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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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zu machen. Ob er nun wol auch,nach diesem entschlossen ge-wesen , tu Frankreich und andere land er zu gehen, so ward erdoch bey der gelegcnheit, da sein datier von Churfürst Frie-drichen IV. zu Pfaltz nach Neumarck tvar beruffcn worden, andiesem vorhaben gehindert, und von dem Churfürsten ange-sprochen , ihm nach Heidelberg zu folgen, woselbst er sogleichan. 1598. zum Churfürstlichen Rath angenommen worden. Erward an. t 6 oo. Hof - Rath, und als Abgesandter nach Speyer zum Revilorio einiger ergangenen Reichs-Cammer-Gerichts-ur-theile geschicket. An. 1605. und 1608. muste er dem Reichs-tage zu Reacnfpurg beywohnen, und bey dem letzter» unter denProtestirenden daselbst das Direktorium führen, so auch an. iüi;.von ihm geschehen. An. 1609. gieng er mit Fürst Chrtstianvon Anhalt nach Prag . An. iüi 1. wurde er nach dieses Chur-fürsten tode von der Chur Adminiliratore , Pfaltzgraf Johannevon Zweybrücken, zum Geheimen Rath bestellet, an. 1612. nebsteben diesein Fürsten im nahmen der unirten Fürsten und Ständedes Reichs, zum Kayser Rudolpho II. geschicket, und vondemselben in particulari admittiret; da ihn der Kayser in seineneigenen geschafften mit vorwisscit seines Herrn gebrauchen wol-len , so auch geschehen, wann er nicht bald darauf gestorbenwäre. An. 1613. ward er zum Kayser Matthia geschicket,von demselben die Kayserliche dispensation und confirmationeinzuholen, damit dem Chur -erben, Pfaltzgraf Friedrichen,in dessen ig. jähre die regierung mochte abgetreten werben, soauch den 16. aug. erfolget. Den 16. may in eben diesem jährebekam er auf seine lebens-zeit die Verwaltung der Prälatur desklosters Reichenbach in der obern Pfaltz. An. 1615. erfolgtedie solenne invcstitur und Chur-Pfaltzische belehnung, welchelehen im nahmen des Churfürsten zu empfangen , er nebst En-gelbert von Läutern gebrauchet wurde, auch muste er demChurfürsten nach Amberg folgen. Ferner schickte ihn sein Herrden zo.mart. an. 1618.^»ch sonst zu unterschiedenen malen andie Churfürsten von wachsen und Brandenburg und nachBraunschweig,wohin er sowol als zu dem Hertzog von Bayern ,auch nachmals seinen Herrn den Churfürsten begleitet. DenReichs-Kreis-und wahl-tagen, auch andern Reichs - Conventenseiner zeit hat er über die 20. jähr als Chur -Pfaltzischer Gesand-ter beygewohnet, und auf einigen derselben das Directorium ge-führet. Er ist auch zum öfter« an die Kayser und auswärtigeKönige auch Chur -und Fürsten als Gesandter verschicket wor-den , bev welchen er vor die freyheit des Reichs , zur beybehal-tuiig und wohlfahrt der Protestirenden und ihrer rcligion, aufbefehl seiner Herren vieles thun müssen, so dem gegentheil nichtgefallen können , wodurch er auch vielen haß auf sich und dieseinigen laden müssen. An. 1619. folgte er auf befehl seinesChlirfürsten demselben in Böhmen nach, als er sich diesesReichs anmassen wollte, ward an. 1620. der Fürsten und Stän-de in Schlesien Cantzler , auch unter die Stände des König-reichs Böhmen mit aufgenommen , und gieng nach der vor sei-nen Churfürsten unglücklich abgelauffeuen schlacht bey Prag ,mit hindansetzung aller seiner güther, mit demselben nach Hol­ land und ins exilium ; nachdem er zuvor die ihm anbefohlneLegation an die Nieder-Sächsische Stände, und an. 1622. anden König in Dänemarck verrichtet, worauf er sich nach Nürn­ berg , dann aufden Unions-Convent nach Heilbronn , weiter aufden Reichs-Convent nach Erfurt und wieder nach Nürnberg ,von dort aber nebst den seinigen endlich nach den Niederlandenbegeben. An. 162;. führte er seinen söhn auf die Universitätnach Leiden, und darauf auch die Böhmische Printzen. Eswird von vielen