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Geneviève, oder, Die Kinder von Port Royal : eine Geschichte aus dem Frankreich vergangener Tage / von D. Alcock ; übersetzt von Elisabeth Klee
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zu absentiere», was indes ziemlich langhin sich ausdehnen konnte,da Ludwig der Rache sehr geneigt war; seine Höflinge fürchtetensich vor seinem Stirnrnnzeln und hatten auch alle Ursache dazu.Man konnte in Wahrheit das Wort auf ihn anwenden,daß seineUngnade gleich war dem Brüllen eines jungen Löwen, aber seineGnade wie Tau auf dem Grase." (Sprüche 19, 12.)

So kam es, daß zwei, scheinbar weit genug aus ihrer Sphäreliegende Ereignisse des öffentlichen Lebens, die Verfolgung vonPort Noyal und der Fall eines Fouqnet, die Pläne und Hoff-nungen der bekümmerten Mutter und ihrer Tochter vernichteten,so daß sie sich gleichsam wie zwei Schiffbrüchige vorkamen, dieauf dem höchst unwirtlichen Gestade der großen, fühllosen Welt vonParis gestrandet waren.

Was sie zu thun hatten, welche Schritte sie ergreifen mußten,war ihnen unbekannt. Zu ihrem stillen Landleben zurückzukehren,gebrach es ihnen an Mitteln; auch besaßen sie ja kein Heim mehrdort. So blieben sie, wo sie waren, von Tag zu Tag, von Wochezn Woche. Vielleicht hoffte Madame Montörcs, es würde ihr nochgelingen, eine der aus Port Royal vertriebenen Damen zn finden,oder eine Antwort auf ihren an Eduard nach dem Schloß in derAnvergne gesandten Brief zu erhalten. Doch wußte Genevwve indieser Zeit nicht so recht, was ihre Mutter eigentlich hoffte undwollte, da sie sich für gewöhnlich schweigsam verhielt und, obwohlliebreich und gut zn ihr wie sonst, doch einen Mangel au That-kraft und geistiger Frische verriet, der das Herz der Tochter mitunbestimmter banger Sorge erfüllte.

Endlich kam ein trüber, kalter Novembertag heran. Von frühan war der Himmel grau umwölkt, und ein leichter Nebel sankals leiser Regen hernieder, während noch das Mvrgcnlicht sichmühte, durch das düstere Fenster des Stübchens einzudringen, darinMutter und Tochter ihr Asyl gefunden. Madame Montöres hattesich erhoben und angekleidet und bewegte sich geräuschlos umher,während Gencviöve noch in süßem Schlummer lag auf dem fürsie beide bestimmten Bett. Doch jetzt rührte sie sich und blickteauf:Mütterchen, Du bist schon angezogen? O, warum hast Dumich nicht gerufen?"