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Aiivertrauten, und die Folge davon war, dass beidesich entfremdeten“. Mit diesen Worten schildert einkatholischer Schriftsteller (Ratzinger) den Zustand und dieMängel der Armenpflege in den Zeiten vor der Refor-mation. Wie traurig es um die Armenpflege der Klösterbestellt war, haben wir ebenfalls schon angedeutet.Auf jeden Fall ist es durchaus unrichtig, wenn mandie Zunahme der Armenlast zur Reformationszeit ge-radezu auf die Aufhebung der Klöster zurückführenwill 1 ). Wie wir nachgewiesen haben, muss die Er-klärung vielmehr in der gesamten wirtschaftlichenEntwicklung gesucht werden 2 ). Wenn auch nicht zuleugnen ist, dass durch diese Aufhebung einzelne Yer-sorgungsquellen der Armut versiegten, so muss aufder andern Seite auch darauf hingewiesen werden,dass die ungeregelte Wohlthätigkeit in hohem Massedas Landstreicher- und Yagantenwesen befördert hatte.(Yergleiche: Ratzinger, 1. Auflage, 306 ff.)
Schon vor der definitiven Einführung der Refor-mation, am 28. Juli 1527, wurden alle im heimischenGebiete liegenden Klöster und geistlichen Stifter be-vogtet, und zwar, wie durch abgeordnete Ratsbotendem Landvolk mitgeteilt wurde, aus folgenden Gründen:
') Sogar Stettier in seiner Staats- und Rechtsgeschichte S. 121geht noch von dieser Ansicht aus.
2 ) In England hatte allerdings die Aufhebung der Klöstersehr unheilvolle Folgen, hauptsächlich weil dort die Güter ver-schleudert wurden, was bei uns aber nicht der Fall war. DieBauern, welche Güter von Klöstern zu Lehen hatten, blieben nachder Säkularisation in der ganz gleichen Stellung. Nur hatten sieihre Abgaben an den Staat, wie vorher an die Klöster zu entrich-ten. Diejenigen, welche einen Teil ihrer Abgaben in Geld entrich-teten, hatten einen grossen Vorteil von dem Sinken des Geldwerts.Die Zinse blieben jahrzehntelang nominell die gleichen, in Wirk-lichkeit wurde aber die geleistete Entschädigung proportional mitdem Sinken des Geldwerts geringer.