Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

*

58 st C C

die Rechtsgelahrtheit daselbst zu lehren anfieng. Es kam auchdiese Universität durch ihn in grosses aufnehmen,und die meistenfremden, so nach Italien reisten, begaben sich um feinet willendahin. Rainutius Farnesius, Hertzog von Parina,zog ihn dar-auf zu sich; allein der Groß-Herhog von Florentz berief ihnbald wieder, die Rechte zu Pifa zu dociren, an welchem ort erauch geblieben, bis er den 4. oct. an. 1622. gestorben. Erytbr.

pin. ii. c. 23. Bayie.

Accarisi, (Jacobs gebürtig von Bononien, war ein PKilo-sophus , Doctor Theologie, und 4. iahr Professor Rbetorices inMantua . Er hat die reden, fo er zu Rom , Cöln, Mantua undan andern orten gehalten, zusammen heraus gegeben, wie auchein volumen seiner briefe; ingleichen eine Historie von fortpflan-tzung des Catholischen glaubens,und eine Lateinische Übersetzungder Historie des Cardinals Benrivoglio von der Niederländischen Unruhe. Er lebte an. 1627. Bumaldi , in bibl. Bonon.Aftr.eMs,de script. saec. XVII. Allat. in apib. Hendreicb, pand.

Accaron, Achoron, Acharon, der gott der fliegen, nachPlinii meynung.Pausanias sagt,Hercules habe einmal über sei-nem opfer bey Olympus viel von den fliegen ausstehen müssen;weswegen er den Jupiter angeruffen, und dadurch erhalten, daßdieses Ungeziefer auf die andere feite des flusses Alphei geflogen.Von der zeit an haben auch die Elienser dem die fliegen verja-genden Jupiter dergleichen opfer gebracht, um gleiche wohl-that von ihm zu erhalten. Er wird auch Achor, Myagcusoder Myodes genannt. Der gott der stadt Accaron wird inder Schrift Beelzebub genannt, welches auch einen fliegen-gott

helft. Plinius , üb. X. c. 28. Paufan. in elegiacis. Greg. Nazi-am. orat. 1. contra Julian. 4. Reg. I.

Accaron, eine stadt in dem gelobten lande, siehe Ecron.

* Accas, oder Acca,ein Bifchoff zu Hagulstad in Engelland/lebte in dem VIII. feculo und wäre ein guter freund des Bedä.Bosa der Ertz-Bischoff vonZorck hatte ihne unter denen Clericisseiner kirche'auferstehen lassen. Er trat hernachin den Benc-dictiner-orden, und ward ein zuhörer Bischoffs Wilfridi, demeer auch in seiner würde nachfolgete. Diese erhöhung aber würck-te bey ihme eine noch grössere demuth. Beda riethe ihme, ersollte an erklärung der H. Schrift arbeiten; Accas schriebeihme hierüber einen brief über die weife, wie die Evanqelia, undsonderlich das Evangelium Luca zu erklären wäre. Er arbeite-te auch an der einrichtung des gesanges in seiner kirche, und be-schriebe die leben derjenigen Heiligen, welcher gebeine allda auf-behalten wurden. Dieses berichten uns Baläus und Pitseus,welche von denen Englischen scribenten und geschicht-schreiberngeschrieben haben. Von des Accas schriften aber bleibt unsnichts mehr übrig als der an Bedam geschriebene brief. Accasstarb ohNgefehr IM jähr 740. Pitseus, de script. Anglic. Pos.Jius , de hist. Lat . M. du Pin , bibüoth. des auteurs ecclef.

* Accelto, (Reginaldus) ein Dominicaner von Maffalu-brense aus dem Neapolitanischen, gab an. 1 372. heraus: II

trescr della volgat lingua. Toppii bibl. Neapolit.

ACCENSI FORENSES , gewisse bedienten des Römi-schen Raths, die mehr arbeit als ehre hatten. Sie wurden ausden frey-gelassenen erwehlet. Sie giengen vor den obrigkeitli-chen Personen her, und richteten ihren beseht aus. Sie mustendas volck zusammen rnffen, weswegen sie auch Accensi ab acci-endo, genennet worden, wie Varro meynt. Ingleichen mustensie auch bey dem Pratore seyn, wenn er zu gerichte saß, und ihmallestunden mit Heller stimme zuruffen, um welche zeit es sey.

