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eher zu wenig als zu viel. Auch an guten Hand-werkern fehlt es in einigen Gemeinden. Über denNutzen der Manufakturen sind die Pfarrer des Mittel-landes geteilter Ansicht. Einzelne glauben, durchdieselben könne den armen Leuten guter Verdienstverschallt werden, während andere nicht viel davonhalten, weil dadurch dem Landbau zu viel Kräfteentzogen und die Leute nur verweichlicht werden.Der geringe Verdienst wiege diese Nachteile nichtauf 1 ). Erfreulich ist es, zu hören, dass überall dieLandwirtschaft eifrig und mit gutem Erfolg betriebenwird; dagegen ertönen auch viele Klagen über Vor-urteile, Aberglauben, Kurpfuscherei, Völlerei undProzesssucht. Wahrhaft kläglich ist der Bericht ausBremgarten, wo schon im 17. Jahrhundert die Armen-not gross war. 1764 steht es nicht besser: Kein Ge-meindevermögen, kein Wald, keine Allmend, hoheLehensabgaben, drückende Tellen, viele Arme. Hierwird die Errichtung einer Fabrik gewünscht, damitden armen Leuten Verdienst verschafft werde.
Im Emmenthal 2 ) fehlt es an den wenigsten Ortenan Lust und Gelegenheit zur Arbeit, das Volk istarbeitsam und gewirbig, obwohl etwas langsam. Land-wirtschaft, Viehzucht, Leinenindustrie und Holzhandelsind in blühendem Zustande; auch ist Neigung undGeschick zu allerlei Professionen vorhanden; mehrerePfarrer wissen ihren Gemeindeangehörigen Talent oder
*) Hierbei haben die Geistlichen hauptsächlich die Spinnereiim Auge, mit -welcher sich auch bei der angestrengtesten Arbeitnicht über 2V Batzen im Tag verdienen liess.
2 ) Besonders interessant ist das Schreiben des Pfarrers vonTrub, der in seinem Bericht, dem einzigen, der bis jetzt gedrucktist (Archiv des hist. Vereins, VIII), nicht nur die Zustände inseiner eigenen Gemeinde, sondern auch die wirtschaftlichen Ver-hältnisse der ganzen Landschaft berücksichtigt.