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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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auf ihren Alpen Butter zu betteln, sie entlehnen schlechteKleider von armen Leuten und zielm dann im unternKantonsteil dem Bettel nach. An den Erntearbeitenteilzunehmen verschmähen sie, selbst wenn ihnen einreichlicher Taglohn angeboten wird. Das Ährenlesenist nur ein Vorwand zum Bettel. Diese AngabenStapfers werden auch durch andere Zeugnisse bestätigt.Das bemerkenswerteste davon ist ein Gutachten desKommerzienrates aus dem Jahre 1742 1 ). In diesemAktenstück, das eine ausführliche Besprechung deroberländischen Zustände enthält, lesen wir, dass be-sonders die Leute von Sigriswyl, Beatenberg, Hab-keren, Glsteig, Lauterbrunnen und Grindelwald (ingeringerem Masse auch die Brienzer und Hasler), vonder Zeit an, da die Kirschen anfangen reif zu werden,bis in den späten Herbst, wie die Heuschrecken überdie andern Landesteile herfallen.

Diese Leut kommen schaarenwys von 10 zu 20in die Dörfer, machen des Tags nit mehr Wegs alsbloss von einem Dorf ins andere, sie mögen so nahliegen als sie wollen, fordern zu Mittag das Almuson,des Abends wiederum, behelfen sich (zum Übernachten)der Tennen und Ställen. Des Morgens fordernsie wiederum abermal in allen Häusern und setzenwiederum etwan ein Viertelstund fort bis ins nechsteDorf. Sobald solche verreist, so kommt gleich wiederumein frischer Schwarm und thut ein Gleiches wie hie-vor, und so fort. Sie entlehnen einander die Kinderzum Bättlen. Wann man ihnen will Arbeit, Speisund Lohn gleich anderen geben, so antworten sie, sieseien nit desswegen kommen, schmälen über die Leut,

0 Dasselbe führt (len Titel:Ob die Oberländer von derAuswanderung nach Carolina abzuhalten und wie ihnen Arbeitzu verschaffen.