Buch 
Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
Entstehung
Seite
223
JPEG-Download
 

223

dass bei vielen Landleuten die Trunksucbt und derMüssiggang im Winter die Hauptursache ihrer Dürftig-keit seien. Mit Recht werden auch die Nachteile desfremden Kriegsdienstes hervorgehoben, durch welchendem Lande viele der kräftigsten Arbeiter entzogenwurden. Yon den Angeworbenen kehrte nur etwader dritte Teil v ) wieder in die Heimat zurück, vieledavon mit verdorbenen Sitten oder zerrütteter Gesund-heit. Es ist deshalb durchaus richtig, wenn gesagtwird, dass die Schweiz trotz des langen Friedens durchden Kriegsdienst mehr litt als andere Länder, dievon Zeit zu Zeit durch Kriege ihrer Einwohner beraubtwurden * 2 ). Vorteile brachte der Fremdendienst höchstenseinigen Patriziern, die höhere Stellen bekleideten; demGesamtwohl hingegen war er in jeder Beziehung nach-teilig, und besonders für die Landgemeinden sehrhäufig eine Quelle der Armut. Wie es sich mit demHauptargument verhielt, das zu gunsten des Fremden-dienstes angeführt wurde dass man nämlich da-

') Von 3937 Mann, welche 17531763 für den kapituliertenDienst angeworben wurden, kehrten 2362 nicht mehr zurück.Von den übrigen, welche sich innicht avouirte Dienste an werbenHessen, fehlen die Angaben. Hier war auf jeden Fall der Prozent-satz der Ausgebliebenen noch viel grösser.

2 ) Norrmann, Bd. I, 416. Im Jahre 1742 wies auch derKommerzienrat auf den Umstand hin,dass infolge des Kriegs-dienstes die beste und arbeitsamste Mannschaft, so zum Handelund Wandel der menschlichen Gesellschaft das Beste beitragenkönnte, gemisset werden muss deren die meisten völlig aus-bleiben, andere aber durch völligen Vergess aller Arbeit mit einemausgebrauchten Leib und zur Beschwerd ihrer Gemeind wiederins Land kommen.

Auch die Almosenkammer klagt 1744 darüber,dass dieheut zu Tag so stark im Schwung gehenden Werbungen in denKriegsdienst gar zu viele Ehemänner und Hausväter in die Fremdehinwegziehen, welche arme Weiher und Wittwen und arme vater-lose Kinder und Waisen hinter sich lassen.