ACCENSI' bey der militz, war die überflüßiqe Mannschaft,durch welche man die stellen derjenigen ersetzte, welche waren ge-tödtet oder blcßirt worden, daß sie nicht dienste thun konnten.AsconiusPedianus giebt ihnen einen rang,fast wie unsernCorpo-ralen oder Trompetern. Livius aber sagt, man habe besonderecompagnien aus ihnen gemacht, die man hinten an die armeeangehangen, weil man sich weder auf ihre erfahrenheit nochhertzhafftigkeit verlassen. Rnsinus. Demsterus.

* ACCENK)NE8, waren diejenigen fechtmeistcr, welchedie fechter zum streit aufmunterten, indem sie nicht weit von ih-nen traten, und ihnen zufchrien, sich wohl zu halten. Tertuü. adMartyr. c. i. nennet dieselben Obersten und Vorgesetzte über die

fechter. Salmas. in Tertull. p. 473.

* ACCENTUS, oder Tonzeichen, sind in der sprach-kunst gewisse zeichen, welche in einigen sprachen über die sylbengeschrieben werden, um anzudeuten, daß dieselben entwedersstärcker, oder schärsser, oder gelinder müssen ausgesprochen wer-den. Die Gelehrten haben in acht genommen, daß die Accentusbey denen alten Griechen gantz unbekannt gewesen seyen, unddaß sie von denen Grammaticis'scyen erfunden worden, um dieaussprach der Griechischen Worten vest zu setzen. Übrigens istschon längstens etn stärcker streit zwischen denen Gelehrten, überdie Accentus, welche von vielen feculis her in denen geschrie-benen und gedruckten Griechischen büchern anzutreffen stnd.JsaacusVossius, welcher einen eignen tractat hicvon geschriebenhat, behauptet, daß diese Accentus nicht alt seyen, und daß manvor altem nichts anders gehabt habe, als einige zeichen, so zurpoesie gedienet, und hauptsächlich angedeutet, wie die verse müs-sen gesungen werden. Äristophanes der Grammaticus, der zuden zeiten Ptolemäi Philopatoris gelebt, solle der erfinder dre-ser musicalischen accenten gewesen seyn. Äristarchus sein lehr-jüngcr brachte diese kunst noch weiter; alles aber zweckte nurdahin, daß junge lcuthe um so viel leichter die ticht-kunst crler«neu möchten. Voßius zeiget auch und beweiset aus vielen

