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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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end machte, darauf die Türcken anfiengen sich einzuschantzenund battcrien aufzurichten, und den 21. jul. das Rußische larger nicht allein sehr grausam beschossen und bomvardirten,sondern auch demselben sich durch ordentliche lauff- graben nä-herten. Als aber nunmehr» die Russen von den Türcken, wel-che jenen an macht weit überlegen waren, gantzlich eingeschloj-sen, und über biß wegen Mangel an Proviant in der äusser-sten noth waren, so sahe sich Czaar Petrus, welcher seine ar-mer selbsten commandirte, zu rettung derselben genothiget mitseinen feinden zu accordiren, daher er durch heimliche grossegeschencke, darzu er, wie etliche vorgeben, etliche Millionen ankleinvdien verwendet hatte, von dem Groß-Vezier und übrigenTürckischen Generalen einen stillstand der Waffen auf zween ta-ge zuweaen brachte, darauf auch den r;. jul. der friede selb-sten zwischen den Russen und Turcken, ungeachtet der von demKömg in Schweden darwider gethanen heftigen protestation,an gedachtem fluß bey Felenitz geschlossen ward , krafft dessendie Russen alle bisher und im vorigen krieg eingenommeneörtcr, darunter vornemlich Asovh, den Türcken wieder einräu-men , und die am Schwarten meer und anderwerts neu - ge-baute vcstungen und schantzen, als Tagancrock, Kainenky undandere, niedcrreissen sollten, welches dann denen Russen um soviel desto schmerylicher war, dieweil dadurch dero schiffs - ar-mament auf dem Schwartzen meer, inglcichen die mit so vie-len kosten verfertigte canäle unbrauchbar wurden. Obschonaber nachaehends der Groß - Vezier Mchemet Bassa von demGroß-Sultan wegen diesem geschlossenen frieden abgesetzet ward,es auch zu verschiedenen malen das ansehen hatte, als wenn eszu einem neuen krieg mit Moscau kommen wurde, dieweil derCzaar die wichtige vestung Asoph nicht eher an die Türcken ab-treten , noch die übrige bedingnisse des fricdens erfüllen woll-te , als bis der König in Schweden das Türckische gebieth wur-de verlassen haben , so wurde doch dieser friede nach würcklicherfolgter ablretung der vestung Asoph und schleiffung der neu-angelegten vestungcn sowol den 16. april 1712. als den 16.jun. 171;. nebst einem zusatz noch einiger artickuln von AchmetIII. bestätiget. Als indessen die feinde des Königs in Schwe­ den noch immer darauf drungen , daß er zu verlassung desTürckischen gebicths gezwungen werden sollte, dieser Konig aberden Tartar Chan und den Seraskier zu Bender, welche ihndurch Polen begleiten sollten, in dem verdacht hatte, daß sievon seinen feinden bestochen wären, seine person ihnen in dieHände zu liefern, und daher sich weigerte unter ihrem begleitvon Bender aufzubrechen, so ward endlich in einem zu Con-stantinopel gehaltenen Divan der schluß abgefaßt, den König inSchweden mit gemalt von Bender zu vertreiben. Diesen schlußzu vollziehen ruckten der Tartar Chan und der Scraskier zuBender mit einem corpo von 10000. mann gegen das Schwe-dische lager an, und bloguirten dasselbe einige reitlang, bisdaß sie endlich den 12. febr. 171;. dasselbe förmlich angriffen,ihm mit canoniren und bomdardiren heftig zusetzten, das umdasselbe aufgeworssene retranchement bestürmten und überstie-gen , den Konig m Schweden und alle seine bey sich gehabteleulhe nach einer verzweifelten gegenwehr gefangen nahmen,und darauf nach Demotica, einer kleinen stadt 3. meilen vonAdrianopel liegend, abführeten, allwo der König mit samt denseinigen bis zu seiner abreise nach seinen landen, welche den 1.octobr. 