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Während das Handwerk in den Städten mehrund mehr zurückging, fingen die Burger an, nebenihrem Gewerbe zugleich Ackerbau — freilich aufsehr unvollkommene Weise — zu treiben. Der Stadt-burger war zugleich Handwerker oder Krämer undLandwirt und keines recht; ja, mit der Zeit kam es soweit, dass das Handwerk oder Gewerbe ganz aufge-geben wurde.
Aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts wird be-richtet: „Die Bewohner der meisten kleinern Städtetreiben jetzt fast gänzlich den Acker- und Weinbauund machen sich nur durch den Kamen und dieKleidung als Bürger kenntlich; das Stadtregimentkann aber mit meistens nur ganz unfähigen Leutenbesetzt werden.“ In der jetzt so blühenden StadtBurgdorf reduzierte sich, wie Landammann Blöschschreibt, vor hundert Jahren die Handelschaft auf einDetailgeschäft und zwei Apotheken.
Yon den früher so zahlreichen und bedeutendenGerbereien bestanden nur noch zwei.
Dem Rückgang des Wohlstandes in den Städtenentsprach eine erschreckende Yerminderung der Bürger-schaft, wofür besonders in den Schriften der ökono-mischen Gesellschaft zahlreiche Belege zu finden sind.
Einen erfreulichen Gegensatz zu dem wirtschaft-lichen Niedergang der Städte bildet der Aufschwung,welchen das Gewerbe und der Handelsverkehr in ein-zelnen Teilen der Landschaft nahm. Wir haben schonauf den Umstand hingewiesen, dass die Handwerkervon den Städten mehr und mehr auf das Land zogen,wo sie billiger leben und ihre Arbeitskraft besser ver-werten konnten. Daneben blühte,' besonders im Emmen-thal, im oberen und unteren Aargau, eine rege Haus-