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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischen Herolds ander Theil, oder, Zuverlässige Beschreibung derer europäisch-christlichen Königreichen, freyen Staaten und Fürstenthümer
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von dem Königreiche Frankreich. Z5

und entfielaus den Händen in dieunten vorbeyMessende Rhone/ und wurde fortgerissen/ ohnedaß der vater weiter erfahren/wo es hingekom-men : worüber er sich erbärmlich übel gehubeund anlaß nahm / seinFürstenthumzu verschen-cken. Es hat sich aber Herrzog Carl in Nor-mandie zuerst Dauphin geschrieben/ und zwaralso: Charles/Duc deNormandie/ Dauphinde Vienne; Bald aber hernach ist diese titu-latur nechst der Röntg!, im Reiche vor diehöheste gehalten und allen Hertzogthümemvorgesetzet worden. Jnmassen sich Carl vngeschrieben: Dauphin de Viennois/ Duc

de Berry äc äs ^rrain Lc Lomrs äs ?ovton.Vormahls ist zwar ein unterscheid zwischen ei-nem Dauphin de Vienne/ und dem d'Auver-gne gewesen/ ietzo aber gehöret es zusammen.Und führet der erstgebohrne söhn desRönigs solchen nahmen so bald nach seinergeburt / obwohl ein sonderbares ceremoni^leund des Königs erklarung dabey ersodert wird.A.iZ9i hat Ludwig von Poitiers König Carlnvi die Graffchafft Valence und le pays de Va-lentinois überlassen/welches dem Dauphins in-corporiret worden. Das wapen des Dau-phins bestehet aus einem quartirten schildlein/dessen ersterer und vierter theil in blauer fel-dung/die drey goldgelben Franhöifchen lilienohne beysatz führen. Das zweyte und drittequartier stellet im gelben felde einen blauenDelphin mit rothen ohren für. Um das schildhangen die beeden Orden des Königs / und ru-het auf demselben eine güldene Cronc/ welchemit zwey halben aufdelphin - art formirten zir-ckeln oben beschlossen / und mit lilien erhöhet ist.Man tractiret ihn durchgehend excellencsund fürnehmlich mit dem pr-eäicat Monsei-gneur / doch eher nicht/ als nachdem er solchfrXäicat vom Könige empfangen. Zhmewird ein eigener Hof und bedienung gehalten.Wann ein Königlich kind neben dem Könige zusitzen kommt / welches offt bey Audicnzien ge-schiehet/haben sie ihren ort jedesmahl zur rech-ten des Köniczes. Zngleichen hat des jetzigenDauphins ältester Printz / der Hertzog vonBurgund/ seine eigene Hofhaltung 'nachdem sichderselbe A.1696 mitU7aria Adelheid/ Her-Hogs v>^on8 ^m-iäs> n von Savoycn ältesterPrinceßin/oberzchlter Massen vermählet/wclcheden 6 Decembr. A.i68sgebohren worden. Derzwcyt- gebohrne/ ncmlich Philippus / Hertzogvon Anjou/ durch Ronig Carl des n testamenterklärter und von der Monarchie angenomme-ner König in Spanien / vcrmählete sich zu endedes jahres 1701 mit itztgedachter Princessmschwester Marien Louysen Gabrielen / welcheLm September A. 1687 gebohren.

Des Dur d' Des Rönigs Herrn bruders söhn / ^er«^rieans yog Philipp von Orleans / dessen titul Filsrui/verniäy.- de France/ Duc d'Orleans/ de Valois/ deluns/ doch- Chartres/ Comte deMontargis/ist gebohrenüiAlrn h^^e erstlich bey lebzeiten seines Herrn

Vaters/Hertzog Philipp von Orleans/nur dentitul Fils de France/ Dur de Chartres; Nachdessen den 9 Junii A. 1701 erfolgten: tode aberhat der König ihme solch Hertzogthum unddar-zu gehörige Herschafften / leDuchcdeChar-ires und Graffchafft Montargis/überwiesen.Denn es siehet demKönige frey/dieAppanagenZweyte Haupt-Handlung.

zu vermehren oder zu vermindern. Und wennein appanagirter Herr ohne männliche ehelichekinder stirbt / fället alles der Cron wiederumanheim. Die töchter von Franckreich habenblosse titul und keine anspräche von ihrem hm.vater/als zum exempel: Hertzog Gastons prin-cefftn tochter schriebe sich: Anne Marie d'Orleans/ Duchesse de Montpensier rc. Wel-che/ehe der letzt-verstorbene Hcrtzog von Orle-ans eine Princessm bekommen / das vornehm-ste und auch reichste Fraulein von ganhFranck-rcich / und vielleicht von der gantzen Christen-heit gewesen / indem sie in dem FürstenthumMontpensier besessen Chasteleraid und SamtVargeau/ ferner die GrafschafftEu/ Barsur-seine/Mortain und in andern örtern achtmahlhundert tausend pfund jährlichen einkommens/wie auch eine überaus grosse anzahl Edelleutezu Vasallen hatte. Was die Ursachen ihres Un-sterns bey Hofe gewesen/davon ist allhier nichtszu melden. Die übrigen Filles de France odervom Hause Orleans bekommen die titul: vonValois und Alencon. Und pflegt der Königdiese und andere Princessmnen vom geblüte mitreichen heyraths - gutem zu versehen. Höchst-gcdachter letzt-verstorbene Hertzog vonOrlc-ans/als Sr. Köntgl. Maj.einhigcr Herr bru-der/wendete noch einige monate vor seinem ab-sterben den 1 Decemb.A. 1700 eine solenne pro-tcstation wider das vermeynte testament desKönigs in Spanien ein / als darinnen/seinermeynung nach/die ordnung der succeilion zuseinem Nachtheil eingerichtet / angesehen ergantzlich Übergängen; dargegen aber Ertz-Her-tzogCarl und der Hertzog von Savoyen deubeyden jüngsten Printzen des Dauphins subll,.tuiret worden. Der Hertzog von Orleanswird ingemein Monsieur genannt / gleichwieseine älteste Princessm tochter Mademoiselleund seine Gemahlin Madame in excellent! Zra-äu heissen. Seine Vermählung geschahe A.1692mit Francisca Maria/ Mademoiselle deBlois/ welche der König mit der Marquise deMontespan A. i68igezeuget/und selbige in ebeudiesem jähre le^tim-ret hat. Seine noch lebendekinder seynd folgende:

Marie Louyse Elisabeth / Mademoiselle deValois genannt/welche den 19 August. A. 1695gebohren worden.

Maria Adelheid / gebohren den iz August!A.I698.

Über dieses hat er auch mit seiner concubine/Mademoiselle deFlorence genannt/einen söhngezeuget.

Seinefrau Mutter ist stau Charlotte Eli-sabeth/ Churfürst Carl Ludwigs zu pfalyrochtcr/welche den 17 (27) Maji A. i6s^geboh-ren/ und den 25 dchvemb.A. 1671 an den letzt-verstorbenen Hertzog von Orleans vermähletworden.

Seine schwester aber ist frau ElisabethCharlotte/ den iz Scptemb. Ll.1676 gebohren/Und A. 1698 mit dem itzt regierenden Hertzoge inLotharingen/LeopoldchsoscpK/vermählet.

Seine halb-schwester srauAuna Maria/Hertzogin von Valois/ welche von des letzt-ver-storbenen Hertzogs von Orleans erster ge-mahlin Henrietta Anna/ König Carls! in En-gelland tochter/den 17(27) August: A. 1669 ge-E r bohren/