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Der Missbrauch des Weins beschränkt sich aber,wie Stapfer ausführt, nicht auf die Gegenden, woderselbe produziert wird. Wie viele Bauern besuchenden Markt der Hauptstadt, ohne dass sie etwas Not-wendiges dort zu thun haben! Die meiste Zeit desTages bringen sie in einem Keller x ) zu, und auf demBückweg sitzen sie oft bis nach Mitternacht im Wirts-haus beisammen. Bei den Gastmählern der Bauernwird auf jede Person zwei Mass Wein gerechnet, wasdoch gewiss des Guten zu viel ist. Noch schädlicheraber ist nach der Überzeugung Stapfers die Mengeder Schenken, Wirtshäuser und kleinen Bäder, inwelchen das Yolk zur Trunksucht verleitet wird, wasjährlich zahlreiche Familien zu Grunde richtet. Auchzieht, wie Stapfer ausführt, die Trunksucht und Aus-gelassenheit beim Wein oft noch andere höse Lasternach sich.
Eine Quelle der Armut können nach der Preis-schrift Stapfers auch „übel angebrachte und nachteiligeFabriken und Manufakturen“ sein. Der Autor ver-wahrt sich feierlich dagegen, ein Feind der Industriezu sein, doch dürfe man Fabriken und Manufakturengewiss zu den übelangebrachtcn und nachteiligenrechnen, wenn sie „entweder an solchen Orten ange-legt werden, wo kaum Hände genug sind, das Landgehörig zu bauen, und die dem Landbau noch tüchtigeHände entreissen oder, wenn sie die Arbeiter ent-kräften, zu dem weit notwendigem Landbau untüchtigmachen und nach und nach ein schwächliches Yolkerzeugen, oder endlich solche, durch die sich nur eineroder aufs höchste nur einige wenige Unternehmer bc-
') In der Stadt Bern zählte man am Ende des vorigen Jahr-hunderts 145 Kellerwirtschaften!