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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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Der Erfolg entsprach aber keineswegs den ge-machten Anstrengungen. Wohl schien es zu verschie-denen Zeiten, dass Ansätze zu einer guten Entwicklungvorhanden seien. Am Ende des 17. und Anfang des18. Jahrhunderts hatten besonders eine Anzahl vonfranzösischen Emigranten sich in verschiedenen In-dustriezweigen, besonders der Strumpfwirkerei, ziemlicherfolgreich bethätigt. Die weitere Entwicklung wurdeaber bald gehemmt durch den Mangel an gehörigemSpielraum an brauchbaren Arbeitskräften und be-sonders durch die Eifersucht und Missgunst der ein-heimischen Bürgerschaft, welcher das Emporkommenfremder Elemente ein Dorn im Auge war. Yon denUnternehmungen, welche durch bernische Burger oderUnterthanen gegründet wurden, konnten sich aberauch nur wenige gedeihlich entwickeln * 2 ). Den besten

ihrem Ertrag kaum die kostbaren Strassen, Brücken und Besol-dungen erstritten werden können), zahlt der Handelsmann sonstgar keine Auflage, keine Accise, keine Kopf- und Vermögens-steuer, keine der tausendfältigen Abgaben, womit die Plusmacherihren Herren schmeicheln. Da sind keine Mauthen, keine Vexa-tionen von Visitationen, kein Monopolhandel. Der Grosshandelsteht Jedermann offen. Sieht die Regierung, dass durch eine neueAnstalt dem Lande ein sicherer und gewisser Nutzen kann ver-schaffet werden, ist sie die erste, die durch thätige Unterstützungdazu hilft.

*) So durften z. B. nur die Burger Grundbesitz haben undDetailverkauf treiben. a

2 ) In einem Gutachten des Kommerzienrates von 1742 istzu lesen:Weil nun aber in und um die Stadt in den verschie-denen Anstalten von Zünften und gutherzigen Leuten ohne Unter-schied so viel und grössere Almosen verordnet werden, dass dieBettler sagen können, sie würden wider sich selbst handeln an-gestrengt zu arbeiten, wenn ihnen durch Schwatzen und sich armstellen so reichliche Almosen zufliessen dies und die Straf-losigkeit der geringen Diebstähle und Veruntreuungen mag wohlam meisten Ursache sein, warum Manufakturen und Fabriken inder Hauptstadt so wenig aufkommen.