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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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Wir haben oben schon angedeutet, dass auch diewohlthätigen Anstalten der Stadt eine neue Organi-sation erhielten. Für die eigentliche Armenpflege wa-ren hier, wie im vorigen Abschnitt nachgewiesen wurde,nach der Reformation der Mushafen, der obere undder untere Spital bestimmt worden.

Dem Mushafen wurde aber die Spendausteilungan die Armen nach und nach abgenommen und dieStiftung mehr und mehr zu Gunsten der Schüler oderStudenten verwendet. Im Jahre 1632 wurde ver- ,ordnet, die alten Weiber sollen nichts mehr aus demMushafen bekommen, sondern derselbe soll für die'Studierenden Vorbehalten sein.

Die Studenten und Schüler bezogen ihre Unter-stützungen noch bis gegen Ende des 18. Jahrhundertsin Natura: Erbs- und Gerstenmus, Brot, Fleisch undspäter auch Kleider. Da aber viele Studenten ihreRechte auf die Lebensmittel verkauften, fand es derRat im Jahre 1776 für angezeigt, in Zukunft Stipen-dien in Geld auszurichten.

Der untere Spital blieb, wie im 16. Jahrhundert,wesentlich Pfründeranstalt. Der obere Spital dagegenwar hauptsächlich für Verpflegung und Beherbergungvon armen Durchreisenden und Austeilung von Al-mosen bestimmt. Pfründer wurden hier seit 1592 keinemehr aufgenommen. In der Verwaltung beider An-stalten hatten sich aber, wie Messmer in seiner Arbeitüber den Burgerspital (S. 68 ff.) anführt, eine Reihevon Missbräuchen eingeschlichen.Auf der einen Seitemochten die Obervögte nach und nach einen allzugrossen Einfluss und Gewalt in der Leitung der ihnenübergebenen Anstalten an sich gezogen, und auf derandern Seite, sowohl für sich selbst als für ihre Unter-beamten und Angestellten, eine Reihe von Genüssen,