Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

446 car

länder, Ute fich eine zeit her die Handlung auf den küsten zugeeig-net gehabt , widersetzet.

* Caraßinus, (Lazarus) war aus Cremona , und anfangskrotonotsrius Apoüolicns , dann an. 1622. Bischoff zu Mel-vhi , und endlich an. 1626. zu Como . Er hat die zahl derDom-Herren vermehrt, das Hospital wieder in guten stand ge-bracht , ein Seminariuin aufgerichtet, und einen Catalogumvon seinen vorfahren am Bißthum, welcher seinen edirten Con-ftitutionibus Synodalibus hinten angefüget ist, verfertiget.Vgbeü. Ital. sacr. tom. I. p. 941.

* Carassus, ein kleiner fluß in Nicder-Ungarn , unweit derstadt Mohatz , in einer freyen ebene, welcher sehr sumpficht,und mit röhr durchwachsen ist, daß man nicht ausser im Win-ker durchkommen kan, dahero auch König Ludovicus in Böh­ men an. 1526. nach der unglücklichen schlacht bey Mohatz,als er darüber setzen wollen, darinnen stecken blieben, und um-kommen. Ißbuanfius, VIII. Bvregk , chron. Bohem. p. 6; 2.Zciler. Hungar, per Stübel. P. II. p. 60;. seqq.

Carasui, eine grosse see in Bulgarien von 22. weilen imumfang, die von dem ersten arm der Donau , welcher beyChiustenge in das Schwache meer fället, entstehet, und auchdie see unser lieben Frauen von der Donau genennet wird.

Caratcholi oder Rarakioles, find die cinwohner des ber-ges Caucafi, zwischen dem vst-nnd nördlichen theile von Min-desten. Etliche nennen fie, ob sie wol fthr weisse haut haben,Caraquirquez , d. i. die schwartzen Eircaßier, vielleicht des-wegen , weil die luft in ihrem lande stets dunckel ist. Sie redendie Türckische spräche, aber so geschwinde, daß man fie kaumverstehen kan. Ihr Ursprung kommt von den Hunm's her, wel-che vor zeiten die mitternächtliche gegend des berges Caucafi be-wohnet haben, woher auch die Türcken entsprungen find. Lam-berti , relat. de la Mingrelie beym Thevenot.

Caravacca , oder Cruz de Caravacca, ein kleiner fle-cken im Königreiche Murcia , auf dem gebürge von den grentzenvon Neu-Eastilien, nahe bey dem flusse Sigura gelegen , wo-selbst ein creutz von treflicher trafst wider den donner-strahl ge-zeiget wird.

Caravaggio , ein flecken und schönes castell in dem Hertzog-thum Mayland, zwischen Brescia und Mayland, nebst demtitul eines Marquisats. Er ist von dem fiege, den FranciscuSSfortia, so nachgehends Hertzog von Mayland worden, widerdie Venetianer an. 1446. erhalten, berühmt; wie auch deswe-gen, weil Polydorus von Caravaggio daselbst gebohren worden.Siehe polydorus.

Caravaggio , (Michael Angelo von) nach feinem geburts-orte in der Lombardie also genannt, war ein berühmter Mah-ler im XVII. feculo , aus dem adelichen geschlechte Marigi,sein vatter aber war nur ein maurer von Caravaggio . Er warunter den Jtaliänern der erste, welcher die alte manier im mah-len fahren ließ , und fich sonderlich bemühete, alles nach demleben auszubilden. Er kam aber wegen feiner zänckischen artmit einem andern berühmten mahler zu Rom , Josephe d'Ar-pin, in streit, darüber fie zu dem degen griffen, und bey dieserrencontre wurde ein junger mensch, Ranuccio Thomoßino, ge-tödtet. Caravaggio retirirte fich zu dem Marquis Iustinian ,und verfertigte bey demselben vortrefliche stücke, darunter son-derlich ein Cupido so hoch gehalten wurde, daß er dadurch diesreyheit mit seinen leuthen auszugehen erlangte. Bald daraufbegegnete ihm sein voriger Widersacher d'Arpin, als er zu pferbenach Hofe ritte , welchen er gleich zu einem duell ausforderte;der fich aber entschuldigte, daß ihn der Papst zum Ritter ge-macht hätte, und es daher fich nicht geziemte, mit ihm fich ein-zulassen. Indem nun Caravaggio hierwider nichts einwendenkonnte, so verkaufte er alles das seinige an die Jüden, giengnach Maltha, daselbst ein Ritter zu werden, welches er auchnach seinen vollbrachten zögen wider die Türcken erlangte, unddarauf eiligst nach Rom kehrte , seine fache mit Arpino auszu-machen ; allein die schleunige reife verursachte ihm ein hitzigesfieber, daran er zu Arpino , an welchem orte sein Widersachergebohren , an. 1609. starb. Fehbien , vies des Peint. Sän«drarts Academie, tom. I. p. n. lib. II. c. 19. n. gr.

