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900 Mann. Sie konnten nicht den Weg einschlagen, der sie amschnellsten nach Bünden geführt hätte — die Luzerner undSchwyzer gewährten den Dnrchpaß nicht. So mußte der Umwegdurch den Thurgau gemacht werden. Im August erreichten siedas Veltlin, wo sich noch ein bündnerisches Regiment mit ihnenvereinigte. Am 1. September ging der Marsch nach Tirano.Der Weg führte durch unebenes Terrain, Rebgelände mit vielemMauerwerk. Die Berner marschirten an diesem Tage voran.Sie versäumten es aber, Ausspäher vorauszuschicken. Plötzlichwurden sie von Musketenschüssen empfangen und spanische Ka-vallerie drang auf sie ein. Nichts half aller Widerstand, alleTapferkeit. Ihre Stellung war zu ungünstig. Die Zürcher undBündner hatte man vergeblich gemahnt, schneller vorzurücken.So wurden die Berner ganz geschlagen. Ihre Führer alle, mitAusnahme Binders, erlitten den Tod. Die grausamen Feindekonnten sich nicht enthalten, die Leiche des Obersten, der ihrer soviele erschlagen, zu entehren und das Herz herauszureißen.
Als die Zürcher eintrafen, war es zu spät. Die Niederlagewar so groß, daß das Beltlin von den reformirten Schweizerngeräumt, dann von den Graubündnern an die Spanier abge-treten werden mußte. Auch eine Erhebung der Engadiner halfnichts, im Gegentheil sie führte die Besetzung Graubündensdurch die Österreicher herbei.
Es war die Zeit, da in Frankreich der Cardinal Richelieuam Hofe allmächtigen Einfluß gewann, der Erbfeind Spanien-Oesterreichs. Ueberall zu Wasser und zu Lande bekämpfte erdiese verbündeten Mächte. Auch in Graubünden sollte es ge-schehen. Ein französisches Heer marschirte nach dem Veltlin.Zürich, Bern und Wallis ließen jedes tausend Mann zu ihmstoßen. Die Berner befehligte Niklaus von Diesbach. Die feindlicheBesatzung mußte das Land räumen. Aber der Friede zog nochnicht ein. Der Erbfolgestreit um Mantua brachte den Bündnernneue Gefahren und neues Unglück. Zuerst fielen die Oester-