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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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Landwirtschaft und die ökonomische Hebung ihrer Be-zirke und Umgehung.

Überhaupt hat die Landwirtschaft des KantonsBern in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhundertsdurch Anregung der ökonomischen Gesellschaft auftheoretischem und praktischem Gebiet einen mächti-gen Anstoss zu Verbesserungen aller Art gewonnen:Die alten Fesseln, welche bis dahin den Fortschritthemmten (die Gemeindeweide, die verschiedenen Weid-berechtigungen, der Zeigzwang), wurden immer mehrgelöst, ein neues Wirtschaftssystem und neue Kultu-ren eingebürgert und so der Wohlstand unseresBauernstandes mächtig gefördert. In einem Berichtean die allgemeine Versammlung im März 1780 giebtuns der damalige Präsident, der Landyogt Tscharnervon Schenkenberg, eine Schilderung des Zustandesder Landwirtschaft, welche uns die genannten Resul-tate klar vor Augen führt:Zu dieser Zeit war imKanton Bern, besonders im Mittelland, die Kartoffelals Hackfrucht allgemein angebaut, die alte Dreifelder-wirthschaft mit nackter|Brache grösstentheils abgeschafft,statt deren entweder die veredelte Dreifelderwirthschaftoder Graswechselwirthschaft eingeführt, Stallfütterung,Klee- und Kunstgrasbau, sowie die Anwendung desGypses und Mergels allgemein bekannt und durchge-führt, die Allmenden (entweder vertheilt oder ange-baut, der Landzins durchgehend um die Hälfte gestie-gen und das alles in einem Zeitraum von 20 Jahren,d. h. seit dem Bestehen der ökonomischen Gesellschaft.

Die Thätigkeit der Gesellschaft beschränkte sichaber nicht bloss auf die Landwirtschaft, sondern er-streckte sich auch auf andere wirtschaftliche Gebiete.

So hat sie auch grosse Opfer gebracht, umauf der Landschaft die Spinnerei, Weberei, Leinwand-