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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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an der sogenannten Papistifche» conspiration, die auf ermor-dung des Königs und einfuhrung der Catholischeii religion inEngelland abgesehen seyn sollte, theil hätte; worauf er zwar,so bald er hievon Nachricht erhalten, nicht allein seine schrittengrösten theils i» Sicherheit gebracht, sondern sich auch selbst mitder flucht gerettet hatte. Allein nach zwey tagen kam er wie-der, und indessen hatte man eine grosse menge von briefen beyihm gefunden, die er vergessen gehabt gleichfalls wegzuschaf-fen , und die ihm und seiner parley viel Nachtheil erweckten,weil man daraus die schlimmen abstchten gegen den König unddie Englische kirche und ihre verdächtige correspondentz mit demFranzösischen Hof deutlich ersehen konnte, das Parlemcnt er-bot sich zwar bey dem König vor ihn zu bitten, aber er läug-nete bis auf den letzten augenblick seines lebens alles das,wessen ihn die zeugen beschuldigt hatten, und blieb dabey, daßer die Catholische religion keines wegs durch geivalt, sondernverniittelst einer tvlerantz einzuführen gesucht, ingleichen daßder König selbst um alle seine Handlungen gewußt habe. Erward aber dennoch des hoch-verraths schuldig erkannt, und amdcc. an. 1678. gehangen, und geviertheilt. Seine letzte Wortsollen diese gewesen seyn : Es halt kein mensch mehr sein Wort,welches davon ausgelegt worden, daß er, nach der von demHertzog von Yorck gegebenen Versicherung, immer noch gnadezu erhalten gehofft. A Camp/eat History of England , tom. III.ßurnet , bist. des dernieres revolut. d'Anglec. Rapin, hist.dAngl. tom. IX.

* Cokman, (Thomas) gebürtig von Oxford , war erstlichein Prediger zu Londen , hernach aber zu Westmünster, undstarb an. 1647. Wegen seiner wissenschafft in dem Hebräischenhat man ihn nur Raddi Coleman zi« nennen pflegen. Er hatnebst andern lractätgen, 4. Predigten, die er vor dem Parlementgehalten, heraus gegeben. Wood. Witte, diar.

* ssoleotti, eines der ältesten, edelsten und vortreflichstenItaliänischen geschlechter, wie solches aus öffentlichen docu-mentis, Fürstlichen privilegiis, mausoleis und Ritter - faulenerhellet, wohnet zu Bergamo , und sind daraus viele grosse Män-ner entsprossen, deren einige die in den ältern zeiten in denfreyen Italiänischen städten mit dem höchsten sowol civil - alskriegs-gewalt begleitete, und zu Bergamo in dem jähr Christin 18. eingeführte würde des Gonseserüs Justitias, andre aberdie »vürde der Podestä oder Pmorum , welche um das jähr1170. in besagter stadt angefangen, bekleidet haben; noch an-dre haben den titul der Ritter getragen, und einige haben ver-schiedenen städten Italiens unter dem nahmen eines Gapita-nei oder Pnetoris vorgestanden, da denn wohl zu bemercken ist,daß diese ämter nur an diejenigen gelangten , welche sowol we-gen ihrer hohen geburt als ausnehmenden Verdienste in grossemansehen stunden. Da die stadt Bergamo von dem jähr 1313.bis 1317, fast immer frey gewesen, und von niemanden ab-gehangen, so sind von dem dasigen volck verschiedene aus demgeschlechte derer Coleoni zu ihren obersten,Häuptern, und an-dere zu Bvlschasslern an Könige und Fürsten ernennet wor-den. Noch andere aus diesem geschlechte haben das kriegs-we-sen besagter stadt als Generalen und Generalißimi besorget.An. 1296. in dem monak mertz an einem sonntag gienge zuBergamo die aufruhr, oder besser zu sagen, der Guelfische undGhibellinische krieg an, zwischen denen Coleoni und denenSuardi. Der anlas dazu war, daß Jacobus di Mozo vonBergamo gebürtig und Mayländischer General , wie auch gu-ter freund Alberici Suardi, von einem Coleoni in ihrem eige-nen garten mit einer lantze war verwundet worden. Hieraufergriffen beyde familien die Waffen ; Albericus Suardi er-hielte von den Mayländern eine merckliche hülffe an volck undandern Nothwendigkeiten, weil er ihnen verheißen hatte ih-nen die herrschaffl über diese stadt in die Hände zu spielen. Ver-mittelst dieser empfangenen hülffe hat er denen Coleoni verschie-dene blutige schlachten geliefert, und hat die Uneinigkeit zwi-schen beyden geschlechtern ohngefehr hundert jähr lang gedau,ret. Die Coleoni haben sich allezeit, als beschützet der Guel-fischen partey, an die spitzen gestellet, und sehr viele schlösserbesessen, als Chignolo, Solza , sonderlich aber Almenno indem jähr 1282. und Rocca de Brivio, so in dem Mayländischenander Adda gelegen war, an. 1337. es ist aber dieser letzterevrt von den Hertzogen von Mayland zerstöret worden. Eshat auch dieses geschlecht einen unumschränckten gewalt überBergamo besessen, ist aber desselben von Johanne RogerioSuardo, dem Haupt der Ghibelliner, mit beyhülffe des May-ländischen Generals Joh. Picinino Visconte beraubet worden.Es haben aber die Coleoni, um sich dem Suardi zu widerse-tzen , und sich an den Mayländern zu rächen, sich des denMayländern zugehörigen , mitten in dem fluß Adda gelegenen,und an. 1734. mit Königlich - Französisch - und Sardimschentrouppen besetzten casteüs Trezzo bemeistert, und von dar ausblutige kriege wider Joh. Mariam Visconte Hertzog von May-land geführet. In dem jähr 1406. den 2a. apr. ward besagtescastell von Jacobo del' Verme und von Galeazzo Herrn vonMantua , der Graf von Grumello genannt, mit einer mächti-gen aus 6000. reutern, 6000. fuß-knechten, 1000. schantz-grä-bern, und ;oo. arbeitern bestehenden und mit überfiüßlgemkriegs-vorrath versehenen armee angegriffen, allein die tapferkeitder belagerten machte, daß diese armee der belagerer mit merck-lichcm Verlust abziehen muste. In dem jähr 1407. unterstütz«

Hrst»r. Lexmn 11. Theil.

ten die Coleoni Pandolfum Malatesta mit ihrer macht so nach-drücklich, daß er sich der stadt Bergamo bemeisterte, und die Ghi-belliner gäntzlich vertilgete. Sie gestatteten Pandolfo den durch«zug über die drücke bey Trezzo, und verschafften also, daß er, mit seiner armee in das Bergamaskische gebieth einfallen konnte.Eden die Coleoni haben auch durch ihre Vermittelung und anse-hen es dahin gebracht, daß die von ihnen zuBresciazusammen-beruffene Herren von Cremona , Lodi und Crema, dem Pan-dolfv in seinem unternehmen mächtige hülffe geleistet haben.In dem jähr 14-7. griffe Philippus Maria Visconte, Hertzogvon Mayland, durch einen offenbaren friedens-druch die vestungTrezzo mit einer mächtigen armee an. Nachdem die bclage-runq schon etliche monat gewähret hatte, geschahe es, daßPaulus Coleoni, ein tapferer jüngling, in die Hände des HertzogSvon Mayland gerielhe. Dieser ließ alsobald gegen der vestunghinüber einen galgen aufrichten, und den unglücklichen Pau-lum Coleoni mit dem strick an dem hals dahin führen; zu-gleich aber ließ er Johanni, Dondaccio und Testino Coleoni,den übrigen dreyen brüdern des Panli, welche sich in der ve-stung befanden, ansagen, daß es noch zeit wäre, sich zu erge-ben. Die heftige liebe, welche sie zu ihrem bruder trugen, undnicht etwa» der Mangel an macht und tapferkeit, bewöge siedie vestung dem Hertzoge abzutreten, welches jedoch mit vor-theilhafften und ihnen zu grossen ehren gereichenden bcdingnis-sen geschehen ist, da sie zumalen auch eine grosse summa gelbesbezogen.

In dem jähr 1182. wurden die Coleoni in vielen instrumen-ten schon Edle, Grosse und Mächtige Herren genannt; an.1219. ward diese familie unter die sechs mächtigen familien zuBergamo gezehlet, wie solches aus der chronick Manfredi Ze-zunone, aus denen an. 1303. und 1507. errichteten feyerlicheuvertragen zwischen den Guelfen und Ghibellinen, und an-dern öffentlichen instrumentis, welche sich iri der cantzley zu Ber­ gamo befinden, erhellet; wie auch aus dem sepplemento derchronick des P. Jac. Philippi Forcsti , eines Augustiner - Mön,chen; aus Leanbro Alberti von Bologna , p. 402. in seiner be-schreibung Italiens , in demjenigen' capitul, welches von derLombardie jenseit des Po-flusses handelt, allwo er diejenigen do-cumenten einbringet, aus denen kan bewiesen werden, das; dasHaus Coleoni die herrschaffl über die stadt Bergamo besessen ha-be; aus Castello Castelli , aus Petro Spino; aus P. DonatiCalvi eines Capuciners Campidoglio de Guerrieri ; aus Fran-cisco Bellafino ; aus Achillis IVlutii Theatro hist. Bergam. ;aus Bernardini Corio hist. Mediolan. ; aus des Marchese Ma-jolino Bisaccioni descrizzioni universell e particolari delmondo.

In den alten geschlecht - registern dieses Hauses findet maneinen, genannt Hercules, welcher die haut eines von ihm über-wundenen löwen als ein über-kleid trüge; dahero alle diejenigenaus diesem geschlechte, welche in dem krieg dieneten, die gewohn-heit hatten lowen-köpfe in ihren Überkleidern gewürcket zu tra-gen. Petrus Spino, der eine sonderbare Historie des HausesColeoni geschrieben hat, hält deswegen davor, es müsse der. nähme Coleoni oder Colione von diesem umstand hergeleitetwerden, und sey durch die länge der zeit und durch dit Unwis-senheit des gemeinen volcks endlich aus Colione, Coglione ge-macher worden.

Das geschlecht Coleoni kan seine Herkunft und stamm-baumaus öffentlichen und in den archiven sich befindlichen authen-tischen instrumentis bis ohngefehr in das XII. steculum erweis-lich herleiten; daß es aber nicht höher als in das ende des XI.seeculi gehen kan, ist denen kriegs-läuften und feuers-brunsten,so die altern archiven in die asche gelegt haben, zuzuschreiben,und fehlet es übrigens nicht an verschiedenen documenten, a»Swelchen sonnen-klar kan abgenommen werden, daß das hauSColeoni schon vor dem XI. feculoin grossen! ansehen müsse ge-standen seyn. Es ist aber von selbiger zeit an dieses vornehmegeschlecht folgender weise fortgepflantzet worden.

I. Gisalbertuo Coleoni lebte gegen der mitte des XII. fe*culi, wie aus den Instrumenten von an. 1139. und n6i. abzu-nehmen, und hatte drey söhne, Gozzo, Albertum, von dem her-nach , und wilhelmum, welcher GonPoIe di Giustizia war,laut einem instrument von an. uz».

II. Albertus, hatte nur einen einigen söhn, nahmens

III. Larpictlione, dessen in einem instrument von an.«7$,Meldung geschiehet, und der laut einem andern instrument vonan. n8y. den stab in der Hand führend, die gerichtsbarkeit undherrschaffl üdete in demjenigen wichtigen theil des Bergainaski-schen territorii, welcher Jsola genennet wird, allwo er die gefäüe,so in selbiger zeit il Fodro, il Distretto, la Castellanza, lo A. Meselere, lAftoratico, lo Tratto, lo Traverfo , und andere der ge-richtsbarkeit anklebende gerechtsame bezöge, wie in der HistoriePetri Spino zu sehen ist. Seine söhne waren: Rogcrus,Gonsele di Giustizia im jähr 1230. der in einem instrument vvktan. 1237. Gompilator de statmi geheissen wird, und

IV. Albericus, gleichfalls Gonsele di Giustizia , wie auseinem instrument von an. 1191. zu ersehen ist. Sein söhnwar:

V. Gisalbertus, dessen in zweyen documenten von denjähren 1254. und 12^. Meldung geschiehet. Sein söhn war:

VI. Philippus, dessen in den eben angeführten instru-mentcn von den jähren 1234. und 1233. auch Meldung ge-schiehet. Sein söhn war:

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