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Von der furchtbaren Pariserbluthochzeit (Bartholomäusnacht) nachBern gelangte, war man tief ergriffen. Ergrimmt ob der Greuel-that, traf man Rüstungen und für die emigrirten Hugenottenwurde eine reiche Steuer gesammelt. Was man konnte, thatman für die armen französischen Glaubensgenossen. ColignysKinder fanden in Bern liebevolle Aufnahme. Als jetzt der„Schweizerkönig" Ludwig Pfyffer den Katholiken wieder Truppenzuführte, ließen sich die Berner nicht abhalten, dem Prinzen vonConds, dem Hugenotten, beizustehen. Darob verschärften sich diealten Gegensätze von neuem.
Der Herzog von Savoyen erwies der Stadt Genf wiederdie alte Feindschaft, ja die katholischen Orte verbanden sich mitihm und ließen ihm Truppen zuziehen. Um diese Zeit, 1579,bereiste der Bischof von Bercelli als päpstlicher Legat die Schweiz,um die Kirchen zu untersuchen. Ohne um Geleit gefragt zuhaben, kam er mit seinem Gefolge durch Bern. Da widerfuhrihm manches Mißgeschick. Zuerst ward er als ein Feind derevangelischen Städte verhaftet und als man ihn wieder frei ließ,versäumte man nicht, ihm gute Räthe mitzugeben. Bei seinerAbreise war ein Zusammenlauf entstanden und die Jugend be-lustigte sich, ihn als Zielscheibe ihrer Schneebällen zu nehmen!Die katholischen Orte waren aufs höchste entrüstet. Aber auchsonst war die Stimmung gereizt. Als der Papst Gregor XIII.1582 die Kalenderreform einführte, wollten die Protestanten undReformirten sie nicht annehmen, weil sie von den Katholikenausgieng. Erst im Jahre 1700 nahmen sie sie an.
Die Katholiken waren von besonderer Rührigkeit und nament-lich ein Mann wußte die Urschweiz an Rom zu fesseln, der Car-dinal Carl Borromeo, der die Aufnahme der Jesuiten in derSchweiz förderte und 1586 in Luzern die päpstliche Nuntiaturbegründete. Ein anderes Werk noch gelang ihm: Der Abschlußdes Bundes der katholischen Orte für die Aufrechterhaltung desalten Glaubens. Dieser sogenannte goldene oder borromeische