berichtet , daß er einer von den vornehmsten ge-wesen wäre, der dem Churfürsten zu diesem unglücklichen un-terfangen gerathen , welches sich aber gantz unwahr befindet:denn es hatte der Churfürst keinen seiner Räthe bey sich , alsdas erste mal zu Amberg der Böhmischen Stände Abgeordneterzu ihm kam , wol aber zwey gewisse Protestirende Fürsten , de-ren rath er auch gefolget, und endlich in diese wähl gewilliget.Denn Camerarius war eben damals auf dem Reichs-Convent zuFranckfurt,, anderer Verrichtungen zu geschweigen, mit derwähl des Römischen Königs Ferdinandi II. beschäftiget. Sowurde auch der Churfürst von seinen Ministern aus Franckfurtgewarnet, daß er eine so wichtige fache mit den ihm artverwand-ten Königen und Fürsten ja vorher wohl überlegen möchte, wel-ches er auch gethan,und endlich auf der Böhmen inständiges an-halten und anstiften ersagter Fürsten nach Böhmen gegangen.Daß aber Ludovfcus Camerarius zu diesem Böhmischen unter-nehmen nicht müsse gerathen haben, ist sonderlich atis einerKayserlichen obligation zu beurtheilen, worinnen von seinertreuen ergebenheit, so er vor den Kayser und das Reich jederzeitbezeuget haben solle, sehr rühmlich gedacht, und er darinneder würcklichen Kayserlichen gnade versichert wird. Angleichenauch aus einem original-schreiben von König Friedrichen ausBöhmen , in welchem der König «hin ein schönes zcugnis seinerUnschuld beyleget, auch über die ungegründete beschuldigungenseiner feinde ein mitleiden bezeiget. An. 162;. ward er vomKönige in Böhmen zu dem König in Schweden Gustavs Adol-phs gesandt, und ihm an. 1625. bey redreßirung der gemei-nen und Pfälzischen fachen beydes von seinem Herrn, unddenen in der zuGravenhaag deswegen angestellten Versammlung,Königlichen und anderer Potentaten Bvtschafften eine Legalionan den König von Schweden aufgetragen, welcher ihn darauf,mit genehmhaltung seines Herrn , in seine dienste aufnahm,und nicht lange hernach als seinen Minister, GeheimenHistor. Lexicon II. Theil»

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Rath und Ordinari - Ambassador an die Herren General-Staaten nach dem Haag sandte , welcher importanten fun-ction er auch, beydes so lange dieser König gelebel, als auchunter der regierung der Königin Christina bey die 17. jähr mitgrossem rühm vorgestanden. An. 1629. bekam er vom KönigeGustave Adolphe die vollmacht, mit dem Französischen Ge-sandten , »ach seinem gutfinden eine offensiv - oder defensiv-alliaiitz zu schliessen. Es hat auch die Königin Christin« vonihm an. 1648. begehret, daß er noch eine reise nach Schweden thun möchte, so auch geschehen wäre, wann es seine schwacheleides - disposition und angehendes alter ihm hätte wollen zulas-sen , er bat aber um die erlassung seiner Ambassador - charge,und erhielt solche jmit der condition, daß er seine übrige lebens-zeit der Cron Schweden geheimer Rath bleiben, und die bestal«lung solcher charge ihm continuiret werden sollte. Worauf eesich mit seiner familie aus dem Haag nach Leiden, und folgendS«».1642. nach Gröninqen begeben, und daselbst zehen jahr ineiner ruhigen lebens - art zugebracht. Als es an. 164;. mit derChur - Pfälzischen restitutivns - sache hart her zu gehen schiene,bemühete sich Churfürst Carl Ludwig, diesen alten und erfahr-nen Minister wieder in seine dienste zu ziehen, und ersuchtedarum auch die Königin Christina . Er schlug es aber altershalber ab, und säum einzigen söhn Joachimum vor, welcherauch von der Konigin Christina , die der Churfürst darum desmüsset hatte, die verwilligung erhielt, als Chur - PfältzischerRath und bevollmächtigter Gesandter an. 1645. bey denMünstrischcn friedens-handlungen sich einzufinden. An. 1649.den i. aug. ward Ludovicus Camerarius zu Stockholm aufdem Ritter - Hause angenommen. Endlich wandte er sich immay an. 