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„Du kannst mir schon vertrauen, daß es gut bei mir auf-gehoben ist. Was meinst Du denn, Eduard?"
„Etwas, was Du nicht für mich, sondern für Dich aufhebensollst. Du wirst es, wenn ich fort bin, in dem geheimen Schubfachdes kleinen Elfenbcinschrünkchens finden, in meinem Zimmer,- eheich fortgehe, will ich Dir den Schlüssel dazu geben."
„Aber Eduard!" rief das Mägdlein, vor Erregung rot werdend,„ich habe ja gesehen, wie Du heut früh, als ich Dir einpacken half,Deines Vaters Uhr in dies Schubfach gethan und zugeschlossen hast!"
„Was Du doch für scharfe Augen hast, Gencviöve! Dir kannniemand etwas vormachen. Ich wollte nicht, daß Du es erführst,ehe ich fortging; doch es macht nichts aus; diese Uhr also gehörtDir. Es ist das einzige, was sich Dir zu schenken verlohnt, daseinzige, was ich mein nennen darf, das einzige fast, was ich nichtvon Deinen Eltern geschenkt erhalten habe. Darum mußt Du esals Andenken annehmen, sonst bin ich bös und reite morgen ganzverstimmt und traurig fort."
„Die Mutter wird's aber nicht erlauben, daß ich sie annehme.Weißt Du nicht, wie bekümmert sie war, als Du ihr den schönenRing gabst, mit dem Rubin darauf, zu ihrem Geburtstage, obwohlsie erst später erfuhr, daß Du Deine eigne goldene Uhrkctte verkaufthattest, um das Geld zu dem Ring zu erlangen. Dazu solltest Dudiese Uhr überhaupt nicht fortschenken, Eduard, an niemand; hatsie doch Deinem Bater gehört! Du hast ja wohl sonst gar nichtsmehr, was von ihm herrührt?"
„Doch, ich habe noch etwas, Schwesterchen, was noch wert-voller ist als die Uhr. Und ich denke, unsre Mutter wird mirdiesmal schon den Willen lassen, da ich fortgehe."
„Ich weiß nicht. . . Ach, Eduard, wenn Du doch — hier-blicbest!"
„Aber, liebes Schwcstcrlcin, das hängt ja gar nicht von mirab. Wenn ich jetzt fußfällig sogar Deinen Vater bäte, er ließemich nicht hier. Er sagt, es sei meine Pflicht, jetzt zu meinemOnkel zu gehen, da er mich haben will."
„Wie gern der Vater doch das Wort .,Pflicht" gebraucht!"
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