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Schwierigkeiten verwickelt, die sie nicht vorausgesehen hatte undnicht verstand. Ihr war das Ohne-Heim-scin etwa wie Ohne-Körper-sein. Keine frühere Erfahrung stand ihr hier zur Seite;weder ihr natürlicher guter Verstand oder ihre gute Erziehung,noch die Gewohnheiten ihres bisherigen Lebens vermochten sie hierzu stützen. Lauter hohe Berge türmten sich vor ihr auf. Für ihreGeneviöve mußte gesorgt werden, und doch blieben ihr, nach Ver-kauf von allem, was ihnen gehörte, nur wenige Kronen, dieReisekosten abgerechnet, für die sie den Händen ihres Geschüfts-vcrwalters, Herrn Avordun, bereits ein Sümmchen abgeliefert.Diese Reise war sodann auch eine ganz furchtbare Sache, wiewohljener für dieselbe zu sorgen und passende Begleitung zu schaffenversprochen hatte. In dem ungewohnten Gefühl der Schwäche undHilflosigkeit, die aus diesem Herausreißen aus allen bisherigenLebeusbedingungen erwuchs, war die an sich so selbständige Frauganz geneigt, sich auf andre zu verlassen und zu lehnen. Wenn ersteinmal in Paris, dann hoffte sie auf die Hilfe Eduards rechnenzu können, und in noch weit größerem Maßstabe auf die Freund-schaft und Sympathie der Schwestern zu Port Noyal de Paris,das eine Zweigaustalt und ebenso reguliert war, wie Port Royalde Champs. Sie besaß keine nahen Verwandten, und auch vonihres Mannes Seite gab es keine, denen sie Gcnevieve anzuvertrauensich getraute, und was ein bedeutendes Gewicht in die Wagschaleihrer Sorgen warf, sie fühlte, daß es mit ihrer Gesundheit raschbergab ging.
Eine Reise war damals in Frankreich etwas keineswegs Leichtesund auch durchaus nichts Sicheres. Noch hatte das Land sich nichtvon den Folgen des Frondekriegs erholt, und viele der Heerstraßenwurden von Räuberbanden heimgesucht. Daher traf es sich glücklichfür Madame Moutöres und ihre Tochter, daß sie fast den ganzenWeg zu Wasser zurückzulegen vermochten. In Vernvn brachte sieHerr Avordun au Bord eines der damals die Seine befahrcndenBoote, und so gelangten sie, obwohl mit mancherlei Unbehagen,doch ganz wohlbehalten und unangefochten in die große WeltstadtParis. Als sie sich aber auf dem Quai des Augnstins, nahe vonPont Neuf, so einsam dastehen sahen, überkam sie eine unsägliche