Zweites Kapitel.
Drei Jahre später.
jeder spiegelt sich in den Wassern der Seine, die das Schloßnnd die Insel von Clendon umrahmen, die rosige Glnteines Jnnisonnennntergangs. Aber kein Boot gleitet den Stromhinunter, keine jugendfrischen Stimmen beleben die abenddümmerige,stille Landschast. Gar traurig anders ist es inzwischen dort ge-worden. Die zum Flusse hinunterführende Treppe sieht vernach-lässigt nnd verödet aus; zwischen den Ritzen nnd Fugen der Steinesproßt Gras empor, während die einst so sorgsam gepflegte undnoch immer mit viel bunten Svmmerblnmen geschmückte Terrassesichtlich verfallen und in Unordnung geraten ist. Auch im Schlosseselbst schaut es sehr anders aus. Das war wohl die natürlicheFolge des vor beinahe zwei Jahren eingetretenen Ereignisses, dasMadame Montares zur Witwe nnd Gcneviövc zur Waise machte.
Diese beiden saßen heute bei einander in einem geräumigen,doch dürftig ausmöblierten Zimmer, dessen Wände verblicheneTapeten bedeckten, und dessen auf den Fluß hinausgehende Fensterschmal und trübe waren. Madame Montöres ruhte auf einemLehnstnhl, Genevsiwe auf einem Schemel ihr zu Füßen. Diesedrei Jahre hatten das liebliche Kind zu einer gar schönen Maidgemacht. Damals „reifte die Jugend rasch heran, und zeitig um-schattet' das Alter die Bahn." Genevsi-ve stand mit fünfzehnJahren bereits, wie Wordworth sagt:
„Wo Bach und Strom sich mischt, zur Flut sich eint,
Das Mägdlein vor dem Weib scheu zu erbeben scheint."
ja, man hätte sagen können, sie habe bereits diese Schwelle über-schritten. Doch in den großen, veilchenblauen Augen lag noch die