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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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durch wohlexerzierte Truppen bekomme, die im Palleder Not dem Yaterlande zur Hand seien, ohne dassdie Obrigkeiten zu deren Ausbildung Geld auszugebenbrauchen hat sich nachher im Jahre 1798 gezeigt!

Im deutschen wie im welschen Gebiet herrscht,wie uns von verschiedenen Autoren und auch in denPfarrbericliten versichert wird, grosser Mangel an gutenÄrzten, dagegen wimmelt es förmlich von Notaren undWinkeladvokaten, welche die Prozesslust nähren undbesonders das Landvolk aussaugen. Nach einer andernDarstellung ] ) zählte man im Jahre 1789 im deutschenKantonsteil 143 sogenannte Landagenten, deren Wirk-samkeit uns folgendermassen geschildert wird:DieseLandagenten sind die wahren Blutigel des Landes.Sie lassen sich für ihre Judasdienste unsinnig bezahlen.Entweder verwickeln sie durch verfängliche Redenunwissende einfältige Bauern in Streitigkeiten oderlassen durch bezahlte Auf hetzer sie zu Prozessen be-reden. Die schändlichsten Chicaneurs finden sichunter dieser Menschenrace. Freilich giebt es unterden Landadvokaten auch noch hie und da einen ehr-lichen Mann aber sie sind so selten, dass schonandere gesagt haben, es sind rari nantes in gurgitevasto.

Quellen der Armut.

Welches im 18. Jahrhundert die Quellen der Armutwaren, lässt sich teilweise schon aus der vorstehendenDarstellung der wirtschaftlichen Yerhältnisse ersehen.Weitere Angaben darüber finden sich in einigen Ab-handlungen, die sich speciell mit dem Armenwesenbeschäftigen. Sehr wertvolle Aufschlüsse giebt unsbesonders der Pfarrer Albrecht Stapfer von Münsigen

') Heinzmann, Bd. I, 134.