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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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Frücht, als Baub, Mord, Diebstal und Brand, Ueppig-keiten und Anderes mehr, was schwere Strafen Gottesnach sich ziehe.

In einem anderen Passus wird bemerkt, bei dieserwohlfeilen Zeit habe der Bettelstand so sehr zuge-nommen, dass man sich desselben bei den Häusernund auf den Gassen und Strassen kaum mehr er-wehren könne. Bei den meisten dieser Leute sei dasAlmosen übel angewendet, und man müsse mit Be-dauern sehen, dass sie esden Kellerhälsen und Wyn-liüseren zubringen, in welichen nit ohne Ergornussteglich sitzen und nisten vil unnütze Hushaltor, lieder-liche Bolz und volle Tropfen, so dasjenige, welcheszu ihr und der Ihrigen Unterhalt dienen sollte, durchden Hals hinrichten und ein solch epicureisch, viechischund grüwlich Wesen und Leben üben und tribcn, alswann sie kein Erkanntnuss Gottes betten und mitverhengtem Zaum der Höllen zufahren wellten!

Auch in einer andern Verordnung wird geklagt,dass us Missbruch der edelen Gab Gottes, des Wyns,ein merklich Unwäsen und grosä Ergernuss entstandenund das Laster der Trunkenheit gar in Schwang gaht,auch je mehr und mehr zunimmt by Jungen undAlten, sonderlich dass die Landlüt, nit minder dieTauner und auch Bättler, durch die Wuclien, vorusaber an Zins- und Samstagen, ja ungesclnicht auchan Sonntagen, beide, Manns- und Wybspersonen ohnUndersclieid sich allhie in der Stadt vollsufend, dasssie oft weder gan noch stan könnend etc. und dannböses Ärgernis erregen.

Andere Zeugnisse lassen freilich darauf schliessen,dass die Stadtburgerschaft iu dieser Beziehung kaumbesser war als das Landvolk.