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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Oster-Psingst'- Philipps - Matthäi - Lucä - Simon - Judä - An--dreas-Thomas-und Bartholomäi-tag. Neben dem sind etlichedergleichen feste, so Engeüand ins besondere angehen, als dasind der tag, da der König das erste mal ausgeruffen worden,und der crönungs - tag, der tag, da die pulver - conspirationentdeckt ward rc. Vor zeiten nahm der König das Abendmahlan den drey grossen fest - tagen , und gieng niemand mit ihm,als die Printzen und Printzeßinnen vorn geblüt, und etliche dervornehmsten Bisthöffen. Heutiges tags aber verrichtet er es al-le ersten sonntage im monat, ohne die grossen feste zu zehlen,und alle seine Haus-bedienten haben bte ehre mit ihm demAbendmahl beyzuwohnen. Für das predig - amt sind 48. Ca-pellanen bestellet, von denen alle monat vier andere an dem amtsind. Sonsten hat der König noch sechs andere, welche zuSt. James predigen, und zwey für seine bedienten zu White-hall, und obschon die fasten - zeit in Engelland nicht auf das ge-nauste , und mit gäntzlicher enthaltung von allem fleisch, ge-halten wird, so wird sie doch überhaupt, und sonderlich in derKöniglichen Capelle, als eine zeit der erniedrigung und demü-thigung feiner selbsten angesehen. Ehe diese zeit angehet, lässetder Ertz - Bischoff von Canterbury und der Groß - Cammer-Herr einen rotul drucken , worinnen alle die Geistlichen, so diefasten durch des sonntags, mittwochens und freytags predi-gen werden, aufgezeichnet find. Am aschen-mittwoch predigtder Dechant der Königlichen Capellen, und des fteytagsdarauf der Dechant zu St. Pauli, und des sonntags hernachein Bischoff rc. Am Palm-tag predigt der Ertz - Bischoff vonCanterbury, und am Oster - tag der Groß - Almosenier des Kö-nigs. Die geringern beamteten dieser Capelle sind der Capellen-warter, und drey andere, so man Vergers , das ist ruthen-oder stab - träger nennet , weil sie einen silbernen stab tra-gen. Der Dechant der Capelle bezieht jährlich 200. der Unter-Dechant yi. die Haus - Capcllanen ein jeder 8°. die 20. Can-ter oder sogenannte Capellen - Clerici , 7;. und die zwey Or-ganisten, noch andere?;, und der erste unter diesen, welcherdie Chor - knaben die music lehret, noch 240. pfund sterling fürdie kost. Neben dieser Capelle hat der König noch ein Oratoriumoder bat - haus in dem pallast für seine besondere andachten,über welches immer ein geschickter Geistlicher gesetzet ist, welchenman the Clerc of the Closeth, oder des Königs Eammer-oder Cabinets - Geistlichen nennet. Er muß dem König beydiesem goltesdienst beywohnen, seine etwan beyfallende reli-gions - zweifel auflösen, und wann er zu tische gehet, dasgebät verrichten, und den fegen sprechen. Dieser KöniglicheCabinets - Geistliche hat noch zwey andere unter ihm, welchein seiner abwesenheit ihn ablösen. Der Groß-Almosenier thei-let auch die Königlichen allmofen nach belieben aus , welche son-derlich auf die feste reichlich fallen. Er zahlet auch dmen altenKöniglichen bedienten, welche nicht mehr im stand sind dicnstezu leisten, die ihnen zugesprochene gnaden - gelber aus. Erwaschet an dem hohen Donnerstag die füsse einer gewissen an-zahl armer leuthen , anstatt des Königs, und theilt ihnendie allmosen aus, welche man bey dieser gelegenheit zu ma-chen pfleget; nemlich tuch für ein kleid, leinen für zweyhemder, sechs pfenning-brodte, eine schüssel fisch, einen trugwein, und zwey beutet von rothem leder, da in dem einenso viel pfenning als der König jähre gelebt hat, in dem andernaber so viel schilling sind als er regiert hat. Zwölf pfenningmachen aber einen schilling, und zwanzig schilling ein pfundsterling aus. Der Groß-Almosenier hat einen Unter-Almose-nier, der ( wo es nöthig) sein amt versiehet. Beneben diesemstehen noch drey beamtete unter ihm, davon einer Veoman, dasist gleichsam der ober-knecht, die andern zwey aber the Groomsof the Almonery, ist, allmosen - knechte genennet wer-den. Der Groß - Almosenier hat, als solcher, kein einkommen,der Unter-Almofenier aber bey 100. pfund sterling jährlich. Etat

de la Grande-Bretagnesous George II. tom. II. p. 121. &c.

