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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
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weidnerus, (Paulus) ein Jüdischer Medicus, wurde vonUdme aus Italien in Kärndten deruffen, woselbst er sechs jährblieb, und eine ziemliche penston erhielt. Er bekam aber einigeziveifel in der rcligion, welche ihn nöthigten, das Alte undNeue Testament zusammen zu halten, und der Rabbinen aus.legung wohl zu untersuchen. Weil er nun überzeuget wurde,daß Christus der wahre Meßias sey, beschloß er, die Christlichereligion anzunehmen; wiewol er ein gantzes jähr zubrachte, eheer sich völlig erklären konnte. Endlich aber überwand er sich,verließ Kärndten, und gieng nach Wien , allwo er sich den2i. auq. an. i;?8. nebst seinem weibe und vier kindern in derStephans - kirche taufen ließ. Er wurde Professor der Hedräi.scheu spräche in Wien , und schrieb einen tractat de Locis prae-cipuis Fidei Christianae , UM die Jüden jU widerlegen. Henni-cbiu <, de veritate relig. Christ. Bajte.

U)eiern, ein Bayerisches kloster und Probstey der regulir-ten Chor-Herren St. Augustini, in dem Bißthum Freysingenund dem Münchijchen Land-Gericht Eibiingen an der Mangvalrgelegen, ist von Sigebolh, einem Grafen von Falckenstcin undNeuburg , an. n;;. gestiftet worden. Das GottshanS istan. >68 i. gantz neu gebauel, und daher wohl zu sehen. Lhur-Saxern, p.r?;.

weigclius, (ErharduS) Kayferlicher und Pfaltz-Sultzba.chifcher Rath und Professor zu Jena , ein berühmter Marherna.ricus, war in der stadt Weida im Nordgau den i6. dec. an.,ürt> gebohren. Seine eitern waren Michael Weiqel, welcherüber die kirchen - güther daselbst bestellet war, und Anna Wal»lherin. Diese wurden an. 1628. genöthiget, um der religionwillen ihr vatterland zu verlassen, und sich nach Wonsiedel zuwenden , woselbst sie ihren jungen söhn in der schule wohl un-terrichten liessen, da er sich denn nebst den studien auch aus dieMusic legte. Von dar wurde er aus das Höllische Gymnasiumgeschickt, woselbst er sich bey Bartholomäo Schimpfers, der einberühmter Astronomus war, bekannt machte, der ihm nicht al-lein in der Makhematic gute anleitung gab, sondern auch seinebücher, instrumenten und land, charten frey gebrauchen ließ.Well ihn aber seine eitern nicht lange in der fremde halten konn-ten , gieng er zurück nach Wonsiedel, und setzte sich daselbst un-ter des Archidiaconi, Ioh. Elrodens, anführung in der Mathe,malic noch vcster. Nach einiger zeit kam er wieder^ach Halle,erhielt auch bey dem obbemeldten iDchimpfer einen solchen zu-tritt, daß er ihm viel fachen, die ihm aufgetragen worden, aus-zuarbeiten übergab. Er machte sich dadurch so bekannt, daßauch viele 8tudiol> von Leipzig zu ihm kamen, um sich von ihmin der Makhematic unterrichten zu lassen , ohnerachtet er selbstnoch auf keiner Academie gewesen. Durch deren Vorschub kamer nach Leipzig , allwo er insonderheit bey dem damaligen Com-mendanten der vestung Pleissenburg, dem Obersten Titul, be.kannt wurde, welcher ihm den freyen gebrauch seiner kostbareninstrumenten und biblrotheck erlaubte. Er that sich auch da-selbst durch lesen sowol als schriflen dergestalt hervor, daß er an.16;;. zum Professors Mathematum nach Jena beruffen wurde.Er gewann daselbst nicht allein grossen applaufum, sondern setztesich auch bey Hertzog Wilhelmen von Sachsen-Weimar in gros-se gnade, welchem er durch eine besondere invention Die Astro-nomie in wenig stunden beybrachte. Er wurde bald daraufHvf-Mathernaticus und Ober-Bau-Vire<stor. Weil nun seinrühm mehr und mehr wuchs, wurde er auch Kayferlicher undPsaltz-Sultzbachischer Rath, und kam bey vielen andern hohenPotentaten in grosse gnade, welches denn die Ursache war, daßer seine letztern jähre mehrentheils mit reisen zubrachte. Inson-derheit war er bemühet, ein Collegiurn Artis Confultorum inTculschlanb zuwege zu dringen, arbeitete auch mit allem fleissean Verbesserung des calenders, wie denn seine dißfalls gethaneVorschläge bey dem Reichs-Convent zu Regcnspurg anqenom.wen wurden, bis er den ai. mark. an. 1699. zu Jena verstarb,eine einzige tochler nach sich lassend. Er ist wegen verschiedenernützlichen erfindunqen berühmt, wie man ihm denn die Verbesse-rung des Himmels - globi zu dancken hat, worauf zugleich dermotus fecundus fixarum repräsentiret werden kan, und zwar die-ses auf alle, auch die vergangene zeiten. Jngleichen hat er einenquadranrem astronomieum erfunden, welcher, wenn er im radioschon nur einen schuh groß,dennoch singula minuta prima und se-cunda gar deutlich weiset. Ferner hat er eine andere Maschine er-funden , welche die eigentliche moros der sonne und mondes mitdessen latitudine vorstellet, woraus man die consunctiones undOpooficiones füglich erkennen kan. Nicht weniger ist sein Pan-cosmus , eine prächtige und kostbare Maschine, bekannt, und sei-ne Maschinen zu untertichtung und erziehung der kinder dienlich,nebst andern, deren er in seiner Philofophia Mathematica Mel-dung thut. Seine vornehmste schriften sind: Geofeopia Sele-nitarum; Analytis Aristotelico-Euclidea; Philofophia Mathe-matica ; Physica Panfophica; Tetractis ; Synopiis Jurispru-dentiae Struvianae ; Theodixis Pythagorica ; Memoria Tempo-rum ; Idea Matheseos universte; Sphaerica Euclidea ; Cofmo-logia ; Globorum correctorum Descriptio; Compendium Lo-gistic» ; Patdagogia Mathematica ad Praxin Pietatis ; Zeit«Smegel; Erd-Spiegel; Wasser-Schatz; Extractio Radicis desschlechten Christen - Staats ; Kunst zu Unterweisung des Wil-lens ; Arithmetische Beschreibung der Moral-WelsHeit; Him.weis Spiegel; Himmels-Zeiger; Wienerischer Tugend-Spie.gel rc. Bmgramma funebre. lNarperger, von Paneofmo. Fa-hr 1 Staats-Cantzley.