165». mit seinem gantzen Hause wieder nach Heidel­ berg , welches er vor sein ander vatterland hielt, und wartetedem Churfürsten daselbst auf, dem seine Wiederkunft nichtunangenehm gewesen. Er starb aber noch den 4. oct. desselbi-gen jahres zu Heidelberg . Sonsten ist noch zu mercken, daß ervon den streit - schriften , die bey entstandener Böhmischen undPfältzifchen unruhe gewechselt worden, einige soll verfertigethaben ; insonderheit die Considerationes ad Cancellariam Hi-spanicam adjectas , welche der Cancellarise leeret« Anhalcin«,so an. 1621. heraus gekommen, entgegen gcsetzet, und sinddannenhero unterschiedene scharfe schriften wider ihn heraus ge-geben worden; darunter sonderlich des Fabii Hercyniani, dar-wlder er eine apologie geschrieben. Auch werden ihm von eini-gen Epiitol« seiest« beygeleget, darinnen von dem zustande sei-ner zeit vieles zu finden, auch viele briefe, so von den berühmte-sten leutheu an ihn geschrieben worden,sowol in der collection derepistolarum Hugonis Grollt, als auch in den monumentis vi-rorum pietate & doctrina illuih'ium. Was Londorp. in actissuis publicis von ihm paßionirtes geschrieben, ist gantz ohnegründ. Camer. apologia adversus Hercyn. Cancellaria Anhal»tina. Pufendorjs. de rebus Suec . Iib. I. §. 27. Dekberus , de scrUptis adesp. pag. 56. Goldaßus , de rebus Bohem. Iib. III. c. 36;,Freber. in theatr.

Camerarius , (Joachimus) dieses nahmens der IV. desvorgedachten Ludoviei einig übrig gelassener söhn, und Joach. I.urenckel, den i. jun. 160;. zu Heidelberg gcbohren, allwo eeanfänglich unter der obsicht Mag. Reinhards zur schule gehal-ten ward. Nachgehends bekam er nebst seinen CondiscipulisFriedrichen von Dondorff und Christian von Erlach, Rudolsphum Zimmerinann zum privat - Prasceptore, dem GeorgmsRemus und diesem Janus Gebhardus m solcher function fol-geren. Als ihn sein vatter mit nach Amberg gmommen, da erseinem Fürsten dorthin gefolget war, ist er auch einige zeit indasige schule gegangen, und nachgehends über Nürnberg wie-der zurück nach Hause gekommen. An. 1618. ward er auf dieAcademie zu Heidelberg gelassen. Den 3°. mart. rcisete er mitseinem vatter nach Dreßden, von bannen wieder zurück nachhause, und wohneten beyde darauf der crönung Ferdinandi II.mit bey. An. 1620. gieng er mit seinem vatter auf den Con-vent nach Ulm , den 3. um. in der vereinigten lager daselbst,von wannen sie wieder zurück nach Heidelberg kamen, undPsaltzgrafen Johann von Zweybrück in ihrem hause tractirten.Den 2. jul. ej. ward er Dionys. Godofredi stubengesell, undder Profcfforn des LoUegil der Weisheit zu Heidelberg tisch -bursch. An. 1621. sahe er feinen vatter zu Heilbronn wieder,allwo solcher von der Präger-flucht über Nürnberg angekommenwar, kehrte darauf nach Heidelberg , von dort aber wieder zu-rück nach Heilbronn . An. 1621. opponirtc er pubike dem Bv-schto in Ethicis, gieng darauf nach Speyer , und eilete zurücknach Heidelberg , um seines vatters fachen in sichcrheit zu brin-gen. Den is. aug. hielt er in dem Lollegio der Weisheit einelobrcde von dem Könige in Böhmen , vor den vornehmsten derstadt und des landes. Dann folgte er seiner Mutter nach Heil­ bronn , weil die Universität zu Heidelberg des krieges halber gantzauseinander gieng, und begab sich an. 1622. von dorr nach Tü­ bingen ; den 4.ftbr. besähe er Stuttgard. Den 24.jul. disputirteer zu Tübingen de Me Bell! & Pacis. An. 1623. gieng er vonTübingen nach Holland , und ward von seinen eitern auf die Uni-versität nach Leiden gefuhret. Den 13. jun. besähe er Amster­ dam . Den 13. sept. trat er nebst seinem vatter die Schwedischereife zum ersten mal an, den 7. nov. giengen sie wieder ausSchweden nach Amsterdam , und über Haag »ach Leiden. An.1624. disputirte er daselbst de RepreiMis. Den 9, sept. gieng er

K k 3 wegen