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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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mer u. s. w. sie sind, welche alle gerade auf den Ärm-sten am meisten gewinnen.

Yiel besser wäre es, wenn solchen Leuten dieGemeinde Wohnungen verschaffen würde, oder wennman ihnen das Holz, das sie sonst stehlen müssen, alsAlmosen verabreichen würde. Auch ein Stücklein Landals Pflanzplätz wäre für sie von grossem Nutzen, wennes nicht an ganz entlegener Stelle und auf dem un-fruchtbarsten Erdreich angewiesen würde.

Eine grosse Wohlthat ist die ärztliche Behandlungund die unentgeltliche Verabreichung von Arzneienfür die Armen. Leider kommt aber diese Art der Unter-stützung nur in wenigen Gemeinden vor. Sonst ist aber,wie in der Kritik ausgeführt wird, gegen jede andereArt von Besteurung, besonders in Geld, viel zu sagen.

Entweder sind es ganze Familien, die diese Artvon Unterstützung erhalten, und da leiden sie wohlallezeit bald an dem, bald an diesem Bedürfnisse, baldan Nahrung, bald an Kleidung, bald an Wärme, baldan Beschäftigung und mehr oder weniger an AufsichtMangel. In einer elenden Hütte, weder vor Nässe, nochvor Kälte (ungeachtet des vielen Holzes, das sie darumverbrennen) hinlänglich geschützt, nicht selten in Ge-sellschaft ihrer Haustiere, Hühner, Ziegen u. s. f., wächsteine solche Familie auf, ohne je weder zur Arbeit nochzu gesundem Blute, der Grundlage eines guten undrichtigen Gefühls, zu gelangen. Yiele Kinder sterbenin zarter Jugend weg, bei denen, welche am Lebenbleiben, fehlt es durchaus an einer richtigen Erziehung,so dass später beinahe unfehlbar Dürftigkeit und Elendihr Los ist.

Wo weder kleine Kinder noch kranke Hausge-nossen zu versorgen sind, sollte auf jeden Fall eineUnterstützung mit Geld nie stattfinden.