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samste Strafen, sich mit gewöhnlichen Verbrechern oft verbindend,sich nicht scheuten, desperate Räuber, selbst Mörder zu werden,der Grans der Gesellschaft. Herr von Scrconrt verwehrte ihnendies natürlich; es gab böse Worte, Schläge; ein Kampf folgte,von dem freilich der arme Junge, der Page, wenig mehr wußte,als daß ein Niese von einem Kerl den unglücklichen Serconrt zuBoden warf und ihn eben mit seinem Gurt erdrosseln wollte, alsScrconrt sich aufraffte, ihm zurufend: „Henri, lauf' was Du kannst,und berichte dem Herzog, was geschehen ist!"" Der Junge that'sund kam mehr tot als lebend bei uns im Schlosse an. Einigesagen, er Hütte lieber bei seinem Herrn bleiben und mit ihm sterbensollen. Doch weshalb? Er ist doch noch ein halbes Kind, unddas Leben ist so süß."
Madame Montöres entging kein Wort der schrecklichen Ge-schichte. Doch, so seltsam es klingen mag, sie wurde nicht allzusehrdavon betroffen; ihr schieu's, als vernähme sie etwas, was schonvor sehr, sehr langer Zeit geschehen war. Ihr Gemüt hatte genugFassungskraft, um ruhig alle Umstünde bei dieser Sache in Erwägungzu ziehen, deshalb auch Zweifel, Einwände, ja Hoffnungen auf-kommen zu lassen.
„Es erscheint mir," sagte sie mit schwacher, veränderter Stimme,die sich indes kräftigte, während sie redete, „als wäre der Herzogdoch allzuschnell damit gewesen, alle Hoffnung fahren zu lassen.Diese „Fanx sauniers" (so nannte man jene Stcuerverweigerer)würden Eduards Leben Wohl schonen, wenn ihnen ein beträchtlichesLösegeld oder doch Pardon zugesichert würde."
Verwundert blickte sie Herr von Hondidöt an; eine unbestimmteBesorgnis überkam ihn. Ihm schien es, als hätten ihre Augenso einen sonderbaren Ausdruck; auch gefiel ihm ihre Gesichtsfarbenicht. Doch waren ihre Worte so ruhig und verständig, daß ernicht glauben konnte, es stände wirklich bedenklich mit ihr. So ant-wortete er nur:
„Ach, Madame, wenn das zu erwarten gewesen wäre, sohätten wir das sicher bereits ermittelt. Herr von Serconrt würdeuns dann schon irgend eine Botschaft, ein Lebenszeichen zuzusendenermöglicht haben; doch, diese Schurken haben ihm sicher keine