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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischen Herolds ander Theil, oder, Zuverlässige Beschreibung derer europäisch-christlichen Königreichen, freyen Staaten und Fürstenthümer
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Des Europäischen Herolds zweyte Haupt-Handlung

diesen vier brüdem/welche in der grösten Unei-nigkeit lebten / giengcn drey nach einander mittode ab / und blieb eio^rms i allein übrig / alsodaß die ganhe Fränkische Monarchie wieder-um unter einen Zepter kam. Denn über dieses/daß er seines letzt verstorbenen bruders Childc-bcrli Gemahlin nebst ihren beyden Princeßin-nenins elend vecjagete/so soH das von K.Fara-munden eingeführte Salische Gesetze dazumahlerst recht zur Übung gebracht worden seyn.Ssnsten führete er mitdenSachsen undThurin-gern schwere kriege/welche ihn endlich in Franck-reich zurücke jagten/ allwo er A.ssi verstarb/und vier söhne hinterließ/ nemlich Chercbertcn/König zu Hans oder in Franckreich/ Gom-tran/ König in Burgund oder zu Orkans/Siegebertcn/König zu Metz oder Austrasien/und Chilperickeu/Königzu Soitlon;. Jedoch alsKönig ChcrebertA-572 die zeitligkeit verließ/theilten seine drey brüder sein Königreich untersich/ auch so gar die stadt Paris/mit der be-dingung/daß keiner rmter ihnen dreyen sich ohneder übrigen einwilligung jemahls in itztermcldteStadt begeben solte. Allein zwey unter diesendreyen brüdern/nemlich Siegebert und Chilpe-ric/gericthen wegen der Landschaffti'ousZine undko.Aou in Uneinigkeit / welche so lang währete /biß der erste Zl.s7s meuchelmörderisch ums lebenkam.Dargegen muste ciiiipenc, zum lohn der ge-gen seine erste Gemahlin verübten untreu / erfah-ren/ daß ihn seine zweyte gottlose Gemahlin Fre-degonde durch ihren liebhaber A.M oder s88 er-morden ließ.

Also hatte er seinen noch in der wiege liegen-L.alor-liu.den söhn clotsrium II zum Nachfolger / wel-». cher mit seinen vettern gnugsam zu fechten bekam/

wiewohl er dochA- 614 die bischer zertheilet ge-wesene Provinzien des Reichs zusammen brach-te/ und es wieder zu einiger conkilkantr undmacht erhübe z dahero er den nahmen des Gros-sen erlangte / auch durch den wider die Sach-sen an der Weser A. 6 zo durch seinen Cron-Printz Dagoberten erhaltenen sieg sich beson-ders conllclergble machte.

« Dieser Röntg Dagobert / welcher A. 6 zc

^rtbun- oder 6zr dem Herrn Vater iuccs-lirte/hätte das«et «s wie- lob derfürtrefflichstenNegentenverdienct/wannkrafft'/ er sich nicht in Wollust verliesset/ und seinem bru-. der Prinh Aribertcn ein groß antheil des^"dcs^'^ Reichs überlassen / welchen er doch nach diesesHeilung. Printzen tode wieder bekam / den rest aber kurtzvor seinem absterben A.C. 64s unter seine zweenPrintzen SicgcbertenHundOoäovLum li al-so vertheilet hartc/daß die macht des Königreichsanderweit in eine schädliche schwäche gerathen.Jener bekam Austrasien/ der jüngste RöntgcloäovXus II aber den rest von dem damahligenFranckreich.

