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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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manclies Gewerbe halten lassen oder neue Erwerbs-zweige batten die verlorenen ersetzen können. DieBürgerschaft der Städte war jedoch nicht mehr imstände, sich aufzuraffen.Dem widersetzte sich derZunftzwang, Handwerksneid und die verkehrte Mei-nung vom Bürgerrechte in den Städten, welches nichtnur den einzelnen Korporationen selbst, sondern auchdem Ganzen überhaupt äusserst schädlich ward. Yonden Hindernissen, welche man der Ansiedlung vonFremden (worunter jeder verstanden wurde, der nichtdein engen Kreise der Bürgerschaft angehörte) in denWeg legte, haben wir schon gesprochen. Diese Eifer-sucht ging so weit, dass man lieber aut die Anlage be-trächtlicher Unternehmungen, welche der ganzen Be-völkerung Verdienst gebracht hätte, verzichtete, alsvon der eingewurzelten Ausschliesslichkeit einen Zollbreit abzugehen. Der korporative wie der privateEigennutz schlug dem Wohlstand der Städte dieschwersten Wunden. Ausdrücklich wird hervorgehoben,dass der Müssiggang an vielen Orten auch durch diemilden Stiftungen für verarmte und zurückgekommeneBurger genährt wurde.

Amtlisucht und mangelhafte Erziehung trugenebenfalls das Ihrige bei, um der Faulheit und leicht-sinnigen Schwelgerei Vorschub zu leisten.Alles ver-lässt sich darauf, durch seine Familienverbindung zueinem Amt, einer Pfründe und damit zu einem Anteilan den Stadtgefallen kommen zu können, um seinLeben in untliätiger Müsse hinzuträumen; der geringereBurger aber begnügt sich mit dem dürftigen Unter-halt, den er sich von den Stadtländereien und Güternerwerben kann, und rechnet für die Zukunft auf eineStelle im reichen Spital und eine Unterstützung ausverschiedenen Hülfskassen.