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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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Fortgang nahm noch die Kattun- und Indiennefabri-kation in Holligen und im Sulgenbach, sowie die durchAschbacher und seinen Schwiegersohn Simon be-gründete Seidenfabrik, ein Geschäft, das sich bis aufden heutigen Tag erhalten hat 1 ).

Auch zur Hebung des Handwerkes wurde vonder Obrigkeit vieles gethan. Ein eigenes Handwerks-direktorium hatte über die Befolgung der Handwerks-ordnungen zu wachen und Streitigkeiten zwischenMeistern, Gesellen und Lehrlingen zu entscheiden.Überhaupt sollte diese Behörde das Gedeihen desHandwerks befördern. Sie hatte auch die Pflicht, denKindern armer Burger die Erlernung eines Berufeszu ermöglichen und für Heranbildung weiblicher Dienst-boten zu sorgen.

Aber alle die wohlgemeinten Massregeln der Obrig-keit vermochten das bernische Handwerk nicht wiederauf die frühere Höhe zu bringen, ja nicht einmal denweiteren Rückgang desselben zu hindern 2 ). Alleökonomischen Schriften des letzten Jahrhunderts weisenmit Bedauern auf diesen Umstand hin. Wir habendiese Zustände teilweise schon bei der Betrachtungder wirtschaftlichen Verhältnisse im 17. Jahrhundert

) Nach derBeschreibung der Stadt und Republik Bernbestanden gegen Ende des Jahrhunderts in der Hauptstadt:zwoFabriken von seidenen Zeugen; Hammerwerke, eine grosse Marmor-sage, mehrere nicht unbeträchtliche Indiennefabriken, Tabak-fabriken, Färbereien, Manufakturen vonWolltiichern, Gerbereien etc.Mehrere von diesen Etablissements müssen aber von sehr beschei-dener Ausdehnung gewesen sein.

s ) Allerdings war die in Bern herrschende Unsitte, die Hand-werker jahrelang auf Bezahlung warten zu lassen, auch nichtgerade geeignet, den Gewerbefleiss zu fördern. In den Ratsmanualenfindet sich eine Menge von Belegen, aus welchen zu ersehen ist,dass selbst hochgestellte Herren oft erst nach wiederholten Mah-nungen bezahlten, ja es sogar bis zur Leibhaft kommen Hessen.