st c c

alten Grammakicis , daß zu selbigen Zeiten diese Accentus oderzeichen auf eine gantz andere weise und art, als zetzund geschicht,seyen bezeichnet worden. Man kan hierüber des obangezoge-nen Voßii vissertationem de Accentibus Gracantcis nachsehen.Henricus Christianus Henninius hat der Meynung Voßii auchbeygepflichtet, in einer Dissertation, in deren er nicht nur behau-ptet, man müsse die Griechische spräche nicht nach denen Accen-tibus aussprechen, sondern noch weiters gehet als Voßius selb-sten, indeme er lehret, die Araber seyen die erfindere der Accen-tuum oder Acuminum , wie er sie nennet, und haben sie solchersich zu der poesie bedienet. Er steuret sich hierin» auf SamuelisKlarkii Profodiam Arabicam , so JU Orftrd an. 1661, gedrucktworden. Es scheinet aber, es habe Henninius den Klark nichtwohl gefasset. Übrigens behauptet er, daß die alten Accentusdes Aristophanis sich zu der aussprach der Griechischen sprachgeschickt haben, da hingegen die heutigen solche verkehren. Ersagt ferners, es seyen dre heutigen Accentus von denen neuernGriechischen Grammaticis erst erfunden worden, zu der zeit dadie Griechische spräche in zerfall zu gerathen angefangen hätte,und von ihnen zu dem ende eingeführet worden, damit der ver-derbten aussprache, welche die Barbarischen völcker in schwangbrachten,einiger Massen vorgebogen werden möchte. Er setzet al-so das alterthum der heutigen Griechischen Accemuum nichthöher an, als gegen neunhundert jähre, welches er daher zu er-weisen glaubet, weilen keine ältere manuscripta mit Accentibusbezelchnet anzutreffen seyen. Henninii Dissertatio Paradoxa istsammt Isaaci Yoslii Dissertatione zu Utrecht an. 1687. ge-druckt worden. Johannes Rudolphus Wetstenius gewesenerProfessor Lingua ; Gracie zuBasehhat der meynungHenninti einesehr gelehrte und wohl gerathene Schrift entgegen gesetzet, inwelcher er erweiset, daß die heutiges tages in gedruckten und ge-schriebenen büchern anzutreffende Accentus , von einem weitgrösser« alterthum,als aberHeninius vorgiebt,feyen.Er giebt zu,daß die Accentus nicht zu allen zeiten durch gleiche zeichen seyenbedeutet und ausgedrucket worden,und führet davon folgende nr-sach an: Da die aussprach derGriechischen sprach nicht bey allenvölckern gleich gewesen, so seye nicht zu bewundern,daß dieDoriiihre Accentus auf eine andere art bezeichnet als die Aeolii; So,sagt er ferner, hat auch ein und eben dasselbe volck in verschiede-nen zeiten,seine sprach auf verschiedene weise ausgesprochen.Diesegelehrte schrift des Herrn Wetstenii ist zu Basel im jähr 1686.unter dem titul: Dissertatio Epistolica de Accentuum Graco-rum Antiquitate & usu , gedruckt und denen Orationibus desgelehrten HerrnVerfassers Progenuina PronunciationeLinguseGracce beygefüget worden. Gesetzt nun, man wäre nichtdurchgehends der meynung Herrn Wetstenii, so ist doch offen-bar, daß Voßius und Henninius der fach zu viel gethan haben.Die ersten Godices Mfs. in welchen Accentus und spiritus anzu-treffen sind, mögen aus dem VII. feculo seyn, und einige exem-pel davon in der Pafeographia Graca D. Bernardi de Montfau-con nachgesehen werden. Es finden sich aber auch GodicesMfs. von neuern zeiten, in welchen die Accentus nicht erscheinen.Daraus folget ilim keineswegs,daß zu denen zeiten, da diese neu-ere Godices verfertiget worden, die Accentus bey denen Grie-chen noch nicht seyen üblich gewesen, sondern nur so viel magman dadurch erweisen, daß der grösseste theil der abschreiberndie Accentus Übergängen und ausgelassen haben; und daherokommet es in der that, daß die alten mit Accentibus verseheneGodices sehr selten und rar sind. Wir haben droben schon ver-nommen, daß die Griechischen Accentus zu denen verfchiedenenzeiten, verschiedener weise styen angedeutet worden. In denenersten zeiten ist solches durch Puncten geschehen. Seit dem XII.feculo hat man wiedrum andere Puncten gebraucht, und dicftsind auch wiedrum abgeändert worden. Der Griechifch-und La-teinischeGodex Cantabrigiensis Evangeliorum und Aitor. Apo-llo!. so zum wenigsten tausend jähr alt ist, hat keine Accentus.Der Godex Gracus & Latinus Epistolar. Pauli, so sich in der Kö-niglich-Französischen bibliotheck findet, und in der that von nichtgeringerm alterthum als der Englische Godex ist, hat zwar dieAccentus , allein es scheinet, sie seyen erst nach der Hand hinzugesetzet worden, indeme die Hand, welche die Accentus geschrie-ben, gantz nicht diejenige ist, so den gantzen Godicem ausgefer-tiget hat. Georgius Syncellus gedenckct eines GriechischenGodicis der Bibel, welcher mit grossem fleiß geschrieben, undzugleich mit Puncten und Accentibus versehen wäre. Er sagt,er habe diesen Godicem aus der bibliotheck zu Eäsarea in Eapva-docien bekommen, und zeige es sich aus deme, so zu ansang die-ses Godicis aufgezeichnet stunde, daß derselbe von einem exem-plar wäre abgeschrieben worden, welches St. Basilius Magnusfelbsten verheuert hätte. Übrigens hat Henninius die fach garnicht wohl getroffen, wann er behauptet, daß die Accentus durchdie Araber seyen erfunden, durch den Aschalil um die zeit destodes Mahomets, zur Vollkommenheit gebracht, und von denenMasoreten zu Tiberias in der mitte des VI. feculi nachgeahmetworden, und daß Rabbi Juda-Ben-David Ehiug, gebürtig vonFez, in dem XI. feculo tue Hebräischen Accentus in vollkomm-nen stand gesetzet habe. Dann gesetzt, welches doch noch nicktso heiter dargethan ist, es hätten die Juden ihrepuncka vocaliavon denen Arabern entlehnet, wie könnten sie doch die Accentusvon ihnen genommen haben, da die Araber gar keine Accentus,weder in qebundner noch ungebundner schreib-art haben. Dieticht-kunst ist erstaunlich alt bey denen Arabern und weit älterals Aschalit-Ebn-Atimed, der sie nur in gewisse regeln gebracht,