Weigelius, (Valentinus) ein Pfarrer zu Tschopau in Meis.sen unter die Jnspeclion Chemnitz gehörig. Er wurde an. r;,j.gebohren, und kam an. 1,67. in gedachtes amt, welches er miteinem unsträflichen leben soll geführt haben. Einige wollen garviel sonderliches gleich in feiner jugend von ihm anmercken, un.ter andern, daß er die auqcn immer niedergeschlagen, in keinekirche gekommen, und was des diuges mehr ist; allein anderebehaupten, daß man ihn hierin« mit dem Mannsfeldischen Va«lentino Vigelio vermenget. Er starb an. i$88- den 10. jun. undwurde in der stadt, kirche begraben. Man giebt dieses als et,was besonders an, daß man sein grab, ohngeachter das städt»gen mit der kirche in dem dreißigjährigen kriege verbrannt, et.liche tage hernach von allem staub und koth gesäubert gefunden.Bey feinem leben findet man nicht, daß er der kctzerey beschul-digt worden. Nach seinem tobe aber, da man seine schriftenetwas genauer untersucht, bemerckte man viel gefährliche irr-thümmer darin«, davon er unterschiedene aus des Paracelstund solcher leuthe schriften genommen. Wie denn viele, alsJohann Arnd , Johann Gerhard , Justus Feurborn, Johann Himmel , Nicolaus Hunnius , und andere, solche in besondernschriften widerlegt haben. Jedoch ist nicht zu läugnen, daßman m seinen schriflen nicht alles vor seine arbeit annehmenkönne, indem der Cantor zu Tschopau, nahmens Weickert,nach seinem tobe verschiedene heraus gegeben, und darinn vielaus seinem eigenen gehst» mit eingeflicket. Gleichwie aber Wei-gelius selbsien in seinen schriften nicht allezeit den nahmen be-halten, sondern bisweilen den nahmen Udalrici WegweisersUtopiensis angenommen, also hat sich auch einer von seinen edl-tvren unter dem nahmenHuldreich Meiersbach von Regenbrunnversteckt. Unter den gedachten schriften aber sind folgende:Kirchen- oder Hans - Postill; von der Gelassenheit; von demOrt der Welt; Dialoges de Christianismo ; der güldene Griff;Weg und Weise alle Dinge zu erkennen; 8tud,urn universale ;Anderer Theil Nosce teipsum ; Dritter Theil Nosce teipsum ;de bono & malo Homine; von dem Leben Christi, und vonden falschen Propheten in der Kirche; Änleitiing zur TeutschenTheologie; 8cholasterium Christianum ; von dem himmlischenJerusalem ; von Betrachtung des Lebens Christi; Auslegungüber Paul Lautensacks Offenbarung JEsu Christi ; Eibellus di-iputatorius; Mole Tabernaculum cum fuis tribus Partibus;Tracfatus de Opere mirabili, Arcanum omnium Arcanorum ;Glaudens-Bekänntnis; von dem Gebäte; de Vita beata in fum-mo Bono quarenda ; Libellus de Vita teterna ; Unterricht, wel-cher gestalt man durch drey Mittel den schmalen Weg zu Christosich kan führen lassen. Lolbergs Hermet. Plakon. Christenth.Caroli memorab. saec.XVil. Üb. 1 . c.xi. p. 40. Tltn. ketz. hist. if.

