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gestellten Aufgabe mit einem lobenswerten Eifer undzeigen in ihren teilweise sehr ausführlichen Berichten ] )viel Verständnis für ökonomische Angelegenheiten, ins-besondere für die Landwirtschaft. Leider fehlt unshier der Raum, um dieses treffliche Material gehörigverwerten zu können; wir werden dies gelegentlich ananderer Stelle thun und beschränken uns darauf, unsernAngaben, die wir andern Quellen entnommen liaben, nachdiesen Pfarrberichten einige Ergänzungen beizufügen.
Eine Vergleichung zeigt, dass es weitaus amschlimmsten im Oberland aussah. Hier vernehmenwir fast aus allen Gemeinden, dass die Bevölkerungsehr wenig Arbeitslust zeigt. Am meisten Neigungist, wie berichtet wird, für das Ilirtenleben vorhanden,das Handwerk steht beinahe durchweg in grosser Ver-achtung * 2 3 * * ), obwohl die Leute viel Geschick dazu zeigenund besonders als Zimmerleute, Schreiner, überhauptin der Bearbeitung von Holz Treffliches leisten könnten.In Frutigen und im Simmenthal wird wenigstens nochfür den eigenen Bedarf das sog. Oberländertuch fabri-ziert ; einzelne Teile der Bevölkerung haben es durchgut betriebene Viehzucht zu grossem Wohlstand ge-bracht ; in andern Thälern beschäftigen sich höchstensdie ärmsten Leute mit Spinnen von Wolle, wobei sichaber nur sehr wenig verdienen lässt. Uber Neigungzum Bettel wird besonders in der Gegend von Inter-laken 8 ) geklagt, von wo aus zur Zeit der Ernte oft
*) Dieselben sind in fünf Aktenbänden vereinigt und befindensich im bernischcn Staatsarchiv. Diejenigen, welche das Waadt-land betreffen, sind nach Lausanne abgeliefert und kürzlich in der„Revue historique vaudoise“ besprochen worden.
2 ) Auch Fäsi giebt in seiner Schweizergeographie Beispieledafür aus dem Oberhasli.
3 ) Bemerkenswert ist der Umstand, dass im Oberlande viele
Tiroler als Holzhauer verwendet wurden, während die Einheimischen
vielfach die anstrengende Arbeit im Walde verschmähten.