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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischen Herolds ander Theil, oder, Zuverlässige Beschreibung derer europäisch-christlichen Königreichen, freyen Staaten und Fürstenthümer
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von dem Königreiche Frankreich. 6r

denn in vorbesagtcm jähre alle Adeliche guterwider ihrer creäuoren anlauffund den curl'umuLrarum eistrngemachet werden musten/ weilsich die Edelleute bey dem aufsitzen in schuldenvertiefet hatten. Der Cardinal Richelieu/welchem die kräffte und ohnmacht Frankreichsgenau bekandt waren/ hat sich auch bey den da-mahligen innerlichen niockoux verbinden wollen/622222 zu fuß/und lsooOQ zu Pferde ins feldzu stellen/ so sirne der König selber mitgehen/und demselben alles/was waffen führen kau/folgen/ und dabey gute clUcstlm und menagcge-halten würde. Welches nicht unglaublich ist/wenn man bedencket/ daß auch bereits zu Kö-nig Carls lx zeiten mehr als 22 Millionen men-schen das kopff - geld bezahlet haben. Vor-mahls aber war es ein Staats-griff/der Na-tion die waffen und kriegs-gewalt nicht anzu-vertrauen/ aus furcht/ sie möchten selbige widerdie Könige wenden / deßhalber auch KönigFrantz l dieSchwciher-regimenterzum gehcim-ten schütz der Cron werben und unterhalten las-sen.

Warum kcb Icho Und nachdem des Königs Macht undder König autoritär alle ingcMne zum gehorsam ge-emvöracht/und denen vormahls freyern Provintzien»ichtsonder-die Mittel zur rebellion fast benommen sind/uch m ssirch« darff es dieser sorge nicht mehr. Denn zu ge-^' schweigen / daß die aufläuffke und vr.vm balge-reycn in Franckreich durch die ohnaussttzlichetodes-straffen so ziemlich zurück gehalten wer-den; so ist zu denen insgemein auf die Verän-derung des Staats abtauchenden empörungettsehr wenig gelegenheit/nachdem der König dengründ hierzu geleget/wie auch bereits vor ihmsein Herr vater die macht und stärcke der-chugo-notten (durch deren mit denen Römisch - gesinn-ten habende-religisus-und civil-irrungeir hiebe-vor die Cron Franckreich '.c. ihres Vermögensam meisten beraubet,worden) unterbrochen/und ihnen bey roo städre abgenommen/ undsich zugeeignet/sie sechsten aber aus dem König-reich vertrieben/ hiernechst auch die Fürsten ih-rer gewalt und Regalien entsetzet/sie fast zu blos-sen hof-civil-und kriegs-bedienten gemachct/und ihnen die noch aus ihren gutem oder vondenen hohen chargen habende ansehnliche ren-ken und einkünssie durch allerhand arten dergalamcrien unvermerckt aus den Händen ge-fpielct/über dieses alle feste städte im Reichewehrlos gemacher/ und in einigen groffn/ daes Vorwochen gewesen / citadellcn erbauen las-sen/dergleichen zu Marseille/Bourdeaux/Montpellier u. s m. geschehen/ anbey auch diezur aufwiegelung und unruhe von natur ge-neigte Nation durch ausländische cominuirli-che kriege seither geraumer zeit dermaßen occu-xiret/ daß sie nicht mehr an ihre freyher't undvormahliges mächtiges vermögen gedcnckendörffen. Welches wie es eine kluge inner-liche befestigung des Staats und Monar-chie ist; also den König gegen die auswärtigePolentzcn desto formidabler machet. Vor die-sem hielte man vor eine rcgul bey dem kriegs-Staat in der welt: Die Frantzosen griffenzwar bald zum degen / ihre kriege aberdauerten nicht lange. Ihr erster anfall seymehr als männlich/das ende aber wenigerals weibisch. Anfangs haben sie geld und

volckgenug/ so in friedens-zeiten gesammlet wor-den/ und greiffen alles mit der force an ; wer-sie aber aushalten kvnte/ wäre ihr überwindet'/welches in gewisser maße der erfahrne kriegs-held König Wilhelm in Engelland glücklich pra-cticirct/ und Printz Eugenius von Savoyeuin Italien würcklich zu observiren den ansanggemacht hat. Ob das der Nation sonst ge-wöhnliche unbeständige gemürhe auch darzuanlaß giebt/ ist ohne noth allster weiter zu erör-tern.

I^gurentmxkieüicez sagte zu seinerzeit aus ver-nüufftigem bedacht von der beschaffcnheit desFrantzöischen Staats: Daß diese Cron die Dem Änizganye Christenheit drvcken könne/ wenn^E^^sie ihre macht recht wüste. Wer heut zu mehr -is sei-tage an der wisscnschaffc des Königs Und sei-U'ÄAner klimttrorum zweifeln wolte / würde gröblichfehlen / siutemahln die beyde grossen Ministriund Cardinäle/ Richelieu und Mazarm/amallerbesten aber die nun in die 52,jähr regieren-de Königliche Majestät/ die schwäche und stär-cke der Cron ausss allet'genaueste erkundiget/

Und also ihrer Kömgl. Majest.es weder an gu-ter lehre und wissenschafft/ noch erfahrung/ nochgyplieirung derer Mittel gesichtet/ wodurch siesich vor allen dero vorfahren conlläersbel machenkönnen. ^

Es ist theils aus vorhergehenden erinnerlich/was Massen ihre Königl.Majestät dero thron macht so hochüber alte vorige tncrements und Staats-^^^'versichernnAen dadurch erwetkert/erhöhetund befestiget habe»/ indem sie die einheimi-schen kriege/ wodurch die kräffte des Reichsvormahls ganh empfindlich geschwächet undzu äusserlichen grossen kMnvpruen untüchtig ge-macht worden/durchaus gedämpftt/ die Für-stm zu ihren Hof-Cavaliers gemacht / und diedrey huupc - schlussel/Brisach gegen Teutsch-land/ pignerol gegen Irailen/ und Perpi-gnan gegen Spanien / weniger nicht an derMaße/Sambre/ Schelde/ Dendre/Leye undJperle zu dero vormaureu gcmachet/und alleswohl befestiget haben. Und ob zwar die ve-stungPiguerol nunmehro rsliret/ Brisachaber und Philipsburg dem Kayser wieder abge-treten worden / und die festung MontRoyalauffewig ihre Zerstörungen bekommen hat/sobleibt doch Savoyen mit Franckreich vereini-get/und hat der Ryswickische friede der CronFranckreich wiederum die gröste avantage zu-gebracht/da sie alles das/was vormahls unterdem titul der depeudenzien des Elsasses undder dreyBisthümere/oder sonst xro iecuritotseingenommen/ samt der fümefflichen stadt .Straßburg zu eigen und zur über-

kommen. Zwar hat der Hertzog von Lotha-ringen durch Lctztgedachten frieden crwas besse-re conäitionex erlanget/ als dessen Herr Vater A.

1678 vergeblich suchte; die heyrath aber mitder oben hochbenannten Frantzöischen Prinzeßsin hat hingegen das mtcresse des souvcrainenStaats von Lotharingen an des Königs willenund äissolition sy schr verbunden/daß man auchin jetzigem kriege von jähr und tage her demHcr-tzogesolchetbeiex vorgeleget/ welchesichmit ei-nem freyen Fürstemhume keines weges conce-ülren lassen.

Die demolirung der vestung Orange/ undH z die