offen darüber ausgesprochen haben würden. Noch weniger kames ihr in den Sinn, daß sie schon selber eine halbe Protestantinsei; den Gedanken würde sie mit Abscheu von sich gewiesen haben,da sie, gleich ihren Lehrern, die Gemeinschaft mit der Kirche Romsfür absolut notwendig zur Seligkeit hielten. Diese Anschauungvertiefte natürlich nur ihren Kummer um Eduard, für dessen Be-kehrung sie nicht verfehlte, die treusten, brünstigsten Gebete genHimmel zu senden.
Als eine liebend ergebene Gattin und Mutter sah sie sichgerade deshalb als tiefcrstehcnd, denn eine der allergeringsten ihrerklösterlichen Erzieherinnen an; denn hatte sie nicht das minder guteTeil, das „Leben in der Welt", erwählt, und gehörte sie nicht zudieser? Sie war im Asketentnm anferzogen, wohl in einem vonedlem, lauterem, aber zugleich von strengem und beschränktem Ge-präge. In der Praxis hatte dies natürlich notwendigerweise durchdie Pflichten, Interessen und Sorgen ihrer Stellung seine Be-schränkung erfahren. Gar treulich hatte sie ihre Pflichten sonderlichan ihrem Gatten erfüllt, ihm als wahre Stütze und Gehilfin sichbewährt, als anspruchslose Verwalterin seines immer geringerwerdenden Besitztums und als unermüdliche Pflegerin in seinerlangen, prüfungsvollen Leidenszeit. Ihr kam dabei die Erziehung,die sie in Port Royal empfing, trefflich zu statten, denn dort warHerz und Kopf in gleich guter Schule gewesen und den An-forderungen des häuslichen Lebens in gründlicher Ausbildung Ge-nüge geschehen. Man hielt dort daran fest, daß eine Frau Kleiderzu machen verstehen müsse für die Armen, auch bei Mehl- undKvrnkastcn, zur Verteilung an diese, sowie bei Krankenbetten undVerwundungen Bescheid wissen müsse, und daß ihr dabei dieKenntnis der lateinischen Sprache und der Logik nicht nur nichtschaden, sondern Nutzen bringen würde.
Tapfer und treu, ja weise hatte Madame de Montöres sichbis jetzt unter den verschiedenen Prüfungen ihres Lebens zu be-haupten gewußt. Doch als nun der letzte Schlag sie traf, ihrSchloß ihnen entrissen ward, da schien ihre Geistesgegenwart undpraktische Weisheit sie im Stich zu lassen, obwohl ihr Glaube undVertrauen davon völlig unberührt blieben. Sie fand sich in