*N)eihenmayer, (Ioh. Henrieus ) ein Lutherischer Pre.diger, war zu Ulm , dahin sich sein vatter und groß - vatter umder Lutherischen religion willen mit zurücklassung ihres vermö.gens von Lauingen begeben hatte, den 4. aug. an. 1637. geboh.ren. Nachdem er in den studien einen sattsamen gründ auf demdasigen Gymnasio geleget, zog er an.;;. nach Jena , undnahm allda an. 16;?. den titul eines Magistri an. Im folgen-den jähre aber kehrte er wegen schwacher leibes - constitution insein vatterland zurück, und that sich allda so wohl Herfür, daßihm bey erfolqter schwachheit Jac. Honoldi die theologischeProfession an dessen stelle zu versehen befohlen wurde. Nachdiesem ward er an. 1662. Diaconus in dem Ulmischen stadtgenLeipheim , fünf jähre darauf aber zu Langenau , und ferner an.l6Zl. Pastor zu Altheim, von bannen er an. 1687. wieder indie stadt gezogen, und zum Prediger in dem dasigen Münster bestellet wurde. Er war in seinem amle so fleißig, daß er einstin 14. jähren ;ooo. mal geprediget, und starb den 29. may an.1706. Er hinterließ sehr viele erbauliche schriften, unter wel.chen die vornehmste: Biblischer Kern - und Spruch - Cakechis«mus; Geistliche Fest - posaune; Evangelische Pfarr- und Kir,chen-Postill; Prophetischer Büß-und Gnaden-Prediger; Da,vidische Schatz-Cammer; Epistolische Pfarr- und Kirchcn-Po-stiü; Paßions - Predigten; rc. Von seinen söhnen ist EliaSWeihenmayer Rector und Professor Gr. & Hebr. Linguarum andem Ulmischen Gymnafio geworden, der noch an. 1732. am le-ben gewesen. Ptpping. memor. Theol. in append. Strpiiiepitaphia Theol. Suevor. pag. 80.

tOetl oder wie!, die stadt, zum unterschied eines in demWürtembergischen gelegenen dorfs, ist eine ReichS - stadt inSchwaben an dem flusse Wyrms, zwischen Tübingen undPfortzheim. Sie ist nach alter art mit mauern und grabenumgeben, und von dem Kayser Friedrich II. zu einet stadt ge.macht worden. Die kirche zu St. Peter ist maßiv gcbauet,und die religion Catholisch. Es ist auch ein Eremiten - klosterdaselbst, welches an. -4;--. drey brüder von Stein gestiftet.An. 1388. ist nicht weit von diessl» stadt die bekannte schlechtzwischen den städten und Graf Eberharden von Würtemderggefihehen, darinn Graf Ulrich, Eberhards söhn, und die Gra-fen von Zollern, Löwenstein und Werdenberq nebst einer gros-sen menge von Adel geblieben. Zum andencke» dieses von denstädten erhaltenen siegs werden die nahmen derer, so die Weilerdabey eingedüsset haben < noch alle jähr von der cantzel verlesen.An. 1648. haben die Französische garnisonen von Philipps,bürg, Worms und Heilbronn schon nach geschlossenem, abernoch nicht publicirten frieden, den ort beschossen, mit stürmerobert, und fast alles darinn niedergehauen. Sonsten triftQ q q g 4 . mau