1714. erfolget ist, verbliebe. Inzwischen waren wie-der an verschiedenen orten des Ottomannischen Reichs grosseempörungen entstanden, wie denn unter andern die Montene-griner in Dalmatien , und die Asiatische Bassen von Damascound Babylon einen gefährlichen aufstand erreget, und demTürckischen Hof nicht wenig zu schaffen gemacht haben, alsodaß sie mit gewalt wieder zum gehorsam musten gebracht wer-den. Eben um diese zeit ward auch der Hospodar in der Wal-lachcy, Constantinus Cantacuzenus äs Branckowan, von sei-nen feinden bey dem Groß - Sultan Achmet III. verdächtig ge-macht , daher er den 4. april 1714. mit seiner gantzcn ft,mi-lie aus seiner residentz Bucharest gewaltsamer weise hinwegaeholet, nach Constantinopcl geführet, und in das gefängnisder sieben thürnen gemorsten wurde, allda man ihn erstlich solang, bis er seine schätze offenbarte, abscheulich peinigte, end-lich aber, weil er seinen Griechischen glauben nicht verlassenwollte, nebst feinet gemahlin und t>iet winden erbärmlich hin-richtete. Nach erfolgtem aufbrlich des Königs in Schweden aus dem Türckischen gebieth nähme sich Achmet III. vor, seineWaffen gegen die Venetianer zu wenden, daher er ihnen zu enddes 1714. jahrs den krieg öffentlich ankündigen und ihren Bai-lo zu Constantinopel arrestire» liesse, unter dem vorwand, daßdie Venetianer der Türckischen schiff-fahrt aller orten abbruch ge-than, und demnach den Montenegrinern in Dalmatien in ihremletzten ausstand hülffe geleistet, und sie darinn mit fleiß unter-halten , ferners auch mit den Asiatischen Bassen, welche neu-lich ebmfalls wider die Ottomannische Pforte sich aufgelehnet,ein geheimes Verständnis gehabt hätten. Darauf ward in demfolgenden jähr die halb - insul Morea von den Türcken zu wasser und zu land mit einer grossen macht angegriffen, und zwarmit solchem gluck, daß sie alsbald die insüln Tine oder Te-nos, Engia und Cerigo ohne grossen widerstand, das castell zuCorintho aber und die vestung Napoli di Romania mit stürmeroberten, darauf sich auch Modon, Coron, Napoli di Malva-fia, Patrasso und übrige plätze an sie ergeben musten, also,daß innert vier monaten das gantze Königreich Morea in ihregewalt geriethe, da inzwischen der Cavikain Bassa auch die bry-Histor. Lexicon I. Theil.

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den Veuetianischen vestungen auf der instil Eandia, Suda undSpinalonga, unter Türckische botmäßigkeit gebracht hatte.In Dalmatien aber hatten die Turckssche Waffen keinen soglücklichen fvrtgang, denn als der Bassa von Bosnien mit ei,ner zahlreichen armee die Venetianische vestung Sing an demsiuß Cettine belagerte, so thäte der darinn liegende Commen-dant Gevrgius Balbo einen so tapfern widerstand, daß er in-nerhalb sieben tagen zwölf stürme abschlug, und da indessender Venetianische succurs angerucket war, so musten die Tur-cken die belagerung mit grossem Verlust aufheben, und ihr gan-tzes lager mit aller artillerie, Munition und Proviant im stichlassen. Nachdem hierauf der Römische Kayser die resolutionfaßte, sich der bedrängten Venetianern mit Nachdruck anzuneh-men , und daher eine alliantz mit ihnen schlösse, so kam es an.1716. zwischen ihm und dein Groß-Sultan gleichfalls zu eineröffentlichen rumur, und als sich beyde arineen einander genä-hert hatten, den3. augusti bey Peterwaradein zu einer bluti-gen schlacht, in welcher die Türcken totaliter geschlagen, ihrer30000, mann, darunter sich der Groß-Vezier Ali Bassa, deSGroß-Sultans eydam selbsten, wie auch der Ianitscharen Agaund 1?. Bassen befunden, getödtet, und das gantze Türckischelager, die kriegs-cantzley, alles grobe geschütz, Munition und ei-ne ungläubliche menge an lcbens-mitteln, büffeln, kameelen rc.von den Kayserlichen erbeutet wurden, welche letztere auch die-se entsetzliche niederlag und die daher entstandene grosse bestür-tzung der Türcken sich zu nutz machten, und nach einer schärf-ten belagerung die haupt-vestung Temeswar , gleichwie auch fol-gends Panzowa, Dipalanka und andere platze hinweg nahmen.Eben so unglücklich lief es in diesem jähr mit dem feldzuzder Türcken auf der insul Corfu ab, denn obwolen sie im ju-lio auf dieser insul 30000. mann