* Capelle. (Päpstliche) Es sind insgemein 40. Päpstlichecapelle - messen jährlich, davon der Papst drey zu halten pfleget.Dreißig davon werden von den Cardinälen gehalten, und vonsieben der sogenannten beystehenden Ertz-Bischöff-und Bisthöffendes Papsts , aufLatein Lpifcopi aisistentes genannt. Auf dieOster - und Pfingst - sonntag, und an Weyhnächten haltet derPapst obgenannte drey messen, die andern;?, aber werden indesselben gegenwart auf die andern tage von einem jeden gehal-ten , wie ihm die zeit in dem Pontificali Romano angewiesenist. Es werden auch fünf früh - messen in der Päpstlichen Ca-pelle gesungen, nemlich den tag vor Weyhnächten, die drey ta-ge in der Charwochcn , welche man Tenebras nennet, und den2. novemb. aufden tag aller Seelen. Die Cardinäle singeneiner nach dem andern ihren theil oder lection dieser früh - messedie nach' vor Weyhnächten in der sogenannten Mette; inden andern früh-messen aber werden dieselben nur durch diemusicanten gesungen; alle tage vor den fest - tagen wohnet derPapst samt den Cardinälen der ersten vesper in der Capelle bey,aber die zweyte wird niemalen vor dem Papst gehalten. Es sindzehen dieser ersten vespern, die in dem Pontificali aufgezeichnetzu finden, welchen allen er gewöhnlich beywohnet. Aller die-ser gottesdienst haltet sich in dem Apostolischen pallast, undzwar in der Pauliner-Capelle, wann der Papst in dem MonteCavallo wohnet; so er sich aber in dem Vatican befindet, wirdttin Sixti Capelle gehalten, ausgenommen Ostern und Pe-

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ters - tag, da in der kirche dieses Heiligen geschert wird, unkan dem fest Affumtionis Maria;, an welchem er sich reulend nachSanta Maria Maggiore beziehet, und bey etlichen andern gele»genheiten, da der Papst aus dem Vatican und Monte Cavalloheraus zu gehen pfleget, und die kirchen und Römische Bafilicasbesichtiget. Wann der Papst meß zu halten gehet, wird erauf den ärmen in einem trag - sessel in die sacristey gebracht,wo die ornaten oder meßgewande sind, wann er aber angezo-gen und zur meß gerüstet ist, wird er in einen andern sessel ge-setzt, und von zwölf knechten, welche in rothen und bis auf dirfüsse hinunter gehenden langen rücken gekleidet sind, auf denschultern getragen, und wann er bey St. Peter ankommt, wirdein Himmel von den Rittern oder Edelleulhen St. Petri überihn gehalten, da wieder zwey reutknechte wie die obgemeld-ten roth gekleidet, vor ihm her gehen; diese tragen in denHänden einen grossen wind-fächer, von blauen federn gemacht,und halten diese sächcr satt am ende der zwey staben, welche anden ärmen des trag-sessels veste gemachet sind, und laßt es also,als hätte der Papst, welcher auf dem sessel sitzet, zwey Che-rubim - flügel, die aus seinen schultern gewachsen, welche mithülffe zweyer stäben, die darzu zugerichtet sind, in einer bestän-digen bewegung gehalten werden, als flöge er davon. Dieseszanke gerüst ist mit einem güldenen gestickten brocard bedecket.Die sonntage in den Advent -Wochen, und den vierten sonntagin der fasten, kommt der Papst zu fuß in die Capelle, und solldiß ein zeichen seiner busse seyn, aber den dritten Advent-sonn-tag und den vierten tag der fasten läßt er sich hintragen,weilen diese tage zu einem besondern privilegirten frenden - festgewiedmet sind. Wann der Papst von der Capelle Sixti in diePaulinische zu fuß gehet, welches den ersten Advent - sonntagund auf den hohe» Donnerstag {da er das Sacrament, zu eh-ren der vierzig stunden des bearabnisses Christi, trägt) gesche-hen muß , so halten ihn zwey der ältesten Cardinal-Helfern oberviaconorum unter den armen, und der vornehmste der fremdenAbgesandten, so