte aber die muthmas-sung, es müsse dieser Greis ein heimlich abgeschickter PetriVictor» von Florentz gewesen seyn, welcher mit seinem vatter ineiner recht liebreichen Vertraulichkeit gestanden. Zu ende diesesjahrs kam Philippus Camerarius wieder nach Venedig , undlangte darauf den 16. jan. an. 1366. glücklich in Nürnberg an.An. 1569. wurde erDoctor Juris zu Basel . An. 1573. nahmihn die Republick Nürnberg , und nicht lange darauf der Land-graf von Hessen , als Rath in dienste. An. 1381. wurde er dererste Pro-Lancellarius der neu aufgerichteten Universität zu Al-torff, und nachdem er endlich alters wegen seine ämter niederge-legt , schrieb er die centurias III. Horarum subcifivarum , wel-che nachmals in die Französische, Italiänische und Teutschespräche übersetzet worden. Er hatte auch die IV. centuriam an-gefangen , starb aber, ehe er selbige vollenden konnte, den 22.jun. an. 1624. im 87. jähre seines alters , und hinterließ einensöhn Philippum.
Camerarius , (Joachimus III.) Joachim« II. ältester söhn,gebohren den 18. jan. an. 1366. war sonderlich in Art« Medicasehr berühmt. Nachdem er Italien , die Niederlande und En-gelland durchreiset, ließ er sich in sein vatterland nieder, wurdedarauf bey Christiano, Fürsten von Anhalt, Rath und Leib-Medicus, kehrte aber hernach aus liebe zu einem ruhigen lebenwieder nach Nürnberg , woselbst er, nachdem er vielmals De-canus des Oollegii Medici gewesen, den 13. jan. an. 1642. oh-ne erben gestorben , weil alle ftine kmder vor ihm verschieden.
Adam. in vit. Med. Thuanus & Tejjier , addit. tit. XI. pag.286. Linden, de fcript. Medic. Freber. in theatro, woselbstjedoch unterschiedliche fehler und Unwahrheiten mit cinge-schlichen sind.
Camerarius , (Ludovicus) ein söhn Joachimi II. ward zuNürnberg den 22.jan.an. 137z- gebohren. Nachdem erdengründ seiner studien zu Snltzbach geleget, und auf den Uni-versitäten Leipzig , Helmstädt und Altorff die Rechtsgelehrsamkeittractiret, that er eine reift nach Italien , hielt sich eine zeitlangzu Padua auf, und wurde an. 1397. zu Basel Docstor Juris.Er begab sich ferner nach Speyer , um die praxin daselbst zu se-hen, und sich desto besser zu grosser Herren diensten qualificirt