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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischen Herolds ander Theil, oder, Zuverlässige Beschreibung derer europäisch-christlichen Königreichen, freyen Staaten und Fürstenthümer
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Des Europäischen Herolds zweyte Haupt-Handlung

kauffmanns-waaren/, welche? nemlich von die-ser zweyerley gattung ins Reich gebracht wer-den/z) wann dergleichen waaren zu marckte ge-bracht oder wieder ausserhalb Reichs verfüh-ret werden/ 4) ausfolgenden sorten-waaren/als frucht / leinwand und wein / s) auf demstund-gelde oderwein-zolle der fünffneucnstü-ber; welche pachte aber nur in denProvin-tzienNormandie/Picardie/ Champagne undBourgogne im brauche sind. Hiernechst sindauch noch andere Verpachtungen eingerichtet.Also wurde der toback-Handel A. 1697 an einenkaufmann/ nahmens Bourgalais/ vor 157^222pfund verpachtet. Die commercien mit Hollandführen der Nation zum wenigsten jährlich z6Millionen pfund werth zu. Einige Provintziengeben auch prLlcnt-gelder/und Langvedoc al-lein fast 2 Millionen pfund. Die übrigen nutz-baren rechte und Regalien des Königs sind dieledigen anfalle/ oder caduc und vacantengüter/ fremder leute erbschafften/ ^ubsmes,I^kilri 8 -morte 5 ,die disturöliiirungen oder erthei-lung der Fränkischen tgstiongl-privilegien/forss-und wild-bahn/fischereyen/ fiscal-ge-rechtigkeitm/ lehnwahren / guink und re-c>umt§,l.ot 5 undVcntex, gcnuß der unmündi-gen kinder gütere biß zu deren Volljährig-keit: Wiewohl dieses nur in Normandie ge-bräuchlich/ und Fouages de Normandie ge-nennet wird. Die Geistliche müßen durchganh Frankreich den ordentlichen zehendenvon ihren jahr-rcnten conrriduiren/ und ihrerenten und freyheiten mit grossem gelde fastjede 5 ä 6 jähre kauffen / und den gewöhnli-chen zehenden gleichfalls auch geben. Zu dencxtraorclmZr-exLÄionenbey vorigen kriegen hatman verschiedene neue arten der auflagen er-funden/ worüber aber das volcksehr schwürigworden/ und an einigen orten ausgeruffcn:Vi-ve le K.07 lsns gabelle, daß es viel mühe ge-braucht/ sie wieder zu begütigen. Nichts destoweniger kommen noch täglich neue impostenund verkauffungen der amter zum Vorschein.Bönig Ludwig Xl wüste schon zu seiner zeitden großen schätz und reichthum seines landcs/und sagte dannenhero mit gutem gründe: Erhabe an Franckreich eine immer - grünewiest/ die er nach gefallen abmayen könre.Baxfer Marimilran I aber/der sich sehr wohlauff die Mittel der Souveränen verstünde/ nen-nete den Bönig von Franckreich einen rei-chen schästr/ welcher stinen schafen die gül-dene wolle osttabschceren könre.

Vielheit der Gleichwie man aber die stärckste qvelle aus-«usvaden. schöpfen/ und einen berg/ der noch so groß ist/abtragen kan; also nehmen die großen ausga-ben des Kömgs st viel weg/daß/zumahl beybisherigen starcken kriegsverfaßüngcn/ die Mit-tel des schatzes/welche ohne diß durch den letztenkrieg fast gantz ausgeschöpffet sind/ nirgend hinlangen wollen. Der unterhalt des Hofes/und sämtlichen Königlichen Hauses/deren hoheund niedere/kriegs-und civil- bedienten; dieGardes und Garnisonen/ artillcrie/ arniaturzu wasser und lande/ die mächtige armeen inJtalien/am Obcr-Rhein/am Unter-Rhein oderder Maßc/in denen Spanischen Niederlanden/die flotten / die kostbare fortikcLtione!, penlronezan fremdeKönige/Chur-und Fürsten/und deren

Xkiniiiros,Gestndschassts- steten, lust-und spiel-gelder/ erhaltung der Königlichen arckitüölur,abführung der schulden/und andere schwereauffwendungen nehmen dargegen weit mehrals hundert Millionen wieder weg. Vor demNiemägischen frieden muste man den Königli-chen schätz und mobilien angreiffcn / aber eskam doch noch nicht gantz auff die extremität.

