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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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hinkommen, alles viel wohlfeiler haben könne. Wennman die Zahl der Reisenden im Kanton Bern auf nur6000 schätze und annehme, dass jeder nur 10 Louisdorbrauche, so mache dies jährlich schon 60,000 Louisdoraus. Nun sei aber die Zahl der Fremden, die jahr-aus jahrein hier bleiben und bis 300 Louisdor ge-brauchen, ebenfalls eine bedeutende.Daher aberauch erwächst die enorme Teurung in allen Dingen!

So schlimm stand es nun freilich mit der Teurungnicht, wie man nach diesen Worten vermuten sollte x ).Doch wird übereinstimmend von verschiedenen Schrift-stellern berichtet, dass die Preise für Lebensmittel undfür die meisten Erzeugnisse von Handwerk und Industrieim Kanton Bern bedeutend höher standen als in Deutsch-land. Deshalb mussten auch dieArbeitslöhne höhersein, was viel dazu beitrug, eine so grosse Masse vondeutschen Handwerksgesellen in den Kanton Bern zulocken.

Einen vortrefflichen Überblick über die wirtschaft-lichen Zustände in den verschiedenen Landesteilenund einzelnen Gemeinden gewähren uns die Erhebungen,die bei Anlass der Volkszählung von 1764 gemachttvurden.

Bei dieser Gelegenheit wurde auf Yeranlassungder Almosen-Revisions-Kommission allen Pfarrherrendes Landes ein Schema mit 11 Fragen, die sich haupt-sächlich auf das Armenwesen, dann aber auch auf diewirtschaftlichen und sittlichen Zustände der Gemeindenüberhaupt beziehen, zur Beantwortung zugeschickt.Die meisten der Geistlichen unterzogen sich der ihnen

) Vergleiche hierüber in der Beschr. der Stadt u. Rep. Bern,Bd. II, 79 ff., den Abschnitt:Berner Haushaltungs-Kosten in gutenJahren.