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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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In den ökonomischen Schriften aus der zweitenHälfte des vorigen Jahrhunderts ist, wie zu erwarten,auch von der sog. Handelsbilanz oderHandlungs-balanz die Rede. Dabei wird als Thatsache hinge-stellt, dass die Einfuhr die Ausfuhr jährlich um einbeträchtliches übersteige. Bei ungenügenden Erntenbedurfte das Land einer starken Zufuhr an Korn.Der Bedarf an rohen Metallen musste beinahe ganzaus dem Ausland bezogen werden, da der Ertrag derwenigen einheimischen Bergwerke nur ein sehr spär-licher war. Das Salz wurde zum grossem Teil ausBurgund und Deutschland bezogen. Aber auch fürErzeugnisse der Industrie gingen Jahr für Jahr be-trächtliche Summen ,aus dem Lande, ebenso fürKolonialwaren. Dies bringe, wurde behauptet, für dasLand einen alljährlichen Yerlust einer beträchtlichenSumme von barem Geld. Dem wurde aber entgegen-gehalten, wenn die Handelsbilanz wirklich so ungünstigwäre, so müssten sich die Folgen davon in einemgrösseren Geldmangel im Lande zeigen und durch dieAbnahme des grossen Wohlstandes mancher Gegendenbemerkbar werden, was aber nicht der Fall sei. Viel-mehr habe der Wohlstand verschiedener Landschaftenmerklich zugenommen. Der wirtschaftliche Verfall derStädte lasse sich aus anderen Ursachen erklären, undder geringere Wohlstand in der Waadt rühre her vondem Mangel an gehöriger Sorgfalt beim Landbau,der Vernachlässigung der vorgeschlagenen Verbesse-rungen etc.

Wenn der Wohlstand also im ganzen nicht zurück-gehe, so dürfe man annehmen,dass manche Gegendenauf minder bekannten Wegen bei ihrem Verkehr mitden benachbarten Schweizerländern unvermerkt inkleineren Summen gewinnen, die im ganzen etwas zum