an das land setzten, und mitsolchen die belagerung der Haupt-stadt Corfu vornahmen, so"wurden sie doch theils durch die unvergleichliche gegenwehr undgute ««stalten des tapfern Venetianischen General-Feld-Mar-schallens, Grafens von Schulenburg, theils durch das zuletzt2. tage und nächte nach einander anhaltende gantz ungewöhnli-che regen-wetter, endlich genöthigct die belagerung wieder auf-zuheben , welches auch wegen dem schrecken, dene bey ihnen diezeitung von der grossen Türckischen niederlag in Ungarn verur,fachet hatte, des nachts zwischen dem 21. und 22. aug. in sogrosser eil geschahe, daß sie nebst ihrem gantzen lager auch 36.canoncn, 10. mörser,, und viel 1000. büffel, kameele, Pferdeund andere dinge zurück liessen. Als in dem folgenden 1717.jähre die Römisth-Kayserliche armee ihr glück wider die Otto-mannische Pforte zu prosequiren, Belgrad oder Griechisch-Wcij-senburg, die Haupt-stadt im Königreich Servien, belagerte, sopräsentirte sich zwar der Groß-Vezier mit einer armee, die über200000. mann starck gewesen seyn solle, diese wichtige grentz-vestung zu entsetzen, triebe auch die belagerer ziemlich in dieenge, belagerte ge selbsten ( und beschösse sie 14. tage nach ein-ander ohn unterlaß, allein am rs. aug. ward seine arineevon der Röinisch-Kayserlichen unter dem cominando des welt-berühmten Heldens, Printzen Eugen«, gantz unvermuthet mitsolchem Nachdruck angegriffen, daß sie nach einem fünfstündi-gen gesecht mit Verlust 13000. todter und Hinterlassung ihresgantzen lagers, ihrer völligen artillerie, in 131. stucken und13. inörsern bestehend, ihrer gantzen kriegs - cassen, archivs rc.abermalen das selb räumen muste, darauf denn am zweytentag hernach die übergab der stadt Belgrad an die Römisch-Kayserlichen erfolgte, welche sich ferners auch von den vestenorten Meadia, Orsova und Sabatz meister machten. Vene-tianischer seits aber bemächtigte man sich in diesem jähr der Tür-ckischen vestungen Prevesa, Voinitza und Arta in Epiro, wieauch der vestung Jmoschi in der landschafft Hercegovina.Durch die ungemein glückliche progresscn nun, welche der Rö-mische Kayser bisher wider die Ottomannische Pforte gemachthatte, wurde Achmet III. bewogen, sich zu einem frieden zuentschliessen, welcher auch würcklich zwischen ihm und demRömischen Kayser, wie auch der Republick Venedig am 21.jul. 1718.. bey Passarowitz durch Englische und HolländischeMediation auf 24. jähr geschlossen ward, vermog dessen demRömischen Kayser alles verbliche, was er durch seine Waffenerobert hatte, als nemiich das gantze Temeswarer-bannat samtdem daran stossenden stück der Wallachey, bis an den siußAluta , der gröste theil des Königreichs Serviens mit derhaupt - stadt Belgrad , ein ziemlicher theil von Croatien, unddie in Bosnien längst dem Sau-strom liegende sthlösser und pa-lancken; der Ottömannische Kayser aber bchielte krafft diesessriedens-fchlusses das gantze Königreich Morea, wie auch diedcyde vcstungen in Candia, Suda und Spinalonga, da hin-gegen er die insuln Tine und Cerigo wieder an die Venetia-ner abtreten muste, welche auch die vestungcn Butrinto, > Pre­ vesa und Voinizza in Epiro, die vestung Jmoschi in Hercego-vina , und einige örter in Albanien und Dalmatien bchiclten.Als nachgehends in Persien eine grosse rebeüion ausqchrochen,indem der sogenannte Miriweys sich wider den rechtmäßigenKönig Schach Svlymannum II. aufgelehnet, und sein söhnMyrr-Mahmud zu end des 1722. jahrs ihn nicht nur aus sei-ner refldmtz Hispayan, jöndern auch gar von dem thron ver-trieben , so hat auch der Groß-Sultan den verwirrten zustanddes Königreichs Persien sich zu nutz zu machen, und einen theilvom selbigen Reich an sich zu bringen gesucht, daher er einestarcke armee dahin marschiren liesse, welche anfänglich ziem-lich gute progressen machte, sintemalen von derselben nicht al-

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