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rauben Hühner, Gans, Werkzeug, Frücht, alles wassie unter den Händen finden und gehen weiters. ImAugusto kommen sie wieder das Land hinauf mit Ein-nehmung gleicher Lagerstätten. Anfangs Septembrisstreichen sie zum zweiten mal hinunter, unter demYorwand, das gebättelte Brod, so sie gedörrt, wie auchdas Korn, so sie aufgelesen, abzuholen. Im Octobrikommen sie auf gleiche Weis wiederum das Landhinauf bis nach Haus, da sie dann das Gesammelteinnert wenig Zeit mit Geniessung ihres Kirsenwassersaufgezehrt haben und die übrige Zeit hindurch imElend und Mangel verbleiben müssen bis wiederumim Junium.“
Die Obrigkeit gab sich grosse Mühe, um diesemÜbelstande abzuhelfen. Der Bericht des Pfarrers Stapfer,der 45 Jahre nach dem Gutachten des Kommerzienratesgeschrieben ist, zeigt indessen, dass keine wesentlicheBesserung erzielt werden konnte.
Der Hang zur Bettelei ist aber, wie Stapfer weiterausführt, nicht nur bei den Oberländern, sondernauch in anderen Gegenden zu finden. Kur sind dieArten der Bettelei und die Vorwände etwas ver-schieden.
„Heben der gewöhnlichen Art, das Almosen zuheischen und zu betteln, müssen in vielen Gegendennoch hundert Gelegenheiten, die Jahreszeiten und selbstder Calender zu Anlässen und Vorwänden der Betteleidienen. Im Frühjahr wird auf dem Lande von einigendie vielleicht kein Vieh haben, Futter gebettelt unterdem Vorwand, ihr Vorrat sei erschöpft; im Anfangdes Maimonats muss ein höchst elendes Geplärr, dasman „den Mai singen“ nennt, zum Vorwand der Betteleidienen. Im Sommer bringt ein geringes und vielleichtoft ein nur erdichtetes Ungewitter einen ganzen Schwarm