Buch 
Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
Entstehung
Seite
31
JPEG-Download
 

31

Einmal des ärgerlichen, unordentlichen und üppigenLebenswandels und der unnützen Verschwendunghalber, ferner deshalb, weil etliche Gotteshäuser denjährlichen Überschuss in fremde Lande schicken,dadurch eine arme Gemeind in Mangel kommt, undihr in anliegenden Nöten, bei Krieg oder Teurung oderandern Gelegenheiten nicht mag geholfen werden.Bei einer derartigen Sachlage hatte die Armenpflegegewiss durch die Klosteraufhebung nicht viel zu ver-lieren ! Zudem widmete die Regierung auch nach er-folgter Säkularisation einen beträchtlichen Teil desKlostergutes den Armen und Kranken, indem sie Spen-den, Almosen, Mushafen und Krankenhäuser stifteteoder mit den notwendigen Mitteln ausstattete. Dreider bedeutendsten von den früheren Gotteshäusern be-hielten ihre klösterliche Einrichtung. Dort wurdenämlich eine gleich grosse (später dann bedeutendgrössere) Zahl von Pfründer- oder Versorgungsstellendürftiger Personen, als früher Klostergeistliche gewesenwaren, errichtet, die Fortsetzung der Spendausteilungin der Umgegend angeordnet und zu Frienisberg undInterlaken noch die Errichtung eines Spitals damitverbunden. Auch in St. Johannsen, Gottstatt, Frau-brunnen und Münchenbuchsee wurden regelmässig anbestimmten Tagen der Woche Spenden ausgeteilt 1 ).Wie Stettier (historische und rechtliche Darstellungder von ehemaligen Klöstern herrührenden Spendver-hältnisse) sagt, rühren wahrscheinlich auch die mei-sten der bis in unser Jahrhundert hinein in den

*) Dekan Zehender berichtet in seiner bernischen Kirchen-geschichte (Manuskr. im St.- Archiv), dass ausserdem noch einegrosse Zahl von sogenannten äusseren Pfründen errichtet und inallen ehemaligen Klöstern wöchentlich eine grosse Menge Getrei-des verbacken wurde für reisende und einheimische Arme.