Man meinte an stiren der kammer in dem frie-den wieder zu erstarrn und dielücken zu büssen/aber ick.de Louvois/der des Königs gloire undWachsthum in denen reunionen/die durch grosseparathaltende armeen bedecket werden muß/ließ brav drauff gehen ; daher sich auchrck. Colbert/ wegen der unerschwinglichenmilitz - steten , offtmahl und noch kurtz vor sti-nem ende gegen ick. Louvoiö hoch beklaget/mitfürgeben/ wann es so fortgehen/und man dieleute also auspressen wolte/ müsten sie in dieauen und wälder lauffen/ und grüß fresstn.

In dem Hernachfolgenden kriege hat man gleich-sam auff die nähte gegriffen / und solche theilstyranische thaten der erpressungen erfunden/daßdie vorigen Königlichen privilegien/rechte/frey-heiten/gcrechtigkcitcn/ seuffzcr und alles darge-gen nichts helffen wollen; darüber aber Frank-reich st sthr verarnict / daß man es bey demjetzigen kriege mercklich empfindet/und manschier nichts mehr zu verpfänden bat. Es warviel gesagt/ wo nicht auffgeschnitten/ als Mr.le Comte dc Crecy zu Regensburg anzeigte:

Man hätte aus des Mr. de Colbert rechnun-gen befunden/ daß die finanhen auffroo Milli-onen und ZOOQO0 pfund in einnähme sich be-lauffen; wiewohl er auch darbey nicht verbor-gen hielte / daß des Königs jährliche ausgabendargegen auf 197 Millionen und 522 pfund sichbiß dahin erstrecket hätten/und also von diesenrevenues etwa nur drey Millionen übrig undvorrath verblieben wären.

Die kriegs - Verfassung und stärcke der Die kriegs?Lron Frankreich bestehet auf den ordentli- rerftssungchen trouppen;u pftrdlmd fuß/wle auch aufdermiiihdesdenen Böniglichcn Gardes/ an curassirern/ Äönismchs.und leichten reutern/an derGcns d'ar»ne-rie/dcnFrantzöischcn / Schottischen undSchweitzerischen regimentern zu fuß; . ckeauch der Grand, mousquetaires odcr dr- ,gorrex - Garde. Es pfleget der König au cdwohl bey friedens-zeitcn/zum Staat und des-stnbcfestigung/verschiedene rcgimentcr fremdenfuß-v 0 leks zu unterhalten / nem lieh Tcu tsche/Schotten/ Irrländcr/ Iraliäner/ Lücker/und zumahl Schweiyer/ deren 6 biß 7220in Franekreich allezeit stehen. Mit dem BanundArriereban/ oder dem aufgebot der rit-ter-pferde/ hat es die sonderbare bcwandniß/daß selbige von denen amtlcmcn und Vögten aufcrforderung des Königs zustimmen gcführct/und von einern Fürsten vom geblüte comman-diret werden; inmaßen die Noblesse A.1674ausdrücklich darauf bestanden / daß ein solcherPrintz ihr General seyn sollen. Drey Mona-te ist die landschasft auf eigene kosten zu die-nen schuldig/ den rest muß der König darschies-sen. Außerhalb Landes ist mit ihnen so vielnicht/als mit geworbenen lcuten/auszurichten/zehren auch aus des Königs kosten.; oder manmuß ihnen sonst eine ergotzlichkeit thun/ wie

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