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Drey Predigten bey Gelegenheit einer für die Verunglückten des Kantons Waldstätten gesammelten Collekte gehalten : Zum Vortheile der verunglückten Helvetier dem Drucke überlassen / von Abel Theodor Wilhelm Mäder, Pfarrer an der Stephanskirche zu Mühlhausen
Entstehung
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I»

ES begreift wohl gleich auch jeder, daß die eigent-liche Mcnschengüte, daß die wahre Tugend nicht alleindarinn bestehen kann, sich ungerechter, böser Thaten zuenthalten. Nein, der ist auf keine Weise noch einguter, tugendhafter Mensch, der zwar in der Weltnichts Böses, aber übrigens nur ungern, selten, oderniemals Gutes thut; "wer da weis Gutes zu thun,"und thut es nicht, dem ist es Sünde." 6) Alleines ist und bleibt deßwegen dennoch wahr, daß unsreTugcud allen Werth verkehrt, und mehr noch, daßwir schwerlich völlig gute Menschen werden können,so lange wir noch unlöbliche Neigungen hegen, so langeuns noch arge Gewohnheiten anhängen. Der Geitzige,der Selbstsüchtige wird niemals ein Wohlthäter derArmen; der ungerechte Partheyische versäumt das Gutemeistens an dem reckten Orte, und verschwendet allzu-oft nur seine Wohlthaten an die unwürdigsten Men,sehen; der Uebermüthige und Herrschsüchtige fühlt sicherkein Mitleid mit schwachen Bedrängten, hat nie einernstliches Verlangen den Gedrückten zu beschützen,den Verfolgten zu erretten, und wirkt zuverläßig nichtzum Beßten der Menschheit, zum Wohl seines Landes;den Lasterhaften überhaupt macht sein verwöhntes Herzzu guten Thaten ungeneigt, es macht ihn wenigstensgewis zu dauerhaftem und sich immer gleichem Fleißein dem Guten völlig ungeschickt. Wahr uud richtig istdenn in dieser Hinsicht allerdings, daß man dann nurgut seyn 'kann, nur dann zu guten Thaten fähig wird,wenn man nicht durch lasterhafte Neigungen verdorben,wenn man nicht an das Böse gewöhnt ist.

Sag dich denn, vor allem, los vom Bösen, lieberMensch! Wähne aber dabey nicht blos darum schon

a) ^llcob, iv. ><-.