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ergebnisse waren im ganzen günstige; die Teurungenund Hungersjahre folgten sich seltener als in früherenJahrhunderten, doch herrschte zu Anfang der siebzigerJahre eine so schreckliche Not, dass der Hunger unddie Krankheiten, welche die Folge des Mangels waren,30—40,000 Menschen, also ungefähr den zehnten Teilder Bevölkerung des Kantons, hinweggerafft habensollen 1 ). Im Durchschnitt standen im 18. Jahrhundertdie Getreidepreise, wenn man dieselben in heutigenGeldwert umrechnet, um mehr als einen Yiertelniedriger als im siebzehnten.
Das Schlachtvieh fand sehr guten Absatz nichtnur im Lande selbst, sondern auch in den Nachbar-staaten. Die Pferdezucht, welche besonders im Emmen-thal und Simmenthal blühte, brachte ebenfalls be-deutende Summen ein, ebenso der "Verkauf der Milch-produkte, für welche immer höhere Preise erzielt wurden.
Da sich diese Produkte so günstig verwertenHessen, wird es uns keineswegs verwundern, dass derGetreidebau in einzelnen Landesteilen merklich zurück-ging und immer mehr Land in Wiesen und Weidenumgewandelt wurde. Durch die Graswirtschaft Hesssich ehen eine viel höhere Rendite erzielen. DerBauer brauchte weniger Arbeitskräfte, was ihm umso willkommener war, als die Löhne in einigen Gegendeninfolge der Abwesenheit vieler junger Leute in fremdemKriegsdienst bedeutend gestiegen waren. Der Land-wirt, der nicht selbst in grösserem Massstabe Viehzuchtoder Milchwirtschaft trieb, fand für sein Heu einen
Beschreibung der Stadt und Republik Bern, herausgegeben vonHeinzmann, der V. Band von Tilliers Geschichte des eidgenössischenFreistaates Bern, verschiedene Reiseberichte aus jener Zeit etc.zu vergleichen. Ein sehr reichhaltiges handschriftliches Materialbefindet sich auf der Bibliothek der ökonomischen Gesellschaft.
') Norrmann, Bd. I, 425.