Buch 
Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
Entstehung
Seite
226
JPEG-Download
 

226

schehe; genauere Rechenschaft wird aber nicht ge-fordert, und so werden in vielen Fällen nur Schuldengemacht, um ein üppiges und verschwenderischesLeben zu führen. So stürzt sich mancher in Armutund ruiniert sich, der vielleicht seine Ausgaben ein-geschränkt und besser zu seinem Haushalt gesehenhaben würde, wenn es ihm etwas schwerer gewordenwäre, Schulden zu machen.

Stapfer spricht hier nur von verschwenderischenund leichtsinnigen Schuldenmachern; von andererSeite J ) wird aber hervorgehoben, dass die Schuldenüberhaupt für den Landwirt verderblich werden müssen:Da ihre Ländereyen mehr nicht denn drei und einhalbes vom Hundert abtragen, wie sollten sie nicht zuGrunde gehen, wenn sie fünfe vom Hundert abrichtenmüssen f Um diesem Übelstand abzuhelfen, wird derseltsame Vorschlag gemacht, für bedrängte Landwirtebilliges Geld durch eine Lotterie zu verschaffen!

Zu den Quellen und Ursachen der Armut rechnetStapfer auch den allzuausgedehnten Reben- oder Wein-bau, der sich in einigen Gegenden gar nicht lohne,eine Bemerkung, die wir schon in dem Gutachten von1695 angetroffen haben. Auch wenn der Ertrag derBeben ein guter sei, werde der daraus erzielte Ge-winn in der Regel rasch wieder verjubelt, so dassfür Fehljahre kein Reservefonds vorhanden sei. ImWelschland seien zwar die Arbeitslöhne sehr hoch,aber doch bringen die deutschen Landarbeiter, wennsie dorthin ziehen, nach einer allgemeinen Redensartnichts zurück als zerrissene Kleider. Die schönenTaglühne werden eben vertrunken.

') Loys von Chesaux in den Schriften der ök. Gesellschaftvon 1766.