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sogar Genie zur Mechanik nachzuriilnnen. Yon ein-zelnen Orten hört man freilich auch Klagen überMüssiggang und Bettelei, wozu das Zusammenlebender Armen in den Schachengebieten, die hohen Güter-preise, die ungeordnete Mildthätigkeit der Bauern unddie mangelhafte Armenpolizei Anlass gehen. VieleGemeinden haben sehr viel auswärtige Arme, überwelche eine Kontrolle ganz unmöglich ist. Die Lasterder Emmenthal er sind nach den Aussagen ihrer PfarrerSchwelgerei und Verschwendung, Trunksucht, Hoheitund Hang zur Wollust.
Ähnlich sind die Verhältnisse im Oberaargan.Überall, besonders aber in der Gegend von Langen-thal, ist Gelegenheit zur Arbeit in Hülle und Füllevorhanden. Der Landbau, die Leinen- und Baum-wolleuindustrie nehmen alle Hände in Anspruch. Ja,es wird sogar über die allzugrosse Ausdehnung derHausindustrie geklagt. Dadurch entstehe ein grosserMangel an Landarbeitern, welche man teuer bezahlenmüsse. Auch die Dienstboten machen sehr grosse An-sprüche, die der Meister befriedigen muss, sonst laufensie fort und wenden sich der Spinnerei oder Webereizu. Einzelne Pfarrer machen auch auf die sanitarischenAachteile der Hausindustrie aufmerksam und glauben,es wäre besser, man hätte mehr kräftige Landarbeiterund dafür weniger „bleichgelbe, ungesunde, hässigeund weibische Wäber und Passamenter“. Seltsammuss es uns erscheinen, dass sich auch Männer durchStricken von Strümpfen und Kappen ernährten. Soberichtet z. B. der Pfarrer von Oherbipp, dass sichunter den erwachsenen Armen manchmal starke Leutebefinden, die sogar während der Erntezeit, wo dieBauern gar nicht genug Leute finden können, „lieberam Schatten Strümpf lismen und mit einem geringen