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leichten und lohnenden Absatz durch Verkauf an dieKüher, die ihren Viehstand im Thale winterten. Einegrosse Zahl der Sennen besass nämlich kein Grund-eigentum ; im Sommer nährten sie ihre Herde auf ge-pachteten Alpen, während sie im Winter von einemGut zum andern zogen, wo sie am wohlfeilsten für sichund ihr Vieh Nahrung und Obdach fanden. Namentlichin den Berggegenden suchte der Landmann den an-strengenden Ackerbau mehr und mehr mit dem be-quemeren Hirtenleben zu vertauschen. Wie Bonstettenin seinen Briefen über das Saanenland schreibt, betrugder Kornzehnten in jener Gegend von 1770—1780kaum noch halb so viel wie von 1730—1740, undalle Bemühungen der bernischen Landvögte, denKornbau herzustellen, der ehemals in diesem Landemit Vorteil getrieben worden war, misslangen. „Dieschweis8austreibende und anstrengende Arbeit desPflügens, Düngens, Säens, Schneidens und Umbrechenshat das Volk verlassen und gegen die freie, wonne-volle, fröhliche Berghütung ausgetauscht.“ Auch ausdem Simmenthal wird berichtet, dass dort fast aus-schliesslich Viehzucht getrieben werde, obschon dieEinwohner nicht genug rühmen können, „wie schön,wie gut, wie vollkommen ihr Getreide werde, wennsie bisweilen ein wenig pflanzen“. Die Ausdehnungder Viehzucht und Milchwirtschaft auf Kosten desGetreidebaues brachte nun zwar viel Geld ins Landund vermehrte den Wohlstand der Bauern ganz be-deutend; doch hatte diese Veränderung des Betriebesauch grosse sociale Nachteile zur Folge. Der ohne-hin schon Vermögliche, der einen grossen Viehstandzu halten im stände war, konnte sich allerdings be-reichern, auf der andern Seite wurde aber einemgrossen Teil der Landbevölkerung der Verdienst ent-