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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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einzelnen Gegenden konnte sich auch ein gemischtesSystem von Kirchgemeinds- und bürgerlicher Armen-pflege ausbilden.

Ebenso grosse Yerschiedenheiten treffen wir inBezug auf die Art und Weise der Verpflegung. Ausden Berichten der Zeitgenossen geht hervor, dass da-bei teilweise sehr unzweckmässig verfahren wurde.Trotzdem an den meisten Orten, mit Ausnahme derabgelegenen Gemeinden des Oberlandes, ausreichenderVerdienst zu finden war, vernehmen wir doch nochvielfach Klagen über die Bettelei, die unter den ver-schiedensten Formen und Vorwänden erfolgte.

In der Entwicklung der Gemeinden finden wir einimmer weiteres Vordringen des bürgerlichen Elementes.Die Regierung unterstützte die Burger, wo sie per-sönliche Ansprüche auf Wald und Allmend geltendmachten, vielfach auf Unkosten der Rechtsamebesitzer.Besonders war dies bei den Allmendverteilungen derFall, die von den sechsziger Jahren an sehr häufigwurden.

Der Umstand, dass die persönlichen Ansprücheim Kampf um Wald und Allmend den Sieg behielten,hatte vielfach auch eine Rückwirkung auf die Formder Gemeindeverwaltung, so dass an den Platz deralten Realverbände mehr und mehr eigentliche Burger-gemeinden traten.