Caravajal, ein Cardinal, stehe Larvajal.

Caravane, heißt so viel als eine menge volcks, so fich zu-sammen geschlagen, um desto ficherer mit einander zu reisen,und wird solcher nähme hauptsächlich denjenigen, so nach Mec-ca wallfahrten,gegeben; wie dann jährlich fünfsolche Caravanendas grab des Mahomets zu Medina und die mosquee zu Mecca ,wo Mahomet gebohren worden, besuchen. Die eine Caravaneist von Groß-Cairo , welche aus Egyptiern bestehet, worzu fichauch alle diejenige halten , welche von Constantinopel und denbenachbarten örtern kommen. 2.) Die Caravane der Magre-bincr oder derjenigen, so aus der Barbarey, Fez und Marocco daselbst hin wallfahrten, z. ) Die Caravane von Damasco, dar-unter die pilgrim aus Syrien find. 4.) Die aus Persien .s.) Die Caravane aus Indien , oder des grossen Mogols län-dern. Emir Adge wird das Haupt solcher Caravanen genen-nel, und hat gemeiniglich 1 $00, cameele, ihre bagage zu tra-gen , oder auch denjenigen, so einige nöthig haben, etliche da-von zu verkauften, oder zu leihen, weil ihrer viel auf dem wegcsterben. Die Caravane von Marocco nimmt ihren weg durchTaffilet , Tegorarin, Tripoli, Quibriche und Alexandrien , von

c a r

wannen fie nach Cairo, und von hier nach Suez gehet, mit wel-cher reise ein gantzes jähr zugebracht wird. Der Groß-Sultanschicket alle jähr trefliche geschencke nach Mecca , welche aus al-lerhand zierrathen bestehen, die zu Cairo und Damasco gemachtwerden , und find etliche grosse stücke von carmcfinen sammet,mit grossen in gold gewurcklcn Arabischen buchstaden gebrämet,wie auch ein thron-himmel von alias mit einigen Arabischenfiguren gezieret. Es ist noch ein anderer runder thron-himmeldarbey, aber von geringerm werth. Diese geschencke werdenvon einem grossen treflich geputzten cameele getragen, hinterwelchem noch ein anderes hergehet, selbiges abzulösen, wennes etwa» müde worden. Zu mehrerer ficherheit hat der EmirAdge gemeiniglich 6 . kleine feld-stücken auf der reise bey fich.Die Caravanen reisen bey der nacht, und des tages über liegensie wegen der grossen Hitze stille. Wenn der mond nicht scheinet,haben fie gewisse leuthe, welche auf grossen stangen lalernentragen. Unter denjenigen, so nach Mecca gehen, find etliche,so aus andacht dahin wallfahrten; etliche aber, die fich der han-delschafft halber dahin begeben; und noch andere, um der stra-fe zu entgehen, die sie durch einige grosse verbrechen verdienet,sintemal diese wallfahrt alle übelthater befreyct. In währen-den reisen singen sie einige verse aus dem Alcoran, und geben einjeglicher nach seinem vermögen allmosen. Zwey tage vor ihrerankunft nach Mecca ziehen sie sich gantz nackend aus, und thunnur ein tüchlein um den hals und um die lenden herum; dieje-nigen aber, denen nicht wohl ist, behalten ihre kleider an, anstatt solcher cercmonie aber theilen sie allmosen aus. Ohnge-fehr anderthalb monat darnach, nachdem die Caravane vonCairo ihre reisen angefangen, kommt ein Aga von selbiger stadtihnen nachgezogen mit frischen lebens-mitteln, welche den pil«grimmen von ihren freunden nachgesandt werden, und trift sieohngefehr auf dem halben wege an. Diese Caravane verrichtetihre reise innerhalb 4;. tagen, und eben so viel zeit bringet fieauch zu mit ihrer rückreise, nachdem sie eben so viel tage ihre an-dacht gepflogen. Emir Adge gewinnet sehr viel von solcher pil.rimschassl. Denn ausser den kleinen Vortheilen , so er davonat, fallen ihm auch aller derjenigen güther zu, welche unter-wegens sterben, und in währender solcher pilgrimschafft ist erein absoluter Herr. Taverniers Morgenländifche reift, undbefthreibung des Serrails. P. Lucas. Le Eru», &c.

