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Geneviève, oder, Die Kinder von Port Royal : eine Geschichte aus dem Frankreich vergangener Tage / von D. Alcock ; übersetzt von Elisabeth Klee
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Dich kaum Deines Großvaters noch erinnern; doch soviel weißt Du,daß er sehr reich war, als Sohn eines sehr begüterten Großbürgcrsvon Rouen, und durch Kauf, wie ich glaube, erhielt er den ein-träglichen Posten eines obersten Pachthcrrn, dem verschiedene Stcner-gebühren zugehörcn, in der Normandie. Natürlich wünschte er, daßdies auf seinen Sohn übertragen würde und zwar nicht bloß, damitdieser das enorme Vermögen beerbe, sondern es auch noch vermehre.Doch wäre dies schon ohnehin der Sitte gemäß geschehen, fallsdem König einige entsprechende Abgaben geleistet worden wären.Dein Vater hatte aber andre Anschauungen vom Leben. Ermeinte, es gäbe noch viele andre Dinge, die mehr Wert besäßen,als Silber und Gold."

Wollte er etwa znm geistlichen Stande übergehen, Mutter?"

Das nicht, mein Kind! Es ist wunderbar, daß er, demWahrheit und Herzensgüte mehr galt, als sein Leben, doch nurwenig, wenn überhaupt, Liebe für den Glauben hegte, der dochdie Wurzel alles Guten ist, und für die Kirche, welche die vonGott gesetzte Hüterin aller Wahrheit ist."

Aber Mütterchen, Du sprichst doch nur von seiner Jugendzeit?Später hat Gott ihm doch gewiß Seine Gnade noch offenbart?"

Ich rede von seiner Jugend," erwiderte die Mutter unddies mit einer gewissen Gezwungenheit.Ohne Zweifel kommtchicrbei etwas auf Rechnung des Einflusses, den sein hugenottischerFreund, Eduards Vater, auf ihn übte, da er diesem ganz leiden-schaftlich zugethan war. Nicht, daß er je zum Protestantismussich geneigt gezeigt hätte, sondern er wurde vielmehr gegen alleGlanbcussacheu gleichgültig. Ihm schien Religion als. Kindermilchzu gelten, oder doch als etwas, was für Frauen und Kinder gutgenug sei, für starke Männer aber keine rechte kraftgebende Speisesei. Doch erfuhr ich, daß sein Freund, der junge Marquis vonSercourt, ganz anders gesonnen und seinem Glauben mit großemEifer zugethan war, so daß er um desscntwillen alles daran gab."

Wie ging denn das zu, Mutter?"

Als zuerst der Hugenottenkrieg, der doch mit der Einnahmevon Rochelle endete, ausbrach, warf sich der junge Sercourt sozu-sagen mit Leib und Seele in die Sache. Unglücklicherweise war