n Von der zeit an haben die Könige sich gantzKönig, Au- der Üppigkeit ergeben / sich der Regierung weni-t-ritäk. ger / als der galanterien / des bettes und dertafelangenommen / ihren Groß-Hofmei-stern die Staats« und Reichs-geschafftelediglich überlasten / und ihnen dadurch thürund angel aufgethan / sich allniahlich die auto-ritär bey deir Croncn/ und die liebe bey denUnterthanen zuzueignen; hingegen ihren Prin-cipalen mehr nicht als den titul einesRöttigs übrig zu lassen / und sie bey dem

volcke in haß und Verachtung zu sehen. Keiner

unter diestn^Lirss <tu pslais, lvlajoribu; vomus,

oder Groß-Hofmeistern hat es so weit gebracht/als Hertzog Pipin genannt Heristel/ aus demfürnehmen -Hause derHeryogean der Moselund Brabant rc. abstanunend/ welchen, in sei-nem 28 jährigen Kiimttt-illimLt so viel gewalt zu-gewachstn/ daß er seinem söhne/ Hertzog LaroloMartcUo / den weg gezeigct / worauf er zumthron schreiten können. Er trieb die Sarace-nen mit Verlust ihres Königs Abderami und miterschlagung Z7cooc> mann von denen Rerchs-gränhen zurück/ befochte auch die Sachsen/

Bayern und Aquitanier/ brachte die Friesenzur clevotmn und Christlichen Glauben / und er-langte die ehre / unter die zahl der Rönigegerechnet zu werden. Den eusserlichrn trtiilhat er gleichwohl nicht angenommen / ob es wolmit denen Königen dahin gesuncken war/ daß ih-nen nur der spott oder ein schattenriß der ehre ü-brig blieben / indem sie etwan auf einem land-hause sich auchalten musten /und jährlich nur ein-mahl am ii Maji sich mit gewissen cerenronien/als ein wunderthier/ auf einem wagen nacherParis führen/ und dem volcke sehen lassendurfften.

Endlich hat Carl Martells söhn/ HertzogPipiu/ sein ehr-begieriges hohes gemüthe sich f.ch'M«dahin verleiten lassen / daß er A. ?sv seinem blö- rdw».den König Lhilderichen m eine platte scherenund ihn ins kloster stossen / sich aber die Frau-tzöische Lron aussseyen lasten/ nachdem ervorher alle fachen wol concemret / die vornehm-sten Stände zu seiner äistolmon und treue ge-bracht/ auch bey dem pabst Sacharin > weiterdeinselben versprach/ die Langobarden ausItalien zu verjagen/ und ihme viel ländereyenund grosse mtraden zuzuwenden/den beyfall undspprobation erlanget hatte. Diese grosse Revo-lution brachte das Rönigreich an die Karo-linger nachdem es zvs jähre auf dem geschlech-te der Merovinger bestanden hatte.

König Piptnus befestigte das neue Reich in-ncriich durch Versicherung der liebe des voicks ge- reich aufgen sich/durch aufrichtung eines Staats-Raths/oder Parlaments/ darzu die fnrnehmstcSr-irmr.gerst-und weltliche Staude des Reichs / alsdessen vorderste glicder/gezogen wurden.

Nicht weniger durch Verrichtung der cercmsm-cn/ conlücration und salbung Bonifacii/Ertz-Bischosss zu Mayntz / welcher von solcher Au-torität war/ daß man meincte/ es mäste de-nen glücklich ergehen / welche von der Heiligkeitdieses Teutschen Apostels gesegnet würden.

Dann durch abschassung der Autorität undamts eines Groß-Hofmeistcrs/ und durch Lon-guenmng der landschafft Aquitanien/welche biß-hero durch eigene Grafen regieret worden war.Aeuserlich aber erweckte er sich respect und furchtdurch seine feldzüge und victorien wider dieSachsen/ welche die Veränderung des Regi-ments zu einer gelcgenheit / Franckreich dentribut zu verweigern gebrauchten. Jnglci-chen wider den Longobarder König Arstolphum/wider die Kayserlichen Stadthalter in Italien/ .

Lxsl-clii genannt. Hertzog Tastrlon in Bayernaber machte er zum Vasallen/ und den Her-yog vo»r Aquitanien zum ttnrerthanen/ undendlich zum mslsLcsnten. Er verließ A.768 zween