Caravane der kaufleuthe, wird eine menge vieler kaufleuthrim Orient genennet, welche zusammen kommen , um destosicherer für den räubern zu reisen. Sie erwehlen einen gewissenHauptmann unter fich, den fie Caravan-Bachi nennen, dersel-bige ordnet ihren marsch an, bestimmet ihre tage-reisen , undentscheidet nebst den vornehmsten der Caravane die streitigkeiten,so fich in währender reise entspinnen. Die Caravane bestehetmanchmal aus 1000. cameelen, und hat öfters eben so viel zuPferde bey sich, so daß fie einer armee ähnlich. Sie reisen we-gen der grossen Hitze mehr bey nacht als am tage; und zur win-ters-zeit kommen sie allemal noch bey tage an den ort, allwo siesich lagern wollen. Die Chaoux, welches arme Türcken oderArmenianer find , halten schildwache um das lager herum.Wenn sie von Constantinopel, von Smyrna oder Alcppo abge-hen , kleiden sie sich nach der mode desjenigen landes, wohinsie reisen wollen.

Caravanen, bey den Maltheser-Rittern werden also ge-nennet diejenige expeditiones , welche fie zu Wasser Wider dieungläubigen vornehmen müssen, bevor sie zu den Cvmmande-rien und andern digniläten ihres ordens gelangen können.

Caraufius , von Herkunft ein Menapier, welchm die Kay«ftr DiociekianuS und Maximianus zum Gouverneur über Gal-liam ßelgicam und Armoricam oder das heutige Bretagne ge-setzet hatten, welche länder damals von den Francken und Sach­ sen sehr geplaget wurden. Da führte sich nun Caraufius alsi»auf, daß er zwar die einfülle dieser feinden nie verhinderte, undsie immer brav beuten liesse; hingegen war er desto fleißiger ih-nen auf dem rückweg aufzupassen , und die gemachte beuten ab-zujagen. Als aber die fach an tag kam, und Maximianus ihmden tod drohete, verglich er sich mit den Francken, und be-mächtigte sich, sonderlich von Britannien oder dem heutigenEngelland, wie auch eines stücks von Gallia Belgica. Wiewolnun er in Gallien abbruch litte, so hielt er sich desto vester inBritannien, hatte auch dm Vortheil, weil er alle disseit desmeers vorhandene schiffe mit sich übers meer geführet hatte, daßihm die Romer allda lange nicht beykommen konnten, auch, dafie es letztlich versuchten, wegen ihrer leuthen unerfahrenheit zur

t e eine grosse niederlag erlitten. Disseits hingegen nahm ihmonstantius Chlorus Gessoriacum weg, nachdem er den Hafendurch einen dämm gesperret hatte. Endlich wurde Caraufiusvon einem feiner Capitaine, Alectus genannt, im siebenden jähr«feiner rebelliqn an. 294. oder 9?. erschlagen. Aurel. Vifior, iaDioclet. Eutrof. nummi üb. IX. Lumen, in Paneg. *

t Er war von sehr geringer ankunft, und gab an-fänglich einen schiffmann ab, wobey er aber durch die langeubung sich in allen zu dem see-wesen gehörigen dingen einevollkommene geschicklichkeit erwarb. Da er nun hierauf auchseine tapferkcit in unterschiedlichen gelegmheitcn , und beson-ders in dem kriege wider die Bagauden sattsam sehen lassen,ward er in Gallia Belgica und Armorica zum Gouverneur be-stellet. Als er aber endlich an. -87. erfuhr > daß Maxim,c»