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Geschichte des Armenwesens im Kanton Bern von der Reformation bis auf die neuere Zeit / im Auftrage der bernischen Armendirektion dargestellt von Karl Geiser
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rasch zu fallen (1875 wanderton nur 254 Personenaus). Yom Jahre 1879 an nimmt die Auswanderungdagegen wieder sehr rasch zu und erreicht im Jahre1883 die grösste Höhe mit 4667 Köpfen. Bis 1886 fieldie Zahl der Auswanderer wieder auf 1525; in denfolgenden Jahren stieg sie dagegen wieder über 2000.

Aus diesen Angaben geht hervor, dass der KantonBern seit dem Jahre 1850 eine starke Auswanderung(nicht nur nach überseeischen Ländern, sondern Weg-zug im ganzen, namentlich auch in andere Kantone *)aufweist. Und zwar sind weitaus die meisten der Weg-ziehenden Leute im erwerbsfähigen Alter. Auf dieFrage, was dieser Zustand bedeute, giebt der Vor-steher des kantonalen statistischen Bureaus * 2 ) die Ant-wort:Wir erziehen die Erwerbskräfte für andereKantone, für das Ausland, anstatt sie uns selber nutz-bar zu machen! Wir ziehen mit unnennbaren Opferneine zahlreiche Jugend zu einer kräftigen, erwerbs-fähigen Elite heran und lassen sie fortziehen.

Hie Kehrseite davon ist die Thatsache, dass sichnach der Statistik von 1880 im Kanton Bern das Ver-hältnis zwischen den Erwerbenden und Vicht erwer-benden (Angehörigen samt Hausgesinde und Personenohne Erwerb) sehr ungünstig gestaltet. Bei uns sindnämlich 42 % der Bevölkerung zu den Erwerbendenund 58 % zu den Vichterwerbenden zu zählen. Vachdieser Berechnung 3 ) steht von den schweizerischenKantonen nur Vidwalden mit 41.3% ungünstiger da. 4 )

*) Bei der Zählung von 1888 wohnten im Kanton Neuenburg30,849, im Kanton Waadt 23,290 Berner.

2 ) Vergl. die Mitt. von 1885, Lieferung II, 108.

3 ) Mitt. 1885, II, 140.

4 ) In allen andern Kantonen sieht es in dieser Beziehungbesser aus, in Appenzell, Tessin, Zürich, Uri und Glarus sind dieErwerbenden sogar in der Mehrzahl.