Buch 
Noth- und Hülfs-Büchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim : Für Junge und Alte beschrieben
JPEG-Download
 

42 -

den fleißigsten und ordentlichsten Mann an den Bettelstabbringen. Eine solche Sprache führten die meisten. Ichfand aber doch auch hier und da einen, der mit seiner Hand-thierung zufrieden war: und diese waren, wie ich baldmerkte, die ordentlichen, fleißigen und verständigen; undvor allen andern diejenigen, welche ihre Arbeiten, durchneue Erfindungen, immer mehr zu verbessern, und zu ver-schönern suchten.

Olltngen. Der Monat, den ich hier zugebracht habe,war doch der angenehmste Aufenthalt auf meiner, ganzenReise. Anfangs hielten mich die guten Bauersleute für einenTagedieb: weil ich so lange da blieb, und nichts zu thunhatte. Als wir aber recht bekannt wurden,, und ich ihnenviel von meinen Reisen und Begebenheiten erzählte: begriffensie wohl, wie mau des Stadt- und Hoflcbens überdrüßigwerden, und Ruhe und Gesundheit auf dem Lande suchenkönne. Sie wurden endlich so freundlich und offenherzig ge-gen mich, wie ich gegen sie, und ich freute mich recht dabey,zu erfahren: wie das Sprüchwort: Liebe macht Gegenliebe,auch zwischen Menschen von verschiedenem Stande und Altereintrift. Ich hatte mit etlichen ehrbaren Hausvatern besondereFreundschaft gemacht, die sich des Abends nach dem Essen ge-j meiniglich unter einer hohen Linde vor dem Wirthshmffe woich wohnte, versammelten, und bey einer Pfeife Tabak freund»

> schaftltche Gespräche hielten. Mit diesensprach ich oft darüber:wie dieMenschen in allen Ständen,vomKaiser bis zum Taglöh-ner, immer nach Zufriedenheit streben und doch meistens miß-vergnügt sind. Sie hörten dann recht begierig zu, wenn ich ih-! neu erzählte, wie es bey den Großen und Vornehmen hergeht,j und wie mancher Herr, der mit einem Stern aufder Brust imvergoldeten Wagen sitzt, was die Zufriedenheit des Gemüths! betrifft, gern mit dem Kutscher tauschen würde, der ihr»fährt. Und bey einem solchen Gespräch kam einer auf denEinfall: Jeder von der Gesellschaft sollte seinen Lebenslauferzählen, damit ich auch wüßte, wie es den Bauersleutengienge. Dieser Vorschlag gefiel allen, und mir am meisten.Der erste Erzähler war nun Christoph Wahl , einer derwohlhabendsten Einwohner, welcher seine Geschichte auffolgende Art beschrieb.

Ich kann dem lieben Gott nicht genug danken, daßers mit mir immer so gut gemeint hat. Ich war einziger

Sohn,