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Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sichauch die Spinnerei und Weberei von Baumwolle imEmmenthal, sowie im obern und untern Aargau ein-gebürgert und einen ungemein raschen Aufschwunggenommen, so dass sie in einzelnen Gegenden, besondersdes unteren Aargaus, sogar die Leinwandindustriezurückzudrängen vermochte. Die Kaufleute verteiltendie Baumwolle überall an die Spinner im Lande oderihre Träger und Zwischenhändler. Einzelne Krämeroder Landleute liessen auch für eigene Rechnungspinnen und wehen, oder kauften im Lande herumGarn oder Gewebe auf, um es dann wieder an dieKaufleute ahzusetzen. Yiele der letzteren bereistenauch selbst die Landschaft, um ihre Ankäufe direktzu machen. Absatz fanden die Baumwollgewebe teil-weise bei den Indienne- und Kattundruckereien in derNähe der Hauptstadt und im Aargau oder bei denKrämern im Lande selbst, teilweise gingen sie nachZürich, Basel, St. Gallen und selbst in das Ausland.
Sowohl die Baumwoll- als die Leinenindustriewurde also (abgesehen von der Indiennedruckoroi) nichtfabrikmässig betrieben; es handelt sich hier um eineHausindustrie, die sich durchaus selbständig entwickelteund nicht mit den Manufakturen, um deren Einführungsicli die Regierung und der Kommerzienrat so vielMühe gab, verwechselt werden darf.
Von der einst so blühenden Weberei und Zube-reitung von wollenen Tüchern waren nur noch Über-reste vorhanden *). Die Produktion deckte nicht ein-mal mehr den eigenen Bedarf. Die Seidenindustrie,hauptsächlich die Bandweberei, kam im Aargau mehr
') Am lebhaftesten wurde auf diesem Gebiete noch imFrutigland und Simmenthal gearbeitet.
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