zu der zeit in Rom zugegen sind, tragen ihmdie schleppe nach , und zwey Protonotarii Apostolici participan-tes halten ihm voran die fransen seines Päpstlichen Mantels.Wann der Papst selbsten meß halt, kleiden sich die Cardinäle inweissem damast, mit güldenen spitzen ausstafirt, mit diesemunterscheid unter ihnen selbst, daß alsdenn die Cardinal-Bi-schöffe den Priester - mantel, die Cardinal - Priester die Casclallein, die Cardinal - Diaconi aber die Tunicam nebst einemBischofs - Hut von weissem damaste tragen, wie die andernCardinäle auch. Die Bischöffe haben zwar ihre Priester-män,tel auch, aber anstatt daß sie die Cardinäle nur einfältig weißtragen, so führen sie die Bischöffe von reichen vielfarbigen sei-denen stoffen , welche reich mit gold gesticket sind, aber ihreBischoffs - hüte find nur von weissem leinen auf pappen - decke!genäht. Wann aber der Papst die messe nicht selbsten haltet, sotragen die Eardinäle nichts als den Überrock mit dem Priester-mantel bedecket, und die Prälaten , welche auch das recht ha-ben ihn zu tragen, bedecken ihn nur mit einem kleinen Priester-mantel, die aber, welche dieses recht nicht haben, bleiben diegantze zeit über in ihren violen-färbigen kleidungen. Nun kom-men wir auf die ordnung, wie diese Prälaten und Geistlichein der proceßion auf einander folgen. Die ersten, welche ausder ornat - cammer , wo sich der Papst Prieftcrlich ankleidet,der Päpstlichen Capelle zuziehen, sind der Cardinäle Cammer-Juncker, alsdann folgen des Papsts Cämmerer und Caplanen,alsdenn die Consistortal - Advocatcn und Abbreviatores Parcimajoris (also wird eine gewisse Apostolische Gerichts - Cammergenennet,) welchen die Acolythi in ihren Chor - röcken nach-folgen , nach diesen kommen die Auditoren der Rota mir denGroß - Meistern des H. pallastes, die dem Dechant der Rota zurlincken gehen. Aufdiese folgen die Apostolischen Unter-Diacomund sieben Acolythi , mit sieben leuchtern. Alsdenn folget dascreutz von einem Apostolischen Unter-Diacono getragen, welchereinen violen-färbigen Talar und einen Überrock, benebst einemPriester - mantel von der nemlichen färbe trägt. Während die,fem Marsche kehret er das crucisix gegen dem Papst, welchessonsten wider den gebrauch des Römsschen Hofes ist. Eben die-ser Unter - Diaconus soll die Epistel dieses tages singen; seinamt, welches verkäuflich ist, kostet ;ooo. thaler, und bringtdes jahrs acht pro cento ein. Auf beyden feiten des creutzesgehen zwey Gerichts - knechte, welche rothe stäbe tragen, undmit einem grossen mantel bedecket sind, welcher bis auf die erdenschleppet. Nach ihnen folgen die Poenitentiarii zu St. Peter,die Bischöffe, Ertz - Bischöffe, Patriarchen, der Statthalterober Gouverneur der stadt Rom , die Cardinal - Diaconi aiR.Rentes , welche letzter» dem Cardinal - Diucono , so das Evan,aelium singen sollen, zu beyden seilen gehen. Nach diesen allensiehet man den Hauptmann der Schweißer - gardc mit denenAnspessadi einhergehen, welchen zwen glieder von der Schwei»tzcr-garde selbst nachfolgen, wovon das eine mit Hellebarten unddem übrigen feiten - gewehr versehen, das andere aber mitgrossen entblößten schlacht - schwerdten einher gehet und bewehrtist. In der mitte der gardcn gehet der Hauptmann und der Ge-neral über die leichten pferde, die Römischen Conscrvatoren,die Printzen des Throns, und die Gesandten der gecrönlenHäupter, auf welche der H. Vatter kommt, gekleidet und ge-tragen , wie droben gemeldet worden ist; und ihm folgen aufdem fusse nach,sein Cammer-Meister und der Schencke,und dannendlich die Apostolisiben Protonotarii , die